Am Beispiel der Traditionsmarke Numark ist besonders interessant zu beobachten, wie die Tool-Hersteller generell mit immer neuen Controllervariationen um die DJ-Gunst buhlen, indem sie zwar einerseits dem Wunsch nach klassischer Handhabe weiterhin nachzukommen suchen, gleichzeitig die Arbeitsweise jedoch immer weiter abstrahieren. Machte man jedenfalls ein Daumenkino von den Numark-Katalogen der jüngeren Jahre, könnte man wie im Zeitraffer nachverfolgen, wie das monströse N7-Konzept mit seinen rotierenden Jogwheels auf den N6 zusammenschmolz, um jetzt als N4-Derivat neuerlich Aufmerksamkeit zu sorgen.

DJs stehen ja unvermindert unheimlich auf Tools, die komplett aus Metall gefertigt sind. Denn Metall verheißt eine Lebensdauer bis weit über den eigenen Legenden-Tod (oder zumindest die heikle 27) hinaus. Selbst wenn es schwergewichtiger, leitfähiger und vor allem teurer als Kunststoff ist, bleibt Metall unauslöschlich konnotiert mit Qualität und Stabilität. Aber sagen wir, wie es ist: Moderate Stöße übersteht Kunststoff im Regelfall so unbeschadet wie Metall. Und wenn ein elektronisches Gerät herunterfällt, geht es halt kaputt. Ob es dann aufbiegt oder zerbricht, ist relativ schnurz. Wichtig scheint lediglich, dass man im Vorfeld die entscheidenden Euro gespart hat, um nun seinen Frust ertränken zu können. Was wieder deutlich für Plastik spricht.

So waren wir auch nicht erschüttert, als uns der N4 beim Entblättern seinen Kunststoffkorpus entgegen reckte. Eher waren wir im Hinblick auf die Mobilität ob der knapp drei Kilogramm Gesamtgewicht ziemlich erleichtert. Auch was die Abmessung betrifft, liegt der N4 mit seinen rund 60 x 30 x 6 cm prinzipiell goldrichtig. Kleiner wäre aufgrund der zahlreichen Features zu unübersichtlich und bedienungsfeindlich, ein wenig größer nur, und der Numark-Neuling verdiente das Urteil sperrig. Die luxuriöse All-In-One-DJ Kanzel mit Discokugel im Streichholzschachtelformat bleibt also weiterhin eine Fata Morgana, der zwar alle hinterherrennen, die bei logisch kühler Betrachtung aber gar nicht umsetzbar ist.

In Anbetracht dessen macht der N4 eine überaus gute Figur. Denn die Anschlusssektion deutet bereits darauf hin, dass Numark seinen Controller, wie schon den N6, als nach möglichst vielen Seiten geöffnete Schaltzentrale versteht. Rückseitig warten neben dem USB-Port zwei vergoldete Cinch-Eingänge auf Anschluss. Hier können nicht nur Line- sondern auch klassisch analoge Phono-Signalgeber angeschlossen werden. Ausgangsseitig sorgen neben unsymmetrischen Master- und Booth-Ausgängen zusätzliche XLR-Outs bei Vollprofis für freudiges Zungeschnalzen. Was die Scholle wirklich besonders macht, ist die Option, sie durch einen Umschalter am Hinterleib Timecode-fähig und somit Serato Scratch- kompatibel zu machen. Im Lieferumfang enthalten ist dagegen Serato DJ Intro als Einsteiger-Version sowie Virtual DJ, mit dem sich die kompletten vier möglichen Decks des N4 zum Leben erwecken lassen.

Extrem gut durchdacht und nicht zuletzt dank der fruchtigen Beleuchtung selbst für Einsteiger sehr schnell zu begreifen ist die Bedienoberfläche der Konsole. Rechts und links sehnen sich die identisch aufgebauten Playerseiten nach Berührung, übergangslos mittig eingesetzt ist der Vierkanalmixer mit entsprechenden Line-Fadern und abschließendem Crosser. Ein klassischer Aufbau, bei dem die 3-Band-EQs bis zum Signal-Cut reichen und die Potis und Fader haptisch durchaus im Mittelfeld mitspielen. Wir machen uns im Gegensatz zu den Bedienelementen des N4 also locker, denn tatsächlich ist es noch gar nicht ewig lange her, da schabten selbst Spitzen-DJs an Oberklassen-Tools mit weit minderwertigeren Komponenten herum. Wirklich angetan sein darf man von den drucksensitiven Jogwheels. Denn diese liegen ausgesprochen angenehm in der Hand, lassen sich sämig führen und machen jedes Beatmatching zur Wonnetat. Ob gerade ein Club-DJ jemals die Option auf doppelte Mikrofon-Nutzung oder Scratch-Fader Curve zieht, ist eher fraglich. Ebenso dürften bei einem Großteil unserer Leser die über eine Umschalttaste erreichbaren Video-Fade-Funktionen kaum von gesteigertem Interesse sein.

Anders die Sample- und FX-Steuerungsmöglichkeiten. Hier vermag der Controller über 2 x 4 Endlosdrehregler Effekt-Parameter und Sample-Parameter zu steuern. Welche das genau sind, wird natürlich über die genutzte DJ-Software definiert. Voreingestellt sind, da Numark-Mitgift, wiederum Virtual DJ und Serato DJ, wobei für letztere eine Schablone mit der entsprechenden Beschriftung mitgeliefert wird. Für NI Traktor existiert inzwischen ebenfalls ein komplettes Mapping – wir haben diese Kombination nicht ausprobiert, gehen aber einfach mal davon aus, dass sie anstandslos funktioniert. In der Effektsektion untergebracht sind weiterhin die einfach zu bedienenden Loop- und Cue-Funktionen, enttäuscht hingegen wird, wer nach Hot Cue-Action giert: ein solcher Button ist nicht vorhanden.

Aber das ist auch der einzige Fauxpas, den sich Numark erlaubt. Ansonsten lockt der N4 mit einem wohl durchdachten Konzept, das als Symbiose aus Software-Controller und DJ-Mixer prächtig funktioniert. Er lässt sich online wie offline betreiben und bietet dank seines übersichtlichen Designs mit statusabhängiger Vielfarbillumination DJ-Neulingen einen perfekten Einstieg. Was aber, und das sei ausdrücklich betont, den Einsatz des N4 als mindestens semiprofessionelles Werkzeug keinesfalls ausschließt. Der anständige Klang, die XLR-Outs und das hervorragende Latenzverhalten unterstreichen diesen Anspruch.  So erhält man für ein Drittel des Preises nahezu Zweidrittel N6. Wir wagen provokant zu behaupten: Mehr braucht kein Mensch. Alles darüber hinaus gehende ist eigentlich schon DJ-Chichi und Image-Bling-Bling. So setzt Numark anschlussseitig alles auf eine Karte. Und der User gewinnt.

Numark N4

  • 4-Deck Controller und DJ-Mixer (funktioniert auch ohne Computer)
  • Eingänge: 2 x CD / Turntable, 2 x Mic
  • integriertes USB-Audio Interface mit symmetrischen Ausgängen
  • berührungsempfindliche Jogwheels
  • Digitalmixer mit EQ, Loop und Effektsteuerung
  • Software Virtual DJ LE und Serato DJ Intro im Lieferumfang enthalten
  • Timecode-Integration
  • UVP 479 Euro

www.numark.com