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Mit „Deep V“ bringt Deep Vibes dieser Tage ein neues Reboot Album auf den Markt. Wir sprachen mit Frank Heinrich (Reboot) über die Geschichte und Hintergründe der Platte. Sascha Dive, einer der beiden Betreiber von Deep Vibes, hatte ebenfalls kurz Zeit für unsere Fragen.

Wie ist dein neues Album entstanden?
Ich hatte die Stücke schon vor längerer Zeit produziert. Die lagen in der Schublade, als verschiedene Skizzen, bestehend aus kurzen Aufnahmen, Live-Mitschnitten und Field Recordings. Vor über zwei Jahren hatte ich sie Sascha (Dive) bereits gegeben. Er kam letztes Jahr darauf zurück und meinte, dass die Stücke super zu Deep Vibes passen würden. Ich habe ich mich dann hingesetzt und sie überarbeitet – sozusagen „gerebootet“ – und sie veröffentlichungstauglich gemacht. Der Ursprungsgedanke war aber nicht, ein neues Album daraus zu machen, im Gegenteil. Ich wollte das eher als Minialbum laufen lassen, da es nur sechs Stücke sind. Aber die hatten dann eine Spielzeit von über 70 Minuten. So ist dann doch ein Longlayer daraus geworden.

Welcher Albumtrack war in Sachen Ausarbeitung der aufwendigste?
Von der Produktion her waren alle mehr oder weniger gleich aufwendig, Als Stück, an dem ich besonders lange schrauben musste, fällt mir am ehesten „Banging Ear Drums“ ein, weil ich dort diese Vocalschnipsel mitverarbeitet habe. Es dauert eben länger, so etwas ganzflächig zu verteilen, als wenn ich einfach mein Modularsystem anschmeiße. Grundsätzlich bin ich relativ schnell im Studio unterwegs. Das Einzige, das man bei allen Tracks als aufwendig bezeichnen könnte, wäre, bestimmte Tiefen vorzunehmen. Etwa indem man ein Aufnahmegerät dabei hat, Umgebungsgeräusche aufnimmt und diese hinterher zusammenschneidet und unter die Tracks packt. Das gibt diesen etwas Organisches. Dahingehend sind alles sechs Stücke des Albums schon relativ aufwendig.

Was fasziniert dich besonders an Field Recordings? Du hast ja an den unterschiedlichsten Orten aufgenommen…
Vom Flughafen bis zum Hotelpool ist alles dabei. (lacht) Mich faszinieren solche einfachen Außengeräusche. Man kann auch einfach nur dastehen und das Mikro in die Luft halten. Das gibt den Songs eine bestimmte Tiefe und Unberechenbarkeit, die man synthetisch kaum nachbilden kann. Ohne, dass jetzt ein Gerede aufgenommen wurde, das mache ich eher selten. Es sind Umgebungsgeräusche, die ich in verschiedenen Schichten, Lautstärken und Effekten in die Stücke mit einarbeite.

Wie viel Zeit investierst du ins Abmischen der Tracks?
Über die Jahren sammelt man natürlich gewisse Erfahrungen. Ich habe auch meinen Sound und weiß genau, wie der klingen soll. Wie tief es hinunter in den Keller gehen soll und wie scharf die Höhen sein sollen. Reboot klingt nun mal so wie er klingt. So wie es auch bei meinen vergangenen Produktionen schon war. Da gibt es nur vereinzelte Stücke, mit denen ich mal ausreisse. Wenn es um den typischen Reboot-Sound geht, läuft die Arbeit relativ schnell ab. Da weiß ich genau, wie ich zum Ziel komme, wo ich Stereo-Verbreiterungen brauche oder mehr oder weniger Tiefe, Reverbs oder Delays. In der Regel sind die Stücke auch schon abgemischt. Natürlich checkt man das dann noch mal über andere Anlagen und korrigiert gegebenenfalls nach. Aber ich muss das jetzt nicht noch mal alles aufs Mischpult legen, um dann eine endgültige Abmischung zu machen. Im Produktionsprozess mische ich das schon so, dass so gut wie nichts mehr nachbearbeitet werden muss.

Welche Maschine aus deinem Studio ist denn besonders charakteristisch für deinen Sound?

Ganz prägend ist definitiv die Machinedrum von Elektron, der MK2 von Vermona und der Moog Voyager. Seit ein paar Jahren ist auch ein Modularsystem dabei. Das hört man auch daran, dass irgendwo etwas rumflattert und rumsurrt. Ich nehme meist einzelne Jams für zwei drei Minuten auf, bastele irgendeinen Loop. Das kann auch ein kompletter Drumbeat sein. Ich nehme das mit verschiedenen Veränderungen auf und jage das noch mal durch Effektgeräte wie den Ultra Harmonizer von Eventide. Dann schaue ich, ob ich daraus nur eine kleine Schicht verwende. Dadurch kann ein kompletter Drumloop plötzlich wie ein kleine Shaker klingen. So kommen in einem Track wie „Banging Ear Drums“ zehn verschiedene Drumloops vor, die übereinander geschichtet wurden, um dieses breite Bild zu ergeben.

Wie bewahrst du dir denn die Experimentierfreudigkeit beim Produzieren?

Die Stücke, die jetzt auf Deep Vibes erscheinen, schielen schon ein wenig auf die Vergangenheit. Aber es kommen immer wieder neue Sachen von heraus. Zu Hause, für mich selbst, mache ich Musik, die ganz anders ist. Slow Tempo und so. Das würde ich jetzt nie herausbringen wollen. Wenn ich in meinem Studio so schaue, was da alles für Skizzen liegen … Von Chillout bis Jazz ist alles dabei. Der klassische Reboot-Sound wird aber schon immer der gleiche bleiben. Wenn ich mich dazu entschließe, andere Musik zu veröffentlichen, lasse ich mir dazu ein Pseudonym einfallen. Viele von den Reboot-Stücken, die ich heute mache, klingen natürlich schon etwas anders, als meine ersten Produktionen, aber ich möchte schon, dass man einen Reboot-Track erkennt.

Sascha, was macht den Künstler Reboot und seine Musik für dich aus?

Reboot ist ein langjähriger Freund. Wie er eben schon erzählt hat, sind die Stücke auf „Deep V“ schon älter. Das ist der traditionelle Reboot-Sound. Sehr detailverliebt, immer sehr groovig und mit sehr gutem Rhythmus.

Was steht denn bei Deep Vibes in diesem Jahr noch so an?

Ich betreibe das Label mittlerweile zusammen mit Christian Schölzel. Ich habe ihn vorletztes Jahr mit ins Boot geholt. Jetzt kommt erst mal das Reboot Album, danach, im April, mein eigenes. Im Anschluss daran kommt eine EP von Knarf Skipson, der für seinen experimentellem House bekannt ist. Und zum Sommer dann die „In The Streets Part 2“-Compilation als Doppelvinyl mit jungen und alten Künstlern aus Amerika. Es wird jedoch keine CD bei uns mehr geben. Aber Vinyl bleibt weiterhin das erste Format bei Deep Vibes.

 

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