shlomi aber

Der aus Israel stammende und mehrfach ausgezeichnete Künstler Shlomi Aber ziert das Rückcover der Juliausgabe – und das aus gutem Grund, denn er feiert mit seinem renommierten Label Be As One zehnjähriges Bestehen. Da gibt es natürlich einiges zu erzählen. Wir sprachen mit dem DJ und Produzenten über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Top-Labels Be As One.

Zuerst einmal möchte ich dir ganz herzlich zu deinem Label-Jubiläum gratulieren, Shlomi. Die Zehnjahresmarke zu knacken, ist sicher ein außergewöhnliches Gefühl für dich und das ganze Be-As-One-Team.

Vielen Dank! In der Tat ist es etwas ganz Besonderes und wir können es selbst kaum glauben – es sind wirklich zehn Jahre! Was unser Jubiläumsjahr betrifft, sind wir schon sehr aufgeregt, denn wir haben große Pläne geschmiedet.

Über eure Pläne werden wir später noch sprechen, lass uns doch anlässlich dieses großen Ereignisses zuerst ein bisschen in der Label-Vergangenheit wühlen. Was hat dich damals dazu getrieben, Be As One zu gründen?

Ehrlich gesagt habe ich den Eindruck, dass es heutzutage gängig und darüber hinaus sehr einfach geworden ist, sein eigenes Label zu gründen. Vor zehn Jahren war das noch etwas total anderes, auch im Bezug auf den digitalen Fortschritt. Nun ja, die Idee eines eigenen Labels trug ich auf jeden Fall schon eine ganze Weile mit mir herum. Klar, es gab auch zur Gründungs- zeit große und hochwertige Labels, aber mir fehlte eben dieses eine bestimmte, dem ich mich wahrhaftig zugehörig fühlte. Be As One ins Leben zu rufen, fühlte sich also sehr gut an. Über die letzten zehn Jahre sind wir nun zu einer großen Familie mit vielen großartigen Freunden und Künstlern gewachsen, denen ich für ihren Einsatz, ihr Engagement und ihr entgegengebrachtes Vertrauen eigentlich nicht genug danken kann.

Inwiefern hat sich die musikalische Ausrichtung des Labels über die Jahre verändert? Worauf liegt der Fokus heute?

Ich finde, das Wort „verändert“ trifft den Nagel nicht richtig auf den Kopf. Wir haben uns nicht wirklich verändert, denke ich, viel treffender wäre es, zu sagen, wir haben uns weiterentwickelt und sind mit der Erfahrung gewachsen. Mit Be As One fahren wir heute eine Mixtur aus House und Techno, jedoch immer mit dem Anspruch auf Top-Qualität. In den letzten 3–4 Jahren jedoch haben wir uns allerdings zunehmend auf Techno fokussiert, was sich auch in meinen eigenen DJ-Sets widerspiegelt. Grundsätzlich sind wir als Label natürlich immer offen für neue Ideen und Einflüsse.

(Welt-)Offenheit ist für ein Label sicherlich nicht nur ein wichtiger, sondern auch ein essenzieller Punkt, um lange im Musikgeschäft bestehen zu können. Was uns auch direkt zu meiner nächsten Frage bringt, Shlomi: Du stammst aus Tel Aviv, Israel, und somit auch das Label, richtig? Heute lebst du in Barcelona. Wie kam es zu diesem Location-Wechsel?

Das stimmt, gegründet habe ich es damals noch in Tel Aviv, aber tatsächlich betrieben wurde es dort nicht. Dazu muss ich auch sagen, dass wir bei Be As One von Beginn an ein bunter Mix an Menschen aus aller Herren Länder waren. Unser Label-Manager Nick zum Beispiel kommt aus Italien, die Grafiker kommen aus Polen und Spanien und auch der Rest des Büroteams war im Grunde überall verteilt. Die Zusammenarbeit gestaltete sich daher hauptsächlich online und wir versuchten, uns so oft es ging zu treffen, wenn einer von uns unterwegs war. Damals liebte ich es auch, den Winter in Tel Aviv und den Sommer auf Ibiza zu verbringen, doch das klappt heute nicht mehr, denn ich habe in der Zwischenzeit eine Familie gegründet und bin Vater zweier Kinder. Sie brauchen ein stabiles Umfeld und eine gesunde, natürliche Lebensart, nicht so wie ihr Vater (lacht). Aus diesem Grund haben wir uns auch in Barcelona niedergelassen. Ein wunderbarer Kompromiss, wie ich finde, denn hier gefällt es allen.

Ihr seid wirklich ein bunter Haufen bei Be As One. Wie viele seid ihr denn mittlerweile? Schließlich bist du ja auch ein gefragter DJ, hast Familie und verbringst obendrein noch viel Zeit im Studio.

Als ich 2006 begann, war ich noch allein unterwegs, doch ohne mein Team im Rücken wäre ich heute nicht mehr imstande dazu, das Label aufrechtzuerhalten. Wir sind ja mittlerweile auch zu etwas viel Grö- ßerem gewachsen. Wir veranstalten viele Showcases, bringen eigene Veranstaltungsreihen auf den Weg und kümmern uns unter einem Dach um das Artist-Management und die Bookings. Sieben Leute sind wir aktuell im Büro in Barcelona und ich freue mich sehr, von solch enga- gierten Mitarbeitern wie Nick, dem Mann für das Daily-Label-Business, umgeben zu sein.

Wenn du das Label-Geschäft von damals mit dem von heute vergleichst, stellst du da besondere Unterschiede fest?

Es ist nicht unbedingt schwieriger oder einfacher geworden, aber es ist ein komplett anderes Geschäft heutzutage, als es zu Beginn von Be As One war. Zum Zeitpunkt der Gründung und in den ersten Jahren lag der Fokus allein auf der Musik, allein auf dem tatsächlichen Output eines Labels. Die Qualitätsansprüche waren hoch und jeder wollte das Maximum aus seinem Sound herausholen. Wenn jemand gute Arbeit ablieferte, dann sprach sich das auch herum, stach hervor und wurde wertgeschätzt. Mit der heutigen Schnelllebigkeit hat sich auch das Musikgeschäft verändert. Der Markt wird von digitalen Anbietern und Dienstleistern sowie Social Media bestimmt. Die Meinung anderer spielt eine viel größere Rolle. So sehr wir uns diesem Lauf der Zeit auch anpassen müssen, ich versuche, Be As One da weitestgehend raus und die Qualität nach wie vor hoch zu halten. Bei uns gibt es keine Verträge nur aufgrund von vielversprechender Musik, die persönliche Beziehung zum Künstler spielt ebenso eine tragende Rolle.

Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums veröffentlicht Be As One zwei EPs mit der Musik bekannter Technoprotagonisten. Unsere Leser durften in der vergangenen Ausgabe ja bereits die Rezension von Savas Pascalidis lesen, der die Platten im Rahmen der „A DJs Favourite“- Reihe vorstellte. Eine davon ist bereits erschienen, die zweite folgt in Kürze. Was mich nun aber interessieren würde, ist deine Verbindung zu diesen Künstlern, also zum Beispiel Markus Suckut, Eduardo de la Calle, Truncate oder Skudge.

Das sind alles Künstler, die bereits über Be As One ihre Musik veröffentlicht haben und die – neben der musikalischen wie geschäftlichen Zusammenarbeit – zu guten Freunden geworden sind. Es sind Künstler, die ich außerordentlich schätze, und obwohl ich finde, dass dieses Wort selbst, „Künstler“, viel zu leichtfertig verwendet wird, haben all diese Jungs auf den zwei EPs diese Bezeichnung verdient. Und wie zuvor bereits kurz angeschnitten, so wichtig die Musik auch ist, die persönliche Verbindung zählt, um eine Zusammenarbeit langfristig und erfolgreich zu gestalten. Diese DJs und Produzenten sind durch die Bank intelligent, aufrichtig und immer für eine Menge Spaß zu haben, wenn wir uns die DJ-Booth teilen.

Diese DJs haben noch etwas anderes mit dir gemeinsam: Ihr veröffentlicht nicht ausschließlich auf Be As One. Du hast bereits die Label-Kataloge von Nonplus, R&S, Ovum oder Cocoon um einige Nummern erweitert. Wärst du ohne eigenes Label und ohne die damit verbundene zusätzliche Arbeit vielleicht schon weiter in deiner eigenen künstlerischen Laufbahn? Hast du je an Be As One gezweifelt?

Nein, niemals! Be As One war schon immer und wird auch immer mein Zuhause sein. Dass ich ab und an auch mit anderen Labels zusammenarbeite, ist gang und gäbe, wenn nicht sogar ein wichtiger Teil des Ganzen. Ich veröffentliche im Allgemeinen nicht sehr oft, aber wenn, dann soll die Musik zu 100 Prozent zum Label passen. Und nicht jeder Track, den ich mache, passt zwangsläufig zum momentanen Sound von Be As One. Meine nächste EP zum Beispiel kommt über Len Fakis Figure-Label. Eine weitere Plattform, die ich sehr schätze. Und meine Musik passt da einfach perfekt hin.

Wie schon festgestellt, sind bekannte und gefragte Acts Teil deines Labels, aber auch frische, unbekannte Künstler und Newcomer prägen den musikalischen Output von Be As One. Für wie wichtig erachtest du die Arbeit mit jungen Produzenten und welchen Stellenwert hat bei euch die Talentförderung?

Talente zu fördern, war schon immer Teil der Philosophie des Labels. Wir haben vielen, heute hochgelobten Künstlern den Weg bereitet und ihre ersten Arbeiten veröffentlicht. Als Labelbetreiber bin ich auf solche Ereignisse natürlich besonders stolz. Wir haben uns hier kein offizielles Ziel gesetzt und achten auch nicht vordergründig darauf, aber ich bin der Meinung, dass wir eine sehr gute Balance zwischen neuen und etablier- ten Künstlern haben. Das zeigen auch die Jubiläums-Releases, auf denen wir die Arbeiten von Truncate, Suckut und Co. mit denen von Orbe, Jam. oder Lincan Ray kombinieren.

Wie geht ihr mit den sicher zahlreichen Demos um, die ihr tagtäglich erhaltet? Hast du Zeit, dir diese anzuhören?

Nick ist hier der erste Filter und sortiert schon mal grob aus, dennoch ist es unmöglich, sich alle eintreffenden Demos anzuhören. Einige Tausend landen da im Jahr auf unserem Schreibtisch und unseren Rechnern, sie alle anzuhören würde bedeuten, den ganzen Tag nichts anderes zu ma- chen. Aber um ehrlich zu sein finden wir unsere Musik nicht über Demos. Das läuft, wie erwähnt, über einen persönlichen Draht, sprich Freunde und Menschen, die ich unterwegs auf meinen Touren kennenlerne. Wir haben, glaube ich, schon seit Jahren kein einfaches Demo, das per Mail bei uns eintraf, gesignt. Ich möchte mich der ganzen Sache aber auch nicht verschließen oder sie grundsätzlich verneinen. Selbst wenn wir ein Release ins Auge fassen, dauert es manchmal noch Monate, bis alles passt und wir mit den Tracks der Künstler zufrieden sind. Aus diesem Grund planen wir auch nicht mehr als drei bis vier Releases hintereinander. So bleiben wir flexibel und übernehmen uns nicht.

Aus dem FAZEmag 065/07.2017