A.Paul Promo 4
Anfang Oktober pilgerten wieder Tausende Fans härterer Töne in die Dortmunder Westfalenhallen zur „SYNDICATE“. Zum achten Mal haben die Veranstalter I-Motion und Art Of Dance (NL) zum Tanze eingeladen. Während auf drei Floors diverse Techno-Spielarten mit „Hard“ als Anfangssilbe liefen, gab es auf dem vierten Floor – dem Abstract District – Techno bis 130bpm zu hören. Dort hat neben Kerstin Eden, Dandi & Ugo, Pappenheimer, Raphael Dincsoy, Linus Quick und Jonathan Cast auch der Portugiese A.Paul auflegen. Der DJ und Produzent aus Lissabon war zum dritten Mal mit dabei und hat im Vorfeld des Events  im Gespräch mit uns über SYNDICATE, Techno in seiner Heimat und David Cronenberg geplaudert.

Paulo Pereira, so lautet sein bürgerlicher Name, kann auf eine lange Karriere zurückblicken. 1971 geboren, startete er seine ersten Gehversuche im Alter von 13 Jahren, und entwickelte sich in den 90ern zu ein der meist respektierten DJs seiner Heimat. ‘95 veröffentlichte er seinen ersten Track „Juice“ – als Splitsingle zusammen mit Landsmann J Daniel. Ein erstes Ausrufezeichen, das auch international wahrgenommen wurde.

Du bist nicht zum ersten auf der SYNDICATE, wie oft warst du schon da und was denkst du über das Festival und seinen Vibe?

Ich bin in diesem Jahr zum dritten Mal dabei, es ist bisher immer ein großerSpaß gewesen. Ich weiß, dass das Festival eher für härtere Sounds wie Hardcore oder Hardtechno bekannt ist, aber ich denke, dass das Festival mit der Einbindung von Techno kompletter ist.

Du hast schon in vielen Ländern und Städten rund um den Globus gespielt. Gibt es große Unterschiede von Land zu Land? Länder mit außergewöhnlichen Charakteristika?

Sicher, es ist immer anders. Elektronische Musik und speziell Techno wächst seit Jahren und man kann natürlich die Orte erkennen, wo die Leute mehr oder eben weniger in der Musik drin sind. Momentan sind es Deutschland, Frankreich und die Niederlande, die generell Techno in seinem vollen Spektrum verstehen und das ist natürlich auch für die Künstler eine Honorierung ihrer Arbeit. Aber ich sage niemals nein zu einer Herausforderung, denn vor Leuten zu spielen, die nicht so tief in der Materie stecken, ist ebenfalls sehr interessant und man muss sich mehr Mühe geben, ihre Herzen zu erobern.

Wie sieht es mit einem neuen Album aus?

Ich veröffentliche sehr viel Musik – egal ob Alben, EPs oder Remixe. Das letzte Album habe ich 2012 produziert und ich möchte ein neues für das kommende Jahr anvisieren. In letzter Zeit war ich sehr damit beschäftigt Remixe zu machen und mit anderen Projekten außerhalb des Studios, aber es ist definitiv mein Plan ein Album im kommenden Jahr zu machen, wenn ich den 25. Geburtstag meiner Karriere feiere.

Du hast viele Tracks zusammen mit diversen Kollaborateuren veröffentlicht. Das scheint dir zu liegen?

Das Studio ist mein spielplatz und ich mag es mit anderen Produzenten zu arbeiten. Es ist eine großartige Sache, Ideen zu teilen und sich so als Produzent weiterzuentwickeln.

Gibt es einen Act auf deiner Wunschliste, mit dem du noch gerne kollaborieren würdest?

Es wird immer Produzenten geben, die mit Talent und Innovation herausragen. Zur zeit sind meine Favoriten Gary beck, Audio Injection, Clouds und Hans Bouffmyhre. Ich kenne sie auch alle, zwei von ihnen haben schon Sachen von mir geremixt, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir auch mal die Chance bekommen gemeinsam an einem Track zu arbeiten. Die Zeit wird es zeigen.

Dein Label heißt Naked Lynch. Hat das was mit dem gleichnamigen Film zu tun?

Ja, hat es. Ein guter Freund hat mir in den 90ern den Film gezeigt und ich mochte immer die Art und Wiese, wie Seltsam der Name klingt. Aber der Name hat auch eine tiefere Bedeutung. „Naked“, weil das Label eine Menge authentisches Material präsentiert und dieses nicht zu sehr „verkleidet“. Wir veröffentlichen alle Sorten von Techno ohne Vorurteile – von bekannten und unbekannten Künstlern. Und „Lunch“, weil Musik Nahrung für die Seele ist.

Erzähle ein bisschen von Lissabon – über die Menschen, die Musikszene …

Abgesehen davon, dass die Stadt für ihr herrliches Wetter und seine gastfreundlichen Einwohner bekannt ist, war und ist Lissabon mittlerweile wieder ein toller Ort, um Techno zu genießen. in den 90er Jahren war die Stadt und so ziemlich das ganze Land ein Hotspot für elektronische Musik – von vielen als „A Paradise called Portugal“ tituliert. Um die Jahrtausendwende herum wurde es ruhiger. Dafür gab es mehrere Gründe, wie z.B. mangelnder Zusammenhalt unter den Künstlern, geringes Medieninteresse, schlechte Promoter und ein mangelndes Verständnis dieser Musikkultur gegenüber. Für eine Weile war die Szene dazu verdammt zu stagnieren und für mich persönlich, wie auch für viele andere, hieß das, anstatt ausgebuchter Wochenenden, ein paar Gigs im Monat. In den letzten Jahren werde ich allerdings Zeuge, wie der alte Spirit mit einer neuen Generation von Technofans zurückkehrt. Und die verdienen es, das Beste geboten zu bekommen, was die neue Bewegung zu bieten hat.“

Wie populär ist der Sound, den du spielst, in Portugal?

Techno ist momentan und global gesehen ein sehr weites Genre und da bildet Portugal keine Ausnahme. Hier mögen die Leute immer noch den härteren Sound von Hardtechno und Schranz, aber es gibt eine recht neue Bewegung, die sich auch an anderen Techno-Spielarten erfreut. Ich mag das.

In Portugal gibt es etwas, das sich „Saudade“ nennt und was man eigentlich nicht übersetzen kann. Kannst du das einem Nicht-Portugiesen erklären?

Saudade ist das, was du fühlst, wenn du wirklich was vermisst. Es geht dabei um Liebe und Nostalgie. Ich fühle das, wenn ich an die alten Zeiten denke, wir hatten eine großartige Szene. Aber ich möchte auch nicht zu nostalgisch klingen, ich liebe es den Moment zu genießen und wir schreiben die Seiten der Zukunft. Das soll auch sehr toll sein.

KURZ & KNAPP

Meine erste selbstgekaufte Platte …
Frankie Goes To Hollywood – Two Tribes

Mein erster Gig …
1989 auf einer Schulparty in Cacem, nahe bei Lissabon.

Meine Geheimwaffe …
Gary Becks „Consumed“ im Mark Broom-Remix, habe ich bisher über 100 Mal gespielt.

Mein Allzeit-Klassiker …
Schwer nur einen zu nennen, da gibt es zu viele … hmmm, evt. „Gravitational Arch of 10“ von Vapourspace

Mein kuriosester Gig …
Irgendwo in der Schweiz. Hose aufgerissen während ich spielte, wurde nicht bezahlt, endete Vinyl spielend bei jemandem zu Hause und kehrte am nächsten Tag zurück nach Portugal mit einer Jogginghose.

Mein momentanes Lieblingsalbum …
Alles von Clouds, sie repräsentieren alles, worum es bei Techno geht. Sie sind roh und original.

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