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Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Notiz an mich – ein Resümee aus vier Jahren Selbständigkeit 

April 2013: Der Monat, in dem alles begann, was schon seit über einer Dekade am Laufen war. Nun wurde aus Spaß bitterer Ernst, gesellten sich Ängste und schlimme Vorahnungen zu einer großen Portion Risikobereitschaft, die die meisten sowieso viel zu selten im Leben haben. Ab jetzt wurde aus meinem „Just-for-fun“-Hobby ein Hauptberuf. Jetzt wurde es also echt und greifbar. Selbständigkeit, Eigenverantwortung, das ganz große Ding. Den freien Fall aus dem einst sicheren Leben vor Augen geführt bekommen. Schlaflose Nächte. Planungssicherheit gegen Ungewissheit tauschen. Das monatliche Gehalt durch Existenzängste ersetzen. „Denkst du auch an deine Rente, Junge?“ Puh, auch das noch. „Natürlich, Mutti!“

Nun gut, ich mach´s kurz: alles Quatsch. Ich habe den Schritt in die Selbständigkeit nicht den Bruchteil einer Sekunde bereut. Im Gegenteil. Vorbei sind die Zeiten, als mich das Klingeln des Weckers aus den süßesten Träumen riss und die Laune aufgrund des bevorstehenden Arbeitstages in Richtung Tiefgarage versank. Dort, wo jenes Auto stand, in dessen Lenkrad ich jeden Morgen vor Wut biss. Nein, all das habe ich hinter mir gelassen und das war die beste Entscheidung meines Lebens. Auch wenn sie Überwindung gekostet hat.

Natürlich ist der Erfolg nur die Spitze des Eisbergs. Es ist das, was jeder Außenstehende wahrnimmt, ohne einmal selbst auf Tauchgang zu gehen. Kein dicker Geldbeutel kommt über Nacht, außer man gewinnt im Lotto. Harte Arbeit ist der Schlüssel. 100 Wochenstunden werden Normalität, gepaart mit ständiger Erreichbarkeit. Feierabend und Freizeit sind hingegen Fremdwörter geworden. Selbständig zu sein ist die reinste Überstunde. Aber es ist auch jede Minute davon wert. Schließlich macht man es nicht, weil man es muss, sondern weil man es liebt und sich nichts schöneres mehr im Leben vorstellen kann.

Hat man damals beim leisesten Anflug eines Männerschnupfens bereits beim Hausarzt angerufen, so nimmt man heute trotz 39 Grad Fieber und Durchfall die zwölfstündige Reise zum Gig selbstredend in Kauf. Schließlich ist man sein eigener Chef geworden und hat dadurch einen hohen Anspruch an sich selbst. Die Miete und den üblichen Krempel zu bezahlen steht sowieso weit oben auf der Agenda.

Gerade heute, wenn man mit seiner Kunst hauptberuflich Geld verdienen möchte, muss man auf allen Kanälen kommunikativ bleiben. Man muss sich Hindernissen widersetzen, Hürden überspringen, über sich hinauswachsen und kann sich so immer wieder selbst aufs Neue überraschen. Wozu man fähig ist, erfährt man erst dann, wenn man seiner Leidenschaft bedingungslos nachgeht. Man muss aber auch Rückschläge verkraften können, Enttäuschungen meist mit sich selbst ausmachen, Kraft und Motivation aus eigenen Mitteln schöpfen und auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen.

Was nehme ich also aus den vergangenen vier Jahren mit? Jede Menge Erfahrungen fürs Leben. Eine gewisse Verbissenheit, um meine Ziele zu erreichen. Ein enormes Selbstbewusstsein, um auch kritische Phasen zu meistern. Gelassenheit und die Erkenntnis, dass man manche Dinge nicht ändern kann. Man lernt, gewisse Schalter einfach viel schneller umzulegen. Der Tag hat schließlich nur 24 Stunden und daher trennt man sich von allen Bremsen. Ob Mensch oder Sachen, ob Vision oder einfach nur sinnloser Zeitvertreib. Ich bin fokussierter geworden, habe klare Ziele vor Augen, will aber trotzdem keinen Erfolg um jeden Preis. Dafür ist mir der bunte Mix im eigenen Leben zu wichtig, denn auf Freunde und Freizeit möchte ich keinesfalls verzichten.

Wie lange es noch so weiter geht, kann niemand vorhersagen. Man kann aber alles dafür tun. Und wenn das irgendwann nicht mehr gut genug ist, dann geht das Leben trotzdem weiter. Bis es aber so weit ist, möchte ich alles aufsaugen, viel von der Welt sehen und vor allem das Leben in vollen Zügen genießen. Denn genau dafür habe ich diesen Schritt auch gewagt. Notiz an mich: Alles richtig gemacht bislang. Weitermachen.

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www.marc-depulse.com