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Zusammen mit Ron Shiller hat der Zürcher Alex Dallas das Label Drumpoet Community 2006 gegründet und ist außerdem Mitbetreiber des Clubs Zukunft. Seit gut 20 Jahren ist er in der Schweizer Metropole aktiv, hat um die Jahrtausendwende das Label Straight Ahead betrieben und gehörte zur Crew der legendären Dachkantine. Auch als Produzent war immer wieder aktiv. Auf Drumpoet sind zwei EPs von The Lost Men erschienen, einem Projekt zusammen mit Alex Gustafson und Bernd Kunz.

 

Vor wenigen Monaten wurde die Zürcher Technokultur offiziell in die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz aufgenommen. Ist das einfach nur ein Titel, der nur die Feuilletons interessiert oder macht man sich auch als DJ, der ja auch dazu beigetragen hat, Gedanken darüber?

Ich glaube, die meisten Aktivisten waren auch sehr überrascht über diesen Titel. Aber er untermauert natürlich den Beitrag, den viele Künstler, Clubs, Veranstalter, Musiker und DJs dazu geleistet haben.

Trägt so ein Titel auch zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung bei oder ist das eh kein Problem in Zürich?

Die Akzeptanz für diese Kultur ist schon groß, schwierig wird es, wenn es um Nachtruhestörungen geht, da kollidieren dann Welten.

Du betreibst seit über zehn Jahren das Label Drumpoet Community. Wie hat sich die Labelarbeit für dich in dieser zeit verändert?

Eigentlich wenig – das aber auch, weil wir uns in Punkto Promo und Marketing wahrscheinlich nicht mit- oder weiterentwickelt haben. Wir wollen immer noch daran glauben, dass gute Musik den Weg zum Hörer von alleine findet. Aber natürlich ist das nicht so, wir haben es zugegebenermaßen verschlafen, den Hype über neue Portale wie beispielsweise Resident Advisor für uns zu nutzen. Doch für uns steht Qualität über Popularität, wir machen das Label, weil es uns Spaß macht und müssen glücklicherweise nicht davon leben. Man muss bedenken, dass heutzutage jene zum Zug kommen, die Posts bewerben, bei Portalen Anzeigen schalten und sehr viel Marketing-Budget in ihre Labels investieren, das ist bei uns nicht möglich, dafür ist unsere Musik zu spezifisch und hoffentlich auch zu beseelt.

Gibt es noch andere Zürcher Label, die du uns empfehlen kannst?

Sehr viele und spannende Labels wie Lux Rec, Rumpelmusig, Lustpoderosa, Les Points, Phantom Island, Light Of Other Days, Details, Deep Down Slam, Ozelot Ltd., Akoya Circles, Arche Rec., Miteinander Musik, Mountain People, unser eigenes clubinternes Zukunft Recordings sowie noch einige, die ich hier wohl vergessen habe. Die Szene ist sehr lebendig und vielseitig, es gibt Einiges zu erleben, das ist wirklich bereichernd.

Als größte Stadt in der Schweiz bietet die Stadt auch ein sehr spannendes Nachtleben an. Was sind denn zur Zeit die spannendsten Clubs, DJs und Partyreihen?

Die Stadt hat ein sehr vielfältiges Programm und auch einige gute Clubs anzubieten. Je nach Geschmack gibt es meist auch einen Club der entsprechend beliebt ist. Bei den DJs gibt es die altbewährten wie bspw. Kalabrese und Lexx, aber auch sehr viele junge talentierte Leute wie Susie Star, Sentiment, Les Points, Jack Pattern, Kejeblos, Leo Gretener, Jimi Jules, Manuel Fischer, die gesamte Ozelot Ltd. Crew und auch Live-Acts wie CCO, Delakeyz oder auch Idealist haben es echt drauf! Und da gibt es wirklich noch einige mehr, jedoch muss man mir meine Vergesslichkeit hier verzeihen.

Wenn man nach einer langen Clubnacht noch nicht nach Hause gehen möchte, wo geht man dann hin uns lässt die Nacht ausklingen oder den neuen Tag beginnen?

Oh da gibt es mittlerweile sehr viele Möglichkeiten in Clubs aber auch in One-Off-Locations, da konsultiert man am besten die sozialen Netzwerke oder spricht mit Einheimischen. Im Sommer bieten sich natürlich auch die Orte am Wasser dafür an.

Was würdest du denn einem Wochenendbesucher empfehlen, der neben der Clubkultur auch etwas anderes von der Stadt kennenlernen möchte?

Zürich ist für seine Größe sehr kosmopolitisch, da hat es die prunkvolle Bahnhofstrasse, das Niederdorf und den Bellevue, der Kontrast dazu sind die Langstrasse, die Kreise 3, 4 und 5. Das sind wunderschöne Stadtquartiere und Plätze mit gemütlichen Cafés und Bars. Im Sommer kann man zum Beispiel auch an den Zürichsee, an den Letten oder auch in eine der zahlreichen Parkanlagen gehen. Besonders empfehlen kann ich auch das Kunsthaus, das sehr oft außergewöhnliche Künstler präsentiert.

Wann kommt denn das nächste Release auf Drumpoet?

Die nächste Platte wird von unserem irischen Freund John Daly kommen, ein Drumpoet der ersten Stunde und für uns persönlich einer der ganz großen Deep-Dub-Leftfield-House-Produzenten unserer Zeit. Dann folgt noch eine EP-Serie mit verschiedenen Künstlern aus unserem Umfeld, wir haben da tolle Tracks von Jack Pattern, Look Like, Manuel Fischer, Nwachukwu und einigen weiteren. Danach ist eine neue EP von Quarion geplant und es kommen natürlich immer wieder spannende Demos rein. Da wir Drumpoet auch als Plattform für junge Künstler begreifen, ist es uns ein Anliegen diese zu auch fördern.

Aus dem FAZEmag 070/12.2017

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www.drumpoet.com