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Der Sommer neigt sich nun seinem Ende zu und auch auf Ibiza finden demnächst wieder die Saison-Closings statt. Die Festival- und Open-Air-Saison ist, und das dürfte dem Großteil von euch bekannt sein, eine herrliche und ausgelassene Zeit, in der man zumeist viele neue Leute kennenlernt. Auch noch Jahre später lässt sich von tollen Erinnerungen zehren. Wir haben uns nun mit dem Mainzer DJ und Produzenten Teenage Mutants über seinen persönlichen Sommer 2016 unterhalten.

Was für viele andere Spaß und Freizeit bedeutet, ist für dich vor allem ein gut getakteter Terminkalender. Erzähl uns doch, wie es dir in den letzten Monaten erging.

Der Sommer wird von Jahr zu Jahr immer stressiger. Meist spiele ich vier bis fünf Gigs pro Woche, oftmals Doppelbookings, und ganz automatisch trinkt man dann auch die eine oder andere Schorle mehr.

So viele Gigs bedeuten natürlich extrem viel Stress und eine hohe Belastung – doch am Ende bleiben die tollen Erinnerungen. Was waren deine Höhepunkte dieser Saison?
Das absolute Highlight war Love Family Park in Mainz, denn an diesem Tag habe ich seit fünf langen Jahren wieder mit meinem „Teenage Mutants“-Gründungspartner Pascal gespielt. Das Ganze hat großen Spaß gemacht und kam dazu noch völlig spontan. Es hat uns aber wieder ziemlich angefixt! Als wir vor fünf Jahren das Projekt TM gegründet hatten – Pascal musste leider nach zwei Jahren aus privaten Gründen aufhören –, war immer eines der Ziele, bei Love Family Park zu spielen. Ich habe ihn einen Tag vor dem Gig angerufen und erst mal nur eingeladen, als Gast mitzukommen, aber als ich dann sah, dass er mit DJ-Bag vor meiner Tür stand, war direkt klar: Heute spielen wir zusammen, heute geben wir alles!

In Gesprächen mit DJ-Kollegen kamen schon die skurrilsten Festival-Geschichten zu Tage und auch die Gäste sorgen mit ihren Aktionen – wie zuletzt auf dem Tomorrowland und dem SonneMondSterne – von Jahr zu Jahr für Aufmerksamkeit. Was waren die verrücktesten Momente in deiner Saison?

Ich stelle Leute grundsätzlich ungerne an den Pranger, aber es gab gewiss einige Situationen, bei denen ich dachte: Was bitte läuft in deinem Kopf falsch?!

Oftmals handelt es sich dabei um Fahrer, aber ganz oft auch um DJ-Kollegen. Eingebrannt hat sich jedoch ein bestimmter Fahrer des Tribe Festivals in Brasilien. Es lief so: Wir fuhren mit seinem Wagen auf das Gelände, die Zeit war mehr als knapp, und – warum auch immer – hatte sich zur Einfahrt in den Künstlerbereich ein Autostau gebildet. Der Fahrer steigt also aus, verriegelt das Auto, entfernt sich rund zehn Meter, bleibt aber in Sichtweite und dreht sich einen Joint. Nach einiger Zeit läuft er immer weiter und weiter und kam dann auch erst nach knapp einer Stunde wieder zurück. Mein Set musste geschoben werden, während ich schön im Auto saß …

Eine Stunde im klimatisierten Auto kann gar nicht so schlecht sein, gerade bei den Temperaturen in Südamerika. Apropos Temperaturen und Wetter: So einige Veranstaltungen sind in diesem Jahr sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Hattest du immer Glück mit dem Wetter oder kann so ein bisschen Regen auch erst den besonderen Reiz ausmachen?

Ich finde, Regen ist immer scheiße. Da leidet nicht nur die Technik, sondern auch der DJ. Es gibt in meinen Augen nichts Geileres als Sonnenschein auf einem Open Air. Sonst könnten wir das ja auch im Dezember oder Januar machen. Klar, es gibt immer ein paar Raver, denen das Wetter egal ist, und das rechne ich hoch an. Aber wenn es nach mir geht: 26 Grad, Sonne und mäßige Brise.

Mittlerweile gibt es eine unglaubliche Anzahl an Veranstaltungen während des Sommers, wobei der Fokus auf verschiedenen Dingen liegt. Einige Events überzeugen allein schon durch ihre Location und die Liebe zum Detail bezüglich Dekoration und Stage-Design. Wie sieht deine Traum-Venue aus und worauf legst du besonderen Wert?

Meiner Erfahrung nach wird in Südamerika zum Beispiel immer sehr viel Zeit in Dekoration und Stage-Design investiert. Auch in Europa werden diese Aspekte immer wichtiger und das Design wird extravaganter. Ich selbst lege keinen Wert darauf. Solange eine gute Crowd da ist und die Anlage stimmt, bin ich happy!

Du lieferst für diesen Monat auch den FAZEmag-Mix. Machst du Unterschiede zwischen Podcast und Live-Set? Was zeichnet ein gutes Set bzw. einen guten Podcast in deinen Augen aus?

Schwer zu sagen, denn Geschmäcker sind schließlich verschieden. Ich mag jedoch einen klaren roten Faden bei Podcasts und vor allem einen Aufbau von Deep House zu Techno. Ein DJ-Set kann da schon mal mehrere Höhen und Tiefen haben. Ich baue gerne eine gewisse Atmosphäre auf und fahre auch mal einen Gang runter, um dann wieder Gas zu geben.

Wie bereitest du dich im Allgemeinen auf ein Set vor? Wo kaufst du deine Tracks und wie behältst du die Übersicht bei der Masse an Musik? Hast du Dutzende Playlists, sortierst du alles nach einem bestimmten Schema?

Ich bereite mich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht vor und sortiert bin ich auch nicht. Ich habe auf meinem USB-Stick immer so viele Ordner, wie das Jahr Monate hat. In dem Ordner sind dann zwischen fünf und 15 Tracks, die ich auf Beatport gekauft, als Promo von den Labels oder auch von Kollegen zum Testen bekommen habe. Und natürlich viele Eigenproduktionen. Ich benutze aber keine fixen Playlists und jedes Set gestaltet sich anders.

In den letzten Jahren hat sich bei dir enorm viel getan. Mit deinen zahlreichen und erfolgreichen Releases wurdest du immer bekannter und der Name Teenage Mutants wird mit einem bestimmten Sound assoziiert. Würde dich auch ein weiteres Musik-Projekt reizen?

Es laufen gerade schon zwei weitere Projekte. Das eine ist ein Live-Set-Projekt – keine Ahnung, ob das jemals fertig wird (lacht). Zum anderen habe ich mit zwei Freunden eine Firma für Film- und TV-Musik gegründet, mit der wir ab 2017 Gas geben möchten. Außerdem gibt es noch immer die Idee, Teenage Mutants ab 2017 wieder als DJ- und Producer-Duo zu bestreiten. Veränderungen sind immer gut, egal ob negativ oder positiv. Der Wandel macht den Reiz aus.

Lass uns ein paar Jahre zurückgehen. Bevor du dich der Musik gewidmet hast, warst du auf der Uni. Was hast du studiert und wie sah dein ursprünglicher „Karriereplan“ aus?

Ich habe Medientechnik an der FH Rhein-Main studiert. Einen Plan gab es jedoch nicht, zumindest nicht wirklich. Für dieses Fach brauchte man keinen NC und das war meine Chance – als fauler Schüler und Student –, die Zeit rumzubekommen. Am Ende bin ich jedoch sehr froh, das gemacht zu haben. Mein eigentlicher Plan B wäre jedoch die Gastronomie.

Wenn du nun auf deine noch junge Musik-Karriere zurückblickst, gibt es Dinge, die du heute schon anders angehen würdest? Vielleicht hast du hier auch den einen oder anderen Tipp für die jüngsten DJs und Produzenten.

Mit 28 Jahren bin ich noch relativ jung in der Szene, aber ich rate jedem, nie mit der Musik aufzuhören und sich nicht entmutigen zu lassen. Natürlich gehört auch etwas Glück dazu, aber schickt eure Musik immer wieder an die Labels raus und glaubt nicht, dass sie das nicht hören würden!

Wie sehen deine Pläne für die kühleren Monate aus? Welche Releases oder Gigs stehen an? Worin unterscheidet sich der „Club-Mutant“ überhaupt vom „Festival-Mutant“?

Es stehen noch ein bis zwei Releases dieses Jahr auf Suara sowie Stil vor Talent an und über November/Dezember gibt es noch mal eine große Tour mit Auftritten in Argentinien und Brasilien, Asien und Australien. Danach wird erst mal Urlaub gemacht! Große Unterschiede zwischen Club und Festival gibt es übrigens nicht, mal abgesehen von den kurzen Hosen, denn Mutant bleibt Mutant.

Hast du darüber hinaus auch schon Pläne für den nächsten Sommer?

Die Sommerplanung für 2017 und auch die für ein Album habe ich im Kopf. Doch nach diesem krassen Sommer denke ich gerade nur noch an Urlaub – und den gönne ich mir jetzt auch!

Sommer 2016 – Kurz und Knapp:
Bester Gig: Love Family Park
Nervigstes Festival-Gadget: Artist-Bändchen/Festival-Check-in
Lieblingsdrink: Rum-Cola

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Aus dem FAZEmag 055
Test: JH