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Techno hat die Ursprünge in Europa. Auch wenn Detroit und Chicago wesentlich zum Techno- und House-Kult beigetragen haben, ausgelassen und hedonistisch feiern lässt es sich am besten in Europa. Anders als in Berlin, Barcelona, Amsterdam oder auf Ibiza geht es in den Staaten zu. Dort freut man sich der weilen über das jüngst erlassene Gesetz, dass in Kalifornien die Clubs jetzt bis 04:00 Uhr geöffnet haben dürfen.

Vorher war um Punkt 02:00 Uhr Ende mit der Party, mit jeder Party. Keine Minute später gingen die Lichter im Club an, die Musik aus und an Alkohol war nirgends mehr ran zu kommen. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass unsere Clubs teilweise 24-Stunden-Lizenzen besitzen oder man in Berlin 24/7 feiern kann.
Auch wenn es uns lächerlich vorkommt „nur“ bis 04:00 Uhr in Clubs abzufeiern, diese neu erworbene Lizenz wird die kalifornischen Metropolen Los Angeles, San Francisco und San Diego ein Stück mehr Rave-Feeling geben.

Das prüde Amerika tickte schon immer etwas anders, wenn es um Vergnügen, Musik und Tanz ging. Im 19. Jahrhundert waren selbst züchtige Paartänze in manchen Bundesstaaten verboten. Universitäten unterlagen striktem Tanzverboten. Weiße durften nicht mit Nicht-Weißen tanzen. In den 1920er Jahren gab es die große Prohibition. Öffentliche Lokale brauchten eine sogenannte „Kabarett-Lizenz“, damit dort getanzt werden durfte. Oft war es Gästen auch weiterhin untersagt zu tanzen, nur spezielle Kabarett-Tänzer/innen durften sich in ausgewählten Etablissements zur Musik bewegen. Selbst oder besser gesagt besonders in New York war und ist es extrem schwierig eine solche Lizenz zu erwerben. Das „Kabarett-Gesetz“ oder „No-Dancing Law“ gilt dort noch heute. Nur wurde es über die Jahre mit immer weniger Intensität durchgesetzt.

Auch Musiker hatten es in den 1940er Jahren nicht leicht. Um in New York musizieren zu dürfen mussten die Musiker eine sogenannte „Kabarett-Karte“ beantragen. Die Behörden taten sich jedoch schwer damit diese auszustellen und entzogen sie den Musikern auch recht willkürlich wieder.
In den 1950er und 1960er Jahren hat man es besonders viel Wert auf das Verbot von Tanzen mit Gleichgeschlechtlichen gelegt. Homosexualität war verpönt und wurde vom FBI verfolgt. Einige wenige Lokalitäten, die heimlich LGBTQ-Veranstaltungen durchführten, warnten die Gäste vor einer Razzia mit rotem Licht, damit man noch schnell einen andersgeschlechtlichen Tanzpartner finden konnte.

verboten

Erst in den 1990er Jahren wurden die Tanzverbote weitestgehend nicht mehr so streng genommen, aufgehoben oder wurden von den Behörden nicht mehr akribisch verfolgt.
Dennoch ist ein Vergleich mit dem europäischen Nachtleben kaum möglich. Europa lebte eigentlich schon immer nach dem Motto „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang der bleibt ein Narr sein Leben lang“ hat sich die offene Einstellung für Vergnügen, Tanz und Musik bis heute nicht beirren lassen.
Dennoch sind auch wir von Tanzverboten nicht ausgeschlossen. An einigen christlichen Feiertagen wie z.B. Karfreitag herrscht auch in der Bundesrepublik Tanzverbot. Ausnahmegenehmigungen sind jedoch mittlerweile möglich.

NO DANCING LAW
New York ist von dem noch heute geltenden Kabarett- oder No Dancing- Law betroffen. 1926 wurde das No Dancing Law erlassen. Es verbietet das Tanzen von mehr als drei Personen in jedem Raum oder Ort in der Stadt New York ohne Kabarett-Lizenz und verbietet musikalische Unterhaltung, Singen, Tanzen oder andere Form der Unterhaltung ohne Lizenz. Die Lizenz ist teuer und schwer zu bekommen. Nur wenige Clubs besitzen diese Lizenz de facto. Die Vollstreckung jedoch ist willkürlich und historisch gegen marginalisierte Gruppen zu sehen. Befürworter der Kabarett-Lizenz untermalen, dass das Gesetz Lärmbeschwerden minimiert.

Mittlerweile leben wir im Anno Domini 2017 und sogar in New York soll das No Dancing Law jetzt überarbeitet bzw. aufgehoben werden. Am Montag, den 19.Juni 2017 treffen sich die New York City-Ratsmitglieder im Rathaus und diskutieren über das umstrittene Gesetz. Ratsmitglied Rafael Espinal leitet die Reform und plant, eine „Nachtbürgermeister“ -Position ähnlich wie in anderen Städten einzuführen.

 

Quelle: Thump, Mixmag, DJmag, Factmag

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