Als ob er nicht schon busy genug wäre und daher meist den Privatjet nehmen muss, um pünktlich zu seinen Gigs zu kommen, hat Solomun eine neue Residency angenommen. Der Club ist neu, lit und liegt an der kalifornischen Westküste. Genauer gesagt, in Los Santos. Wer diese Metropole nicht kennt: keine Sorge. Das ist keine Bildungslücke. Denn diese City ist ebenfalls neu auf der Landkarte. Und entspringt den kreativen Köpfen von Rockstar Games, die ein Update des Auto-Videospiels Grand Theft Auto, kurz GTA, gelauncht haben und den virtuellen Ort so beschreiben: „Los Santos ist die Stadt der glänzenden Lichter, der langen Nächte und der schmutzigen Geheimnisse.“

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„After Hours“ ist das neueste Update aus der GTA-Reihe. In GTA V geht es um die Eröffnung und Verwaltung von Nachtclubs in der fiktiven Stadt Los Santos – mit allem, was dazugehört. Von der Einrichtung der Venue über das Anheuern von Personal bis zum Booking. Hier residieren Weltklasse-DJs in Clubs und Lagerhallen, wo sich ekstatisch-verschwitzte Menschen ihren Sets hingeben, während sie die ganze Nacht bis zum Morgengrauen durchtanzen. Denn: Nachtclubs sind die perfekte Tarnung für jede andere – kriminelle – Operation, die der Spieler möglicherweise nebenbei betreibt. GTA gilt schon lange als äußerst beliebtes, manchmal nicht ganz unumstrittenes Game mit einem ausgereiften musikalischen Feature. In der virtuellen Welt von GTA gibt es verschiedene Radiosender, zu denen bereits bekannte und auch aufstrebende Musiker verschiedener Genres Tracks beigesteuert haben, so zum Beispiel Flying Lotus. Dieses Mal geht Rockstar weiter: Mit Tale Of Us, Dixon und The Black Madonna ist eine Riege hochkarätiger Artists aus der elektronischen Szene als In-Game-Character, als Residents des virtuellen Clubs gebucht, allen voran Solomun.

Zeitgleich zur Veröffentlichung der neuen GTA-Version releast Solomun nach drei Jahren seine erste EP – „Customer Is King“. Diese ist im Spiel ein Teil von Solomuns In-Game-DJ-Set. Moment mal: gebucht, In-Game-Character, In-Game-DJ-Set? Ja, die Musiker sind tatsächlich Figuren im Spiel. Sie wurden kartiert, gerendert und animiert. „Der Witz ist ja, dass ich kein Gamer bin“, sagt Mladen Solomun, so der Weltstar mit vollem Namen, und erzählt weiter von seiner Entstehung als Game-Character: „Sonst wäre ich vermutlich vor Ehrfurcht erstarrt im Motion-Capture-Studio in New York, wo wir digital vermessen wurden. Aber auch ohne ein Gamer zu sein, muss ich sagen, ich war sehr beeindruckt und noch mehr: Durch diese digitale Vermessung hatte ich schon irgendwie das Gefühl von Unsterblichkeit … Ich weiß, ein großes Wort, aber so hat es sich angefühlt, denn jetzt ist man in diesem Spiel drin, potenziell für immer.“

Ein kleines virtuelles Denkmal also, das Rockstar Games dem weltweit erfolgeichen DJ und Produzenten gesetzt hat. Ein weiterer Meilenstein: Die neue EP markiert das 100. Release des Labels Diynamic Music, das der in Bosnien geborene und in Hamburg aufgewachsene Solomun vor 12 Jahren mit Adriano Trolio in der Hansestadt gegründet hat. „Ja, wow, 100. Release, das ist schon ein merkwürdiges Gefühl“, sinniert der „Pacha“-Resident. Drei Tracks stark ist die neue Veröffentlichung. Mit „Customer Is King“, „Dre“ und „Ich Muss Los“ sind recht verschiedene Stücke vertreten. Der Titeltrack der gleichnamigen EP ist dramatisch und rasant, er ist Teil der Kooperation zwischen Solomun und Rockstar Games: Zu „Customer is King“ wurde das erste offizielle Musikvideo im Look von Grand Theft Auto V veröffentlicht. Rockstar Games produzierte den Clip mit Solomun als Hauptcharakter. Als Game-Figur spielt er im Video einen Lieferboten in einer düsteren Dystopie, bei der die Kunden den Lieferanten töten dürfen, wenn der nicht pünktlich liefert. Solomun rast durch die Szenerie, blickt auf die Uhr und tritt das Pedal durch, während böse Kräfte versuchen, seine Mission zu sabotieren.

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„Dre“ ist gedacht als eine musikalische Verneigung vor den Pionieren des frühen West-Coast-Sounds, wie beispielsweise NWA, 2Pac, Snoop Dogg, Warren G oder eben Dr. Dre: „Sommer, Sonne, Westküste! Mit dem klassischen Westcoast-Sound verbinde ich natürlich in erster Linie die schönen und lockeren Dinge des Lebens“, sagt Solomun. „Und als bei dem Track ‚Dre’ die markante Synthie-Hook dazukam, war mir klar, das Ding muss man ‚Dre’ nennen.“ Der finale Track „Ich Muss Los” verkörpert hingegen eine energiegeladene Stimmung, wie man sie von Solomuns vielen umjubelten frühmorgendlichen Sets kennt, hypnotisch, Industriegeräusche mit Sirenentönen gepaart.

Für ein zweites Album fehlte und fehle immer noch die Zeit, erzählt der Labelchef und Musiker: „Die drei Tracks sind mit der Zeit entstanden. Ein Album ist ja auch eine ganz andere Sache, da muss man ja wirklich etwas zu erzählen haben, wenn man ein Album machen will. Eine EP ist da natürlich etwas dankbarer.“ Wie es um seinen schon einmal geäußerten Wunsch steht, weniger Engagements anzunehmen? „Sehr gute Frage! Ich nehme es mir immer wieder vor, weniger zu spielen, aber es macht ja auch einfach Spaß und es gibt so viele tolle Orte auf der Welt, wo man spielen kann. Sagen wir mal so: Es ist nicht leicht, das mit dem weniger.“ Vielleicht schafft es sein virtuelles Alter Ego, sich während der Saison zwischendurch einmal an den Strand zu legen.

 

Aus dem FAZEmag 077/07.2018 
Text: Csilla Letay
www.diynamic.com
www.rockstargames.com

 

 

VERLOSUNG
In Kooperation mit Rockstar Game verlosen wir ein T-Shirt „Los Santos “ (Gr. L) und ein GTA-Zippo. Schickt uns eine E-Mail an win@fazemag.de, Betreff „Grand Theft Auto“. Einsendeschluss ist der 22.08.2018, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnahme ab 18 Jahren.

 

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