fake shamans

Spätestens seit dem Dokumentarfilm „Raving Iran“ ist international bekannt, dass man auch im Nahen Osten gerne mal Technopartys veranstaltet. Doch die Menschen in diesem Teil der Welt haben es nicht immer leicht, wenn es um solche Veranstaltungen geht.

Konservative Regierungen und Ansichten zwingen die Raver in den Underground und hindern die dortigen Szenen am Wachstum. Auch in Pakistan gestaltet es sich schwierig Raves zu veranstalten. Es gibt große Spannungen zwischen den traditionellen Interpretationen des Islams und der progressiven, westlich orientierten Mittelklasse.

Dennoch haben Omair Anjum und Mohammad Shah das Electronic Duo Fake Shamans gegründet, um ihrer Leidenschaft für Techno nachzugehen und somit ihren Traum zu erfüllen. Sie glauben zwar, dass es niemals legal in ihrem Heimatland wird, aber hauptsächlich durch das Internet, hat sich elektronische Musik rasend schnell in Pakistan verbreitet und trifft auf eine immer größere Fangemeinde.

Die meisten Rave-Veranstaltungen in Pakistan finden im Untergrund auf größtenteils privaten Partys statt, doch man kann bereits eine Veränderung wahrnehmen. Aufgrund ihres internationalen Erfolgs haben die beiden Pakistanis eine Residency auf dem 5 Senses Festival in Thailand und werden im kommenden Jahr sogar durch Asien und Europa touren.

Doch am liebsten spielen sie in ihrer Heimatstadt Lahore. Wenn man die Videos auf ihren Social Media Kanälen sieht, weiß man auch warum.

Diese Hingabe und Leidenschaft für Techno hat unserer Meinung nach mehr Respekt und Aufmerksamkeit verdient. Deshalb haben wir uns mal mit den Fake Shamans unterhalten.

Wie seid ihr eigentlich zu elektronischer Musik gekommen?

Anfang 2010 war London ein Knotenpunkt für verschiedene Arten von Musik und Kultur. Wir haben zu diesem Zeitpunkt in London studiert und dort hat alles begonnen. Nächtelang waren wir in unzähligen Clubs unterwegs und entdeckten durch einige der großartigsten Artists verschiedene Sub-Genres der elektronischen Musik. Die pumpenden Basslines und verträumten Vibes gaben uns unmittelbar ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Was sind eure größten Einflüsse in Sachen Musik?

Pakistanische Musik ist sehr reichhaltig und vielfältig. Sie hat uns wirklich stark inspiriert, etwas mit Musik zu machen. Früh wurden wir von Nusrat Fateh Ali Khan und einigen anderen Rock Bands aus den 90ern beeinflusst. Wir versuchen diese Einflüsse zu nutzen und sie mit elektronischer Musik zu verbinden. Dies spiegelt sich in unseren Produktionen mit ihrem einzigartigen Sound wider.

Es scheint ja ziemlich schwierig zu sein, ein DJ in Pakistan zu werden. Was hat euch dazu veranlasst an eurem Traum festzuhalten?

Wahrscheinlich ist es gerade diese Schwierigkeit, die uns an unserem Traum festhalten ließ. Wir sind beide sehr sture Individuen und wenn wir uns etwas in den Kopf setzen, tun wir was nötig ist, um unser Ziel zu erreichen. Wir mögen Herausforderungen und DJs zu sein, ist immer eine neue Herausforderung für uns und das treibt uns an. Die Möglichkeit, durch Musik Leute zum Lächeln zu bringen und ihnen eine neue Perspektive auf das Leben zu geben, kann süchtig machen.

Habt ihr jemals daran gedacht aufzugeben?

Um ehrlich zu sein, ja. In Pakistan ist es ein nie endender Kampf, als Künstler akzeptiert zu werden. Organisatoren wollen keine angemessene Gagen an DJs zahlen, da sie deren Kunst nicht wertschätzen. Man wird immer noch gefragt, ob man auch einen richtigen Job habe. Deshalb kann es oft sehr schwer sein und als Künstler fragt man sich, ob es das alles wert ist. Andererseits gibt es auch viele Leute, die dich als Künstler unterstützen. Sie geben dir das Gefühl zu etwas Größerem zu gehören. Die Szene ist wie eine große Familie und baut dich immer auf, wenn es dir schlecht geht. Das kann sehr motivierend für einen Künstler sein.

Wer sind eure Lieblingskünstler? Und warum?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es momentan so viele talentierte Artists gibt. Die Künstler, die wir abfeiern, gehören zur aktuellen Generation von talentierten Leuten. Darunter sind Parallels, Phandora, Vander oder Deep Fillip. In unserer Liste sind aber auch Künstler wie SIT, Craig Richards, Rhadoo und natürlich Ricardo Villalobos.

Für 2019 steht eine große Tour an. Gibt es Orte, auf die ihr euch besonders freut?

Auf jeden Fall! Wir starten unsere Tour im kommenden Februar in Kuala Lumpur. Außerdem werden wir zum zweiten Mal auf dem 5 Senses Festival in Thailand spielen. Im vergangenen Jahr war die Stimmung dort unbeschreiblich. Vor allem, weil es auf der Insel Koh Phangan stattfindet. Nach dem 5 Senses geht es dann in den Dschungel von Kambodscha und Vietnam für einige aufregende Shows.

Mittlerweile habt ihr sogar euer eigenes Label „Fake Rituals“. Welche Releases sind für die Zukunft geplant?

Ein Label zu gründen, ist keine leichte Sache. Jedoch schien es für uns der logischste nächste Schritt zu sein, da wir eine Menge Produzenten auf unserem Weg kennengelernt haben, die einfach geniale Musik machen. Und wir würden ihre Musik gerne in die Welt hinaustragen. In naher Zukunft haben wir massig neue Projekte. Darunter eine VA-Compilation mit einigen talentierten Künstlern aus unserem Heimatland Pakistan und auch einige EPs für ein paar unserer internationalen Freunde. Auch von den Fake Shamans wird es Anfang 2019 einiges zu hören geben. Geplant sind zwei EPs und einige Tracks auf Compilations von unseren Lieblingslabels aus Europa und Mexiko. Also, Augen auf beim Plattenkauf!

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