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ADAM PORT

Welchen Datenträger bevorzugst du?

USB 3.0

Welches Digitalformat in welcher Datenrate nutzt du?

MP3s mit 320 kb/s. Ich lade mir fast nie WAVs auf den Stick. Zu groß und ich höre, um ehrlich zu sein, keinen Unterschied.

Wie viele Sicherheitskopien führst du mit?

Nur eine. Bisher ist zweimal etwas passiert in den ganzen Jahren. Eine gute Quote, finde ich.

Wie viele Tracks befinden sich auf deinem Datenträger?

Um die 1000 vielleicht? Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt. 32 GB hat der aktuelle Stick. Der davor war 16 GB groß und den hatte ich 2012 gekauft.

Wie verwaltest du deine Tracks?

Mit Rekordbox, was anderes ist ja leider nicht möglich. Das Programm erinnert mich sehr an 2005 und es bräuchte dringend ein Facelift.

Wie sortierst du deine Tracks bzw. Playlists?

In Monatslisten. Jeden Monat erstelle ich eine neue Playlist. Die Sortierung ist chronologisch und jeder Monat enthält circa 20 bis 40 Tracks. Kommt immer darauf an, wie viele ich finde. Ich finde dieses System am besten, da man so vermeidet, immer wieder die gleichen Sachen zu spielen. Früher habe ich Playlists nach Genres erstellt, das allerdings schnell wieder gestoppt.

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Wie behältst du den Überblick bei der Flut an Digitalfiles?

Sachen merken, die gut sind, und immer wieder die Playlists updaten. Das heißt, Tracks wieder löschen, die man nie spielt oder doch nicht so gut fand, nachdem man sie im Club getestet hat.

Wie läuft der Prozess vom Hören der Promos über das Herunterladen bis hin zum Clubeinsatz ab?

Zunächst entscheiden, ob man die Promo überhaupt hört. Wird durch mehrere Faktoren bestimmt wie Absender, Artist, Label, Cover usw. Danach den Track auf dem Rechner einsortieren. Das passiert auch in Monatslisten genauso wie bei Rekordbox. Dazu immer wieder mal die neuen Sachen durchhören. Vor dem ersten Gig am Wochenende den USB-Stick mit neuem Sound updaten und nach Moment und Möglichkeit neue Sachen spielen und merken, wo sie hineinpassen.

Was könnte man an der „digitalen Plattentasche“ technisch verbessern?

Cloud-Streaming einführen, sodass der USB-Stick überflüssig wird. Man loggt sich im Club am Player mit seinen Daten ein und los geht’s. Das kommt eh früher oder später.

Wie hat sich deine Wahrnehmung in Bezug auf Musik seit der Digitalisierung verändert?

Es ist alles etwas ungriffiger geworden. Zu einem „richtigen“ Release gehört meiner Meinung nach immer noch Vinyl. Nur digital zu releasen, finde ich nicht gut und ich versuche auch, das zu vermeiden, soweit es geht.

Was war bei der Vinyl-Auswahl anders, vermisst du etwas?

Man musste besser auswählen. Erstens aus finanziellen Gründen und zweitens wegen des Transports der Platten. Ich vermisse definitiv das Gefühl und den Geruch der Platten. Auch die haptische Wahrnehmung ist toll. Vinyl war, ist und bleibt ein sexy Medium.

Gab es Vorteile bei der Verwaltung von Vinyls oder CDs?

Bei Vinyl ja. Mit CDs war es immer ein riesiges Chaos, zum Glück ist das vorbei.

 

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Welchen Datenträger bevorzugt ihr?

 

Thomas: Zwei identische USB-3.0-Sticks mit je 128 GB, den Inhalt habe ich noch mal auf einer portablen Festplatte als Backup für alle Fälle.
Mathias: Ebenfalls zwei USB 3.0 mit je 128 GB.

Welches Digitalformat in welcher Datenrate nutzt ihr?

Thomas: Alles, was ich kaufe, ist in 16-bit-AIFF, bei Promos sollten es mindestens 320-k/bit-MP3s sein.
Mathias: Idealerweise 16-bit-AIFF, da sich die Cover in dem File-Header unterbringen lassen. Eigene Tracks gerne mal in 24 bit und nie unter 320-k/bit-MP3.

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Wie viele Sicherheitskopien führt ihr mit?

Thomas: Mein MacBook und die portable Festplatte – das muss reichen.
Mathias: Ich führe zwei Backups mit.

Wie viele Tracks befinden sich auf eurem Datenträger?

Thomas: Da bin ich überfragt. Zu viele vermutlich. Das war zum Beispiel anders zu Vinyl-only-Zeiten. Man musste von Wochenende zu Wochenende was rausschmeißen, um Neues unterzubringen, dadurch auch neu packen und sortieren. Oft hatte diese Limitierung was Gutes. Auf der anderen Seite kann man heute spontan auf viel mehr Tracks zugreifen und diese auch spielen, wenn die Idee dazu während des Sets kommt.
Mathias: In der Regel sind meine Sticks maximal halbvoll. Ansonsten stimme ich Thomas zu, die Limitierung hatte – wie in vielen Situationen – auch etwas Gutes.

Wie verwaltet ihr eure Tracks?

Thomas: Das ist bei mir nach wie vor etwas chaotisch. Es gibt nach Monaten datierte Folder, in die alles, was neu ist, jeweils reinwandert. Von dort aus ziehe ich die Tracks, die ich auch spielen will, in Rekordbox. Ich mag den Sound von iTunes zum Anhören der Musik nicht – insofern spielt das beim Synchronisieren mit Rekordbox für mich keine Rolle –, auch wenn alles einfacher zu organisieren wäre.
Mathias: Ich habe ein ähnliches System und sammle die neuen Titel nach Monaten, die Playlists und die entsprechende Verwaltung passieren dann in Rekordbox. Ich war nie ein riesiger iTunes-Fan.

Wie sortiert ihr Tracks bzw. Playlists?

Thomas: Zum einen habe ich Folder, die stilistisch getaggt sind, so etwa in Starters, House, Deep, Techno, Leftfield, Tools oder Classics. Zum anderen habe ich immer auch Folder, die den Namen des Clubs bzw. der Stadt tragen, wo ich spiele – hier kommen dann die Neuheiten und Tracks rein, die ich speziell an dem Abend spielen will. Zum Teil sind die Files dann auch zwei-, dreimal in diversen Foldern vertreten. So hat sich das für mich jedenfalls bewährt. Wenn ich während des Sets dann an einen guten Moment aus der Woche davor denke, bin ich sehr schnell bei der Nummer, die ich suche – auch wenn ich die musikalische Richtung ändern oder eben was ganz Neues bringen will.
Mathias: Ich glaube, hier nutzen wir alle ein ähnliches System. Playlists, die das Genre bzw. den Einsatzzweck während einer Nacht etwas eingrenzen. Diese Listen habe ich in Playlist-Folder unterteilt, da ich von Zeit zu Zeit neue Listen anfange, um nicht immer Titel auf denselben „Haufen” zu schaufeln. Einzelne Titel können dabei natürlich in mehreren Listen auftauchen, außerdem versehe ich die Titel immer mit ein paar Kommentaren, um konkret nach etwas suchen zu können. Das kann mit dem Stil, einem Element im Track, Mood oder einer Assoziation zu tun haben.

Wie behaltet ihr den Überblick bei der Flut an Digitalfiles?

Thomas: Ich höre mir sehr viel an, kaufe dementsprechend viel und bekomme Interessantes aus dem befreundeten Umfeld und als Promo. In Rekordbox bzw. auf dem Stick landen aber nur Titel, die ich sicher spielen oder zumindest ausprobieren und mal im Club hören will. Wenn der Moment dafür passt.
Mathias: Ich kaufe viel bei Bandcamp und WPP oder suche bei MTN, Phonica oder in anderen Shops nach neuer Musik. Durch Plattenläden war ein Filter vorhanden, der heute fehlt, und da muss man sich nun selbst durchkämpfen (lacht).

Wie läuft der Prozess vom Hören der Promos über das Herunterladen bis hin zum Clubeinsatz ab?

Thomas: Was mir beim Anhören gefällt, lade ich in meinen Monatsfolder. Das ist ein ständiger Prozess und die Sachen höre ich mir so oft wie möglich an – was sich da durchsetzt, mich packt und berührt, wird via Rekordbox auf den Stick gezogen. Alles andere ergibt sich dann spontan im Club.
Mathias: Anhören ist wirklich wichtig. Ich lade mir teils einfach Playlists auf das Telefon, höre sie unterwegs an, versuche, die Sachen kennenzulernen, und schmeiße dann gerne auch wieder etwas raus. In Rekordbox landet wirklich nur das, was ich spiele. In meinen Foldern arbeite ich gerne mit Farb-Tags, um Prioritäten zu vergeben.

Was könnte man an der „digitalen Plattentasche“ technisch verbessern?

Thomas: Eine größere Darstellung der Cover vielleicht – in Verbindung mit Blättern statt Scrollen. Und eine Funktion zum Erkennen selten oder gar nicht gespielter Titel zum Aussortieren fände ich sinnvoll.
Mathias: Ich bin an sich ziemlich zufrieden, natürlich könnte man vielleicht die Cover-Ansicht etwas besser gestalten, aber die Tatsache, die Listen nach Artist, Name, bpm oder anderen Aspekten sortieren und auch konkret nach Dingen suchen zu können, bietet schon sehr viele Möglichkeiten. Mit der Weiterentwicklung der Technik wird sich hier schon noch einiges ergeben.
Wie hat sich eure Wahrnehmung in Bezug auf Musik seit der Digitalisierung verändert?

Thomas: Im Gegensatz zu früher ist heute natürlich fast alles schnell zu finden und auch zu haben – ob als File oder Vinyl in den Plattenläden, Webshops oder bei Discogs. Das ist Fluch und Segen zugleich. Alles in allem ist das Wichtigste für mich nach wie vor, neugierig auf interessante neue oder auch alte, von mir bisher unentdeckte Musik zu sein und die in einen Kontext zu stellen, um seinen eigenen Stil zu definieren und dabei niemals stehen zu bleiben.
Mathias: Wie Thomas beschreibt, ist es Fluch und Segen. Leider schwindet die Wertschätzung der Musik etwas, zumindest empfinde ich das so. Alles kann und muss schnell konsumiert werden, man lädt auch gerne mal was runter, was man eigentlich nur okay findet und man früher vielleicht nicht gekauft hätte. Insofern finde ich das ständige Aussortieren äußerst wichtig.

Was war bei der Vinyl-Auswahl anders, vermisst ihr etwas?

Thomas: Zum einen die oben erwähnte Limitierung, zum anderen das schnelle Durchblättern im Club und dass man beim Anhören/Vorbereiten nicht am Rechner war – ich versuche immer, neue Titel außerhalb des Arbeitsalltags am Rechner zu hören. Man ist dann einfach offener.
Mathias: Der „Zwang”, jede Woche die Plattentasche durchzugehen, anzuhören und umzusortieren, war schon gut, auf der anderen Seite ist man schon wesentlich flexibler mit so einer digitalen Sammlung.

Gab es Vorteile bei der Verwaltung von Vinyls oder CDs?

Thomas: Die Verwaltung von Vinyl war definitiv schneller – auch wegen der Haptik. Den CD-R-Zeiten weine ich keine Träne nach – das war immer Chaos bei mir.
Mathias: Diese Übergangszeit von Vinyl zu digital in Form von CDs empfand ich auch als absoluten Horror, eine derartige Zeit- und Geldverschwendung und aus ökologischen Aspekten auch echt schrecklich. Ständig musste man etwas neu brennen, CDs tauschen und die Ordnung war auch eher mäßig.

Was steht bei euch aktuell und in den nächsten Wochen an?

Beide: Aktuell ist ein Remix für Gemini Brother auf Eskimo Recordings draußen und ein weiterer Remix für Christoph auf Suara. In den nächsten Wochen soll dann noch eine Outbound – unsere Various-Artist-Serie bei Lossless – rauskommen. Außerdem wird es einen Part 2 des „King Britt pres. Oba Funke“-Re-releases mit ein paar schönen Updates des Original-Titels geben. Hierfür kollaborieren wir ja mit Nuno Dos Santos’ Label und haben auch ein neues Label gegründet: Lossless x Something Happening Somewhere

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Aus dem FAZEmag 064/06.2017