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Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Tabuthema Depressionen

 

Januar. Der November für Fortgeschrittene. Grau, kalt, viel Dunkel, wenig Hell. Sonnenstunden minus 10. Ungemütlich ist noch ein aufgerundeter Zustand des alltäglichen Befindens. Monate wie diese sind für Wintersportler ein Traum, für Strandliebhaber das Grauen. Eine nicht gerade willkommene Jahreszeit, wenn das eigene Tun in der Schaffenskrise steckt. Die Releases floppen, die Booking-Anfragen bleiben aus, der Zuspruch sinkt, ein Lichtblick fehlt. Leere im Kopf, die Miete im Nacken.

Es sind jene Phasen, aus denen man stärker heraus kommt und daran wächst, wenn man ein Kämpfer ist. Aber was, wenn einem dieses Kämpfer-Gen nicht in die Waagschale gelegt wurde?

Was, wenn auch im Hochsommer Eiszeit im Kopf ist? Was, wenn man sich in seinem Tief einmal richtig festgefahren hat? Wenn man keinen Ausweg mehr findet und selbst Erfolgserlebnisse in Frage stellt? Was, wenn man auf all seine Fragen keine Antworten mehr findet? Hat man Angst vor dem Fallen, wenngleich man doch fliegen könnte? Ergo: Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Es sagt sich so leicht, dass man nicht aus jeder Lösung ein Problem machen soll.

Doch sind Depressionen keine solche Stimmungsschwankungen, keine unerfüllten Erwartungen, zu wenig Gigs oder schlechtes Wetter. Nein, es ist eine ernstzunehmende Krankheit, die mehr professioneller Hilfe bedarf als es ein paar klugscheißende Worte jemals finden würden. Aber es ist auch das bittere Resultat, was der Leistungsdruck mit der Gesellschaft gemacht hat, der auch in der Musikbranche seine Burnout-Kandidaten findet und fördert. Aus dem einstigen Miteinander wurde ein Ellenbogen-Wettbewerb. Es ist kaum noch echte Kunst, wenn jeder mit den einfachsten Mitteln produzieren kann und dieses Produkt dann auf die Bühne bringt. Aber dennoch will jeder dabei sein und solange die boomenden Branche ausschlachten und im Rampenlicht stehen wie nur irgend möglich. Koste es, was es wolle.

Das Luxusgut Party mit all seinen schönen und erfolgreichen Menschen, seinen Machern und Helden polarisiert. Die, die Woche für Woche im Auftrag der Unterhaltung ihren Allerwertesten zur Schau tragen, Glanz und Gloria zelebrieren. In einer Scheinwelt voller Ruhm, Reichtum, Gier und auch ein wenig Glücksgefühl und Lebensfreude hat ein Griesgram nichts verloren. Wer Schwäche zeigt, ist für die verwöhnte Masse uninteressant und fällt hinten runter. Doch darüber redet keiner, denn natürlich bewirbt man sein Musiker-Dasein nicht mit Misserfolgen. Es ist doch die viel besagte Spitze des Eisbergs, die die Außenwelt sehen soll. Weniger das, was nicht klappt. Unzählige Anläufe und ständiges Scheitern bekommen schließlich keine Likes, solange Champagner erstrebenswerter ist als Dosenbier.

Doch warum werden Depressionen in der Öffentlichkeit so verschwiegen? Ist es die Angst, darüber zu reden und sein gutes Standing womöglich zu gefährden? Sind es gar Versagensängste? Traue ich mich aus meinem Schneckenhaus heraus oder mache ich mein Problem lieber mit mir selber aus, anstatt mich verletzen zu lassen? Meistens ist die Katze schon aus dem Sack, wenn man doch zu rufen vermag: Warum hast du denn nicht schon viel eher etwas gesagt?

Mehr Offenheit und Ehrlichkeit macht einen Menschen nahbarer, einen Künstler in dem Falle authentischer. Fehler einzugestehen hat etwas von Größe. Schwäche zu zeigen verdient Respekt. Denn auch in der tollsten Scheinwelt geht der Super-DJ wochentags nur bei Penny einkaufen. Erfolg und Misserfolg sind menschlich und beide gleichsam Teil unserer Gesellschaft und sollten auch genauso gleich behandelt werden.

Wenn man alleine nicht mehr aus dem Strudel heraus kommt, sollte man die helfende Hand nicht schmähen. Und vor allem vorbeugen. Ein wenig mehr Bremse statt Gaspedal schadet niemandem, egal wie ambitioniert die Ziele auch sein mögen. Kenne dein Limit und drücke regelmäßig deinen Reset-Knopf. Für Kreative ist dies sowieso das oberste Gebot.

In diesem Sinne: Passt auf euch auf!

 

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www.marc-depulse.com