Sie gehören zu SonneMondSterne wie die Sonne zum Sommer, wie der Mond zur lauen Sommernacht und wie die Sterne zu einem sommerlich-klaren Firmament. Ihre ersten Sets spielten sie bei SMS, da hörte manch einer von euch noch Bibi Blocksberg statt Techno. Und die Musikfestivals, die damals in Deutschland stattfanden, konnte man an einer Hand abzählen. Die Rede ist von Mathias Kaden und Marcus Meinhardt. Wir hatten das Vergnügen, die zwei Pioniere zu einem Frage- und Antwort-Spiel laden zu dürfen.

 

Meinhardt_Kaden_SMS


22 Mal SMS. 22 Mal mit euch? Könnt ihr euch noch an eure erste Performance erinnern? Plaudert doch mal ein bisschen aus dem historischen Nähkästchen.

Mathias: 20-mal mit mir. Und seit ca. 17 Jahren mit mir als DJ. Die ersten Jahre stand ich noch oft unter der Kategorie „und viele mehr“ im Line-up. Und ab ca. 2004 dann ganz offiziell. SMS war das erste Festival, das ich in meinem Leben besucht habe. Am Anfang war es noch sehr überschaubar, mit zwei Stages und vielleicht 15 Acts. Es war und ist für unsere Region einzigartig und ich bin mit diesem Festival groß geworden. An meine erste Performance kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern, aber in den ersten Jahren bin ich mal im Maincircus spontan für Kid Alex eingesprungen. Es hieß nur „Mathias, du musst in 15 Minuten im Maincircus auflegen“. Das war schon echt überwältigend, wenn man auf einmal vor 2.000 Leuten spielt.

Marcus: Vor 22 Jahren waren wir die Kids auf dem Festival, die mit Leib und Seele alles gerockt haben. Das Ganze natürlich mit viel Respekt und Aufregung im Gepäck! Um das Festival zu unterstützen, haben wir dort alle am Anfang mitgearbeitet. Nach dem Job ging es dann an die Turntabels und es wurde Musik gemacht. Es war zu der Zeit alles neu und hat riesigen Spaß gemacht. Ich durfte von Anfang an das Schlussset auf der Mainstage spielen, was eine große Ehre für mich war. Danach ging es ins Munazelt, zur Afterhour, die ich mit Hörste bespielte habe, bis in den Sonntagabend rein. Sonntagnacht saßen wir dann glückselig am Lagerfeuer und haben das Festival ausklingen lassen.

SMS ist eins der größten, wichtigsten und spektakulärsten Festivals Europas. Was unterscheidet es eurer Meinung nach von anderen Events?

Mathias: Für mich persönlich liegt der Unterschied darin, dass viele meiner Freunde hinter und vor den Kulissen arbeiten und SMS somit immer ein riesiges Familientreffen ist. Wir haben seit vielen Jahren unser eigenes Zelt: Muna. Es ist für uns als Muna immer noch ein Statement, Thüringen bei SMS zu präsentieren. Und: Ich muss nicht zig Stunden im Flieger sitzen, um es zu erreichen, sondern brauche nur 45 Minuten mit dem Auto.

Marcus: Was die SMS so besonders macht ist a) die Location. Denn das Festival liegt an einer wunderschönen Talsperre, im Herzen von Thüringen. Man kann direkt vom Dancefloor ins Wasser gehen, zum Baden oder um sich frisch zu machen. Wo gibt es das denn?! Und b) ist die Crew auch immer noch die gleiche wie vor 22 Jahren. Und sogar die Kids der Veranstalter sind mit dabei. Wobei diese „Kids“ mittlerweile teils Führerschein und eigene Wohnung haben! Aber es ist klasse, dass sie bei SMS mithelfen, tanzen und Musik machen. Es ist großartig, ein Teil dieser Entwicklung zu sein und dort auch immer noch Musik machen zu dürfen.

Was war für euch ein unvergesslicher Augenblick bei SMS?

Mathias: Wenn ich jetzt ein einzelnes Ereignis herauspicken würde, wäre das falsch. In den letzten 20 Jahren ist so viel passiert, und jedes Jahr passiert etwas, mit dem man nicht rechnet. Das macht SMS auch so einzigartig.

Marcus: Vier Tage Dauerregen, und das Festivalgelände sah aus wie eine schlammige Mondlandschaft. Trotz dieser Situation haben sich die Leute damit arrangiert und sind bis zum Schluß geblieben. Eingehüllt in Plastiktüten und Gummistiefeln, wurde einfach weiter gefeiert und es war eine super Stimmung auf den Floors. Das war schon krass! Im Schlamm war es plötzlich egal, wer man war, denn alle sahen gleich aus! (lacht)

Viele vor allem junge Partypeople sparen das ganze Jahr, um bei SMS dabei sein zu können. Für sie ist dieser Timeout eine Art Urlaub. Urlaub – ein gutes Stichwort: Wohin zieht es euch, wenn ihr mal länger am Stück frei habt?

Mathias: Nach Hause!

Marcus: Ich liebe die Berge. Vor allem die Alpen. Ich liebe die Ostsee. Und im Winter bin ich in Asien.

Kurz und knapp: Was fällt euch zu folgenden Schlagworten ein:

– EDM
Mathias: EDM = Electro de merde… Laurent Garnier!
Marcus: Absolut nicht mein Ding. Da bluten mir die Ohren.

– „Früher war alles besser“
Mathias: Ja. Und die Butter war billiger.
Marcus: Anders! Es ging mehr um die Musik und weniger um Fotos.

– Camping bei Festivals …
Mathias: … sollten mal wieder einige DJs machen.
Marcus: … gehört natürlich dazu, aber ich bin aus dem Alter raus.

 

– Soundcloud, Beatport & Co …
Mathias: … sind in den letzten Jahren sehr wichtig geworden, aber ich versuche, es nicht allzu ernst zu nehmen.
Marcus: … sind wichtig für den Transfer der Musik in die ganze Welt.

Zurück zu SMS. Ihr spielt beide als DJ-Legenden bei SMS. Kennt ihr euch eigentlich und habt ihr womöglich schon mal zusammen aufgelegt?

Mathias: Wir kennen uns schon sehr lange. Ich bin ca. 1998 zu Muna gekommen und Marcus war damals fester Bestandteil der Muna. Damals noch als Drum´n´Bass-DJ. Wir haben schon öfter zusammen aufgelegt, aber das letzte Mal ist schon eine Weile her.

Marcus: Na klaro kennen wir uns! Wir haben beide in der Muna als Barkeeper gearbeitet und uns dort auch kennengelernt. Vor unserer Schicht haben wir uns manchmal Matzes neue Tracks auf der großen Anlage angehört. Irgendwann ging es dann los mit dem Auflegen.

Die FAZEmag-Leser sind immer ganz scharf auf neuen Musicstuff. Verrate ihnen doch kurz eure aktuelle Top-3.

Mathias:
KiNK – Playground (Running Back)
Mathias Kaden – Nova (OVUM)
Muna-Musik allgemein

Marcus:
Artbat – Tabu (fryhide)
Jiggler – Monsters In My Mind – (Heinz Music)
Dayne S – Time (Kittball)

 

 

Mathias, „Von Thüringen in die ganze Welt“ – so könnte man in aller Kürze deinen musikalischen Werdegang beschreiben. Wie hat sich dein Style nach mehr als 1.500 Auftritten verändert?

Mathias: Mein Stil ist etwas straffer geworden, hat aber immer noch den Housegroove wie vor vielen Jahren. Ich spiele mittlerweile sehr viele eigene Sachen, was ich früher nicht so gemacht habe. Aber auch wenn man schon so viele Auftritte hinter sich hat wie ich, wird das DJing nie zur Routine.

Seit Ende der 90er ist Muna deine Residency als DJ. Auch bei SMS gibt es eine Muna-Stage. Was erwartet die Leute, wenn du an den Reglern stehst?

Mathias: Feuerwerk, Lichtershow, viele GoGo´s aus Lettland, zwei große Elefanten, die die Leute mit Torte einreiben! Oder vielleicht auch einfach nur geile Musik und eine gute Connection zu den Leuten.

Remixe für Timo Maas, Monika Kruse und DJ Koze sind nur ein Miniatur-Auszug aus deiner Arbeit. Welche Projekte stehen als nächstes an?

Mathias: Remixe für Jesse Perez, für Santé und eine eigene EP. Und ich arbeite an meinem ersten Album meines Dubprojekts Mathimidori.

Marcus, dein Resident-Club ist Kater Blau, dein Resident-Label Katermukke. Klar, um einen Kater zu haben, musste man am Abend zuvor blau gewesen sein. Welche Mukke hilft dir in so einem Fall wieder auf die Beine?

Marcus: Ganz klar Chill-out, Downbeat und Jonny Cash!

Gut, mal im Ernst jetzt. Erzähl doch kurz vom Club, dem Label, deinen letzten und deinen bevorstehenden Performances.

Marcus: Also… Der Kater Blau ist und bleibt einfach die Nummer 1 in Berlin, was Techno und Ausgehen angeht. Der Laden bietet einfach alles, was das Herz begehrt. Es gibt vier Floors, die alle mit einer guten Sound- und Lichtanlage ausgestattet sind. Es gibt viele Separees, wo man abhängen kann und, und, und …
Was das Label angeht, kann ich nur sagen, dass wir Woche für Woche daran arbeiten, gute Musik unter die Leute zu bringen. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Künstlern und neuer, innovativer Musik. Die Arbeit macht uns sehr viel Spaß, weil wir immer wieder neue Leute aus verschiedenen Ländern kennenlernen und uns dadurch ein immer größer werdendes Netzwerk schaffen.
2018 freue ich mich schon auf die ganzen Open Airs, wie z. B. SMS, Garbicz, Dockland und Think.

Es ist mittlerweile sechs Jahre her, dass du Heinz Music ins Leben gerufen hast. Welche Nummern releast du auf deinem eigenen Label und wen hast du noch so mit ins Boot geholt?

Marcus: Ich release alles, was mir gefällt und was dancefloortauglich ist. Ich versuche nicht nur eine Schublade zu bedienen, sondern das Ganze in verschiedene Richtungen zu gestalten. Damit erreicht man einfach mehr Menschen auf dieser Welt. Ich habe schon mit namenhaften Künstlern wie D-Nox & Beckers oder Luigi Rocca Releases gemacht. Wir stellen aber auch unbekannten Künstlern unsere Plattform zu Verfügung, wenn die Musik qualitativ gut ist und sie stilistisch zu uns passt.

 

 

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Aus dem FAZEmag 072/02.2018 
Text & Interview: Torsten Widua