Mit dem DDJ-400 wendet sich Pioneer DJ-Frischlingen zu, die für überschaubare Kosten einen einfachen und doch nachhaltigen Einstieg in die Controller-Welt suchen. Konzeptionell gleicht er recht genau dem DDJ-RB, dessen Produktion jedoch eingestellt wurde. Der DDJ-400 darf also durchaus als dessen Erbe betrachtet werden, auch wenn er jetzt die drei Ziffern statt zwei Buchstaben in der Endung trägt.

DDJ-400_prm_angle_1805235

Sich bereits als Einsteiger für ein Gerät eines renommierten Herstellers zu entschieden, hat durchaus entscheidende Vorteile. Sowohl die Technik als auch Bedienung sind Ergebnis einer langjährigen Evolution, die sich bereits anderen Tools bewährt haben. In der Regel werden neue Features zunächst für die teuren Premium-Tools entwickelt, bevor sie in die darunterliegenden Preisklassen durchschlagen. Man geht also keine Experimente bei der Funktionalität ein und muss die Neuerungen nicht mehr teuer bezahlen. Im Gegenzug können die Hersteller Neueinsteiger im hart umkämpften Markt mit ausgereiften Tools auf Ihre Seite ziehen können. In aller Regel bleiben DJs dem System, mit dem sie angefangen haben, treu und steigen irgendwann auf ein umfangreicher ausgestattetes Gerät derselben Marke um. Im Falle von Pioneer kommt noch hinzu, ihr noch recht junge Rekordbox-DJ-Software weiter gegen Markführer wie Serato oder Traktor etablieren zu müssen. Diesbezüglich gleich vorweg die gute Nachricht: Der 279 EUR kostende DDJ-400 umfasst eine Lizenz für die Vollversion von Rekordbox DJ im Wert von 139 EUR.

Bei Pioneer kann man den Übertrag in die unteren Klassen immer wieder gut zu beobachten. So wirkt auch der DDJ-400 wie ein Feature-Mosaik aus bereits bekannten Modellen. Allen voran natürlich die CDJ/XDJ-Player und DJM-Mixer der neusten NXS2-Generation sowie den daraus abgeleiteten DDJ-1000-Controller. Eine fehlerfreie Funktionalität ist somit garantiert, auch wenn man bei einem Einsteiger-Tool natürlich Einschränkungen in Ausstattung und Material hinnehmen muss. Luxus in Form von Aluminiumelementen oder High-End-Fadern kann man natürlich nicht erwarten. Stattdessen regiert – immerhin robuster und tadellos verarbeiteter – Kunststoff. In wichtigen Details kann der 400er aber dennoch mit ein wenig Komfort punkten. So zeigen sich die Jogwheels im Vergleich zu den großen DDJ-Modellen zwar auf ein früher klassisches Controller-Maß von 130 mm gestutzt. Jedoch reagieren sie, wie bei den ausgewachsenen CDJ-Layern, ebenso vorbildlich drucksensitiv und lassen sich bemerkenswert gut führen. Kein Kratzen, kein Wackeln – so sollte es sein. Ähnliches gilt für die acht Performance-Pads pro Playerseite. Diese sind einerseits kaum größer als eine Briefmarke. Andererseits ließ es sich Pioneer nicht nehmen, sie wie bei seinen aktuellen Top-Modellen vollgummiert und farblich illuminiert auszuführen. Summa summarum ist der DDJ-400 mit 2100 Gramm bei einer Größe 48 x 27 x 6 Zentimetern ein kompaktes Leichtgewicht inklusive seitlicher Tragemulden, was ihn auch für mobile Einsätze prädestiniert. Anschlussseitig beschränkt sich das Gerät aufs Wesentliche: einen USB B-Port für den Computeranschluss, ein Stereo-Chinch-Out-Paar für die Ableitung des Audiosignals sowie ein unsymmetrische Mikrofonklinke mit Level-Poti. Vorderseitig lugt dann noch der unverzichtbare Headphone-Anschluss heraus, allerdings nur als 3,5 Milimeter Miniklinkenbuchse.

Beim Layout und der daraus resultierenden Bedienung wird der Rookie in gewohnter Pioneer-Manier an die DJ-Welt herangeführt. Die identisch aufgebauten Playersektionen markieren die Außenflanken. Hier richten sich die Japaner unverändert am klassischen DJ-Set, wobei sich die Pitchfader jeweils auf der rechten Seite des Players befinden. Fast alle anderen Hersteller setzen bei ihren Controller auf ein vertikal gespiegeltes Layout, bei dem die Pitcher am linken und rechten Außenrand verbaut sind. Im unteren Zentrum der Player befinden sich die bereits erwähnten acht Performance-Pads inklusive vier schmaler Gummibuttons für die Pad-Modus-Wahl. Oberhalb der Jogwheels sind schließlich noch die Loop-Sektionen angelegt, wie man sie beispielsweise vom XDJ-700 kennt. Dort lässt sich eine vordefinierte 4-Beat-Schleife generieren oder ein Abschnitt manuell über separate In- und Out-Buttons isolieren und als Dauerloop abspielen. Ebenfalls ist die Halbierung und Verdoppelung der Schleife über gesonderte Pfeilknöpfe vorgesehen. Noch schneller funktioniert der Loop-Zauber über die Performance-Pads im Beat Loop-Modus. Die vordefinierten, auf die acht Pads verteilten Taktlängen reichen dann von ¼ bis 32 Beats.

Zur 2-Kanal-Mixersektion: Diese verfügt selbstredend über alle wichtigen Funktionen, die ein DJ benötigt. Darunter 3-Band-EQs sowie eine Vorhörsektion mit Cue/Master-Blendregler, Lautstärke-Poti und Cue-Buttons in den Kanalzügen. Zusätzlich kann man über einen LP/HP-Poti pro Kanalzug sowie den Beat-FX-Streifen auf der rechten Mixerseite auf die entsprechenden Effekte in Rekordbox DJ zugreifen. Funktionsumfang und Bedienung sind einsteigerfreundlich simpel gelöst. Ein FX-Selector, Level/Depth-Regler sowie Links/Rechts-Buttons für Beat-Anpassungen – mehr braucht es für den Anfang auch nicht. Die Beat-Effekte lassen sich dem linken und rechten Kanälen oder aber Master zuweisen. Erweitert wird der Effektreigen durch die bereits legendären Pioneer Pad-Effekte. Gleich zwei Pads können pro Player auf die entsprechenden Effekte in Rekordbox DJ zugreifen, darunter Delay-, Reverb-, Vinyl-Brake- und Filter/LFO-Modelle. Die vier erweiterten Kreativfunktionen wie eben Pad FX 1 und 2 sowie Keyboard und Key Shift lassen sich in zweiter Ebene ganz einfach über Shift und Anwahl des Modus-Buttons erreichen. In erster Ebene stehen die DJ-Grundfunktionen Hot Cue, bereits erwähnter Beat Loop, dazu Beat Jump und als Highlight der Sampler. Grundsätzlich arbeiten die Performance-Pads ähnlich, wie schon bei Beat Loop beschrieben. Startpunkte, Beat Jumps oder Samples lassen sich auf die Pads verteilen und jederzeit taktexakt starten.

Last but not least und für Einsteiger besonders wichtig: Der DDJ-400 funktioniert absolut Plug & Play. Rekordbox DJ installiert sich auch in der neusten Version unverändert selbstständig und das perfekt darauf abgestimmte Hardware-Gegenstück übernimmt anstandslos die Kontrolle. Weiterhin erfreulich: Rekordbox DJ wurde inzwischen mit einem interaktiven Lernprogramm aufgepeppt, das Neulingen Schritt für Schritt die Funktionen erklärt. Auch klanglich lässt das verbaute 24 Bit/44.1 kHz Audiointerface keine Wünsche offen. Einfach in der Bedienung und gleichzeitig mit wichtigen Premium-Features gespickt, wird es diesem fetten Pioneer-Köder mühelos gelingen, reihenweise DJ-Einsteiger an den Haken zu bringen.

Aus dem FAZEmag 079/09.2018

Das könnte dich auch interessieren:
Pioneer DDJ-1000 – Der Brückenbauer
Der neue DDJ-SB3 von Pioneer DJ

www.pioneerdj.com