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Talaboman – Unterwegs im Nachtland

Die sagenumwobene Kollaboration von John Talabot und Axel Boman präsentiert ihr erstes Album. „The Night Land“ ist eine wilde Mischung aus House, Ambient und Elektro und gibt den ersten richtigen Einblick in das Schaffen des spanisch-schwedischen Duos. Vor dem Album erschien nur eine EP auf Studio Barnhus und Hivern Discs, den Labels von Boman und Talabot. Ansonsten musste man bei einem Auftritt der zwei dabei sein, um zu verstehen, warum sie ohne gemeinsame Releases die Aufmerksamkeit der ganzen Szene auf sich ziehen. „The Night Land“, das auf R&S Records erscheint, lässt nun jeden in die Klangwelt von Talabot und Boman einreisen.

Axel, war vor kurzem jemand bei einem Auftritt von dir in Brasilien nackt?

Axel: Das sind die glorreichen Momente, für die ein DJ lebt! Es ist eine Instanz der Geisteskrankheit, die nur von der Clubkultur ausgelöst werden kann. Es ist schwierig, an andere Orte zu denken, an denen du dich so freust, dass du den Drang hast, all deine Klamotten auszuziehen und einen Pimmeltanz vor dem ganzen Club zu haben.

John: Ich habe mal in einem Raum voller Nackter aufgelegt. Das wusste ich vorher nicht, daher war ich der einzige, der angezogen war. Es war die Afterparty von einem Fotografen, Spencer Tunick glaube ich, der macht Fotos von nackten Menschen. Sie riefen mich an und meinten: ‚Hey, wir wollen auf der Afterparty von einem Künstler spielen.‘ Ich sagte zu, kam zu der Party und jeder war angezogen. Und als ich das Set anfing, war jeder nackt. Das war aber auch das einzige Mal, dass das passiert ist.

Wie kamt ihr zum gemeinsamen Arbeiten?

Axel: Das fing mit Johns DJ-Kicks-Mix an. Er entschied sich, mit einigen Produzenten, die er mag, zusammenzuarbeiten und ich war einer davon. Das war die initiale Kollaboration.

Wie war das gemeinsame Produzieren?

Axel: Ich glaube es ist sehr wichtig für uns, dass wir uns nicht in unserer Komfortzone bewegen, obwohl wir uns mögen und daher gerne Zeit miteinander verbringen. Wenn du mit jemand anderem im Studio sitzt, machst du Dinge, die du nicht tun würdest, wenn du alleine wärst. Das fordert dich ein wenig heraus. Wir haben zum Beispiel einen gemeinsamen Dropbox-Account, über den wir Projektdateien ausgetauscht haben, aber es stellte sich heraus, dass wir damit nicht klarkamen. Immer wenn wir uns sehen sind es sehr intensive Sessions und du brauchst Zeit, um das zu verarbeiten, wenn man wieder nach Hause kommt. Das hat sich dann immer bis zum nächsten Treffen gezogen. Es hat geholfen, dass wir uns immer wieder auf Tour sahen. So konnten wir uns über das Projekt unterhalten, daran arbeiten oder uns darüber austauschen, was wir uns unter dem Sound von Talaboman vorstellen.

Wie entwickelte sich dann das Album?

John: Am Anfang hatten wir die Idee einer Doppel-EP, aber wir wussten nicht wohin die gehen soll, wo wir sie veröffentlichen. Bis vor vier Monaten haben wir das Projekt immer noch geheim gehalten, es war nur für uns. Das war gut, so hatten wir keinen Druck. Wir haben das nur aus der Liebe zur gemeinsamen Musik gemacht, es gab keinen Marketingplan oder sowas. Wir haben das Album dann mit R&S realisiert, weil wir die Historie des Labels mögen. Und ich dachte mir, es wäre lustig, eine R&S-Platte zu veröffentlichen, die niemand erwartet. Wir wollten es definitiv nicht über unsere Labels machen.

Was reizt euch am gemeinsamen Auflegen?

John: Das wir mehr Stunden haben, um zu spielen. Wir machen längere Sets, in denen wir Dinge spielen, die wir sonst nicht einbauen können. Wir erschaffen ein Universum von verrückten Trance-Techno-House-Dingen. Wir versuchen Musik zu finden, die zu dem passt, was wir uns unter Talaboman vorstellen und nicht was wir als Solokünstler spielen würden. Das ist das wirklich Interessante für mich… Hallo? Axel?

Axel: Ja! (spielt Mundharmonika)

John: Ah, du liest wieder E-Mails, oder? Immer wenn er verschwindet, macht er etwas anderes.

Axel: Nein, ich höre dir zu. (spielt mehr Mundharmonika)

Wo sind für euch Gemeinsamkeiten zwischen euren DJ-Sets und dem Album?

John: Ich glaube, wir haben uns vorgestellt, was im Album sein soll, würden wir auch in unseren Sets spielen. Wir haben die idealistische Soundpalette in unseren Sets genutzt, um am nächsten Tag im Studio, manchmal noch etwas betrunken, genau diese Energie wiederzufinden.

Tourt ihr mit eurem Album auch durch Deutschland?

Axel: Ja, wir kommen ins Robert Johnson, wir sind im April in Berlin und Leipzig am 2. April.

Aus dem FAZEmag 061/03.2017
www.thenightland.org