Acht Jahre sind seit seinem letzten Album auf Perlon (2004: “The Au Harem D’Archimede”) vergangen. Nun kehrt Ricardo mit aufsehenerregenden 14 neuen Stücken zurück. Einen derartig kreativen und vielseitigen Hr. Villalobos hat man selten gehört. Jeder Track sprüht vor Spielfreude, ist vielschichtig und gehaltvoll, kompositorisch klug angelegt und beherbergt einen Kosmos an Sounds und Emotionen. Exemplarisch sei der Opener herausgegriffen: “Tu Actitud“ beginnt mit fremdländischem Sprach/Singsang. Schemenhaft schieben sich einzelne musikalische Elemente und Sounds(effekten) in den Vordergrund, um im weiteren Verlauf die Oberhand zu gewinnen. In jeder Ecke hört man andere Klänge – man kann sich gar nicht satthören vor so viel auraler Fülle. Ricardo bedient viele Facetten: Mal perkussiv im Ananda Style (“I’m Counting“), kontemplativ experimentell (“Das Leben Ist So Anders Ohne Dich“ – mit einer Gabi Delgado Lopez-DAF-like Stimme), dann reduziert tracky („Put Your Lips“, “Timemorf“, “Grumax“) oder funky-catchy-minimal (“Zuipox“, “Mochnochich“) und techfloorkompatibel (“Kehaus“, “Samma“). Am meisten Freude bereitet mir sein neues Album, wenn er mit Sounds und Maschinen experimentiert und zwischen Beat und Soundkollage schwebt (“Die Schwarze Massai“, “Defixia“). Hier merkt man, wie dem Musiker das Herz aufgeht. Ganz zum Ende bringt uns Ricardo wohl das Stück, das Clubfeel und Soundtüftelei am besten zusammenführt und für Furore auf dem Flur sorgen wird (“Koito“). Als Fazit bleibt anzumerken, dass uns RC weder einmal (hier in Sessioncharaktermanier) mit einer sehr modernen Herangehensweise von Elektronik überzeugt, ohne den funky Flow auszuklammern. Das Album ist vergleichbar mit (nicht fassbarer) schwarzer Materie, die anstelle des Weltraums hier die Musik zusammenhält und die eigentliche musikalische Aussage erst greifbar werden lässt.  Carsten Becker

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