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TRACKMANAGEMENT – Titelverwaltung im File-Zeitalter, Teil 3

Adana Twins

Welchen Datenträger bevorzugt ihr?

Benni: Mittlerweile haben wir einige Kandidaten durch und am Ende gibt es einen klaren Gewinner: SanDisK Extreme Pro 128GB. Beide Varianten – USB und Speicherkarte – laufen stabil und zuverlässig und sind grandios hinsichtlich der Performance und der Schnelligkeit. Am CDJ selbst ist das zwar nicht so entscheidend, aber wenn’s ums Befüllen geht, spielt das eine große Rolle. Stell dir vor, der Promoter steht unten in der Lobby und just in diesem Moment schickt dir ein guter Buddy seine neue 4-Track-EP als WAV zu. Da braucht man natürlich einen schnellen Stick, um das meistens lahme Hotelnetz einigermaßen aufzufangen.

Welches Digitalformat in welcher Datenrate nutzt ihr?

Friso: WAV oder MP3 mit 320 kb/s.

Wie viele Sicherheitskopien führt ihr mit?

Benni: Im Moment habe ich immer zwei identische Sticks dabei – werde mir nach dem Interview aber noch zwei weitere dazu holen, weil ich gerade merke: An einem langen Wochenende mit vier Gigs hintereinander kann die Gefahr rapide steigen, dass man beim letzten Gig auf einmal komplett ohne Stick dasteht. Ein Glück, dass wir zu zweit sind. Da Friso genau die gleichen Sticks hat, könnte ich mir aber auch einfach einen abzwacken und sagen, dass einer von seinen geklaut wurde. Glücklicherweise ist das aber noch nie passiert und seit 2012 sind erst drei Sticks von mir abhanden gekommen.

Wie viele Tracks befinden sich auf eurem Datenträger?

Friso: Warte, ich gucke kurz nach … 1742 Tracks oder laut Rekordbox: 202 Stunden und 8 Minuten. Auf jeden Fall genug für eine „Allniight Sause“ und die anschließende Afterparty (lacht).

Wie verwaltet ihr eure Tracks?

Benni: Den ersten Teil hat Friso glaube ich gerade vorweggenommen. Zum Befüllen der Sticks nehmen wir Rekordbox. Die Orga machen wir aber in iTunes, anschließend syncen wir dann alles mit der Bridge in Rekordbox. Viele hassen diese Variante. Wir finden’s super.

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Wie sortiert ihr eure Tracks bzw. Playlists?

Benni: Es gibt schon gewisse Strukturen, die man sich im Laufe der Zeit schafft. Dazu gehören beispielsweise Ordner wie „NEU“, Name vom Club, in dem man gerade spielt, „Warm-up“, „Anziehen“, „Peaktime“, „geht immer“, „Abfahrt“ oder „Late Night“ bis hin zu „Hip-Hop“ oder „Reggae“. Dann habe ich noch einen Ordner, in den wir die Tracks packen, die man in den letzten Sets gespielt hat, um dann am Ende doch relativ viel Freestyle und intuitiv spielen zu können. Ich erwische mich jedoch ziemlich oft dabei, wie ich nicht in den Ordnern scrolle, sondern direkt nach dem Track oder Artist gucke, weil mir dieser gerade in diesem Moment in den Kopf geschossen ist.

Wie behaltet ihr den Überblick bei der Flut an Digitalfiles?

Friso: Wenn’s um die allgemeine Flut geht, mit der fast jeder Store überschwemmt wird, dann muss man sich einfach die Zeit nehmen, um die richtigen Knaller zu finden. Deswegen bin ich auch sehr dankbar, dass es Stores wie „Muting the Noise“ oder „Clone“ gibt, die in der Regel ziemlich gut selektieren und einem das Leben oft leichter machen. Auch bin ich ein großer Fan von Bandcamp. Da findet man teilweise unfassbar gute Sachen, die man bei Beatport im Leben nicht gefunden hätte.

Wie läuft der Prozess vom Promo-Hören über das Herunterladen bis zum Clubeinsatz ab?

Benni: Anhören, gut finden und auf den Stick in den NEU-Ordner packen. Spiele ich die Sachen, kommen sie später in die Unterlisten. Ansonsten fliegen sie wieder runter.

Was könnte man an der „digitalen Plattentasche“ technisch verbessern?

Benni: Ehrlich gesagt bin ich, was die Technik angeht, gerade ziemlich zufrieden. Allerdings finde ich, dass die großen Stores sich eine Scheibe von den guten alten Plattenläden abschneiden könnten. Es wäre doch extrem cool, wenn Beatport oder wer auch immer einen Pop-up-Store aufmachen würde, in dem man die Digitalfiles wie im Plattenladen kaufen kann.
Friso: Du gehst zum Tresen, fragst deinen Dealer, der deinen Geschmack im besten Fall schon kennt, nach neuen Sachen und der schickt dir die Tracks auf eine Playlist, die du dann per Plattenspieler über Traktor oder CDJ im Laden abspielen kannst. Klar, es gibt heutzutage Kaufempfehlungen aufgrund der letzten Käufe. Aber einen richtig guten Dealer, der was von seinem Fach versteht, kann so was nicht ersetzen. Von daher wäre das doch mal einen Versuch wert.

Wie hat sich eure Wahrnehmung in Bezug auf Musik seit der Digitalisierung verändert?

Friso: Ich habe das Gefühl, dass bei vielen Releases, die heute nur digital rauskommen, die Qualität ein wenig auf der Strecke bleibt. Der Markt wird heutzutage mit viel Müll überschüttet, weil jetzt quasi jeder ein Label machen kann, der Ableton und eine Online-Photoshop-Simulation hat. Auch merkt man, dass viele Labels gerne mal einfach raushauen – und das finde ich dann schon ziemlich kritisch.

Was war bei der Vinyl-Auswahl anders, vermisst ihr etwas?

Benni: Wenn ich früher im Plattenladen war oder es heute bin, dann greife ich teilweise auch nach Sachen, die im Digitalstore vielleicht nicht so die Beachtung bekommen hätten. Der Charme eines handbemalten Covers beispielsweise kommt halt nur dann rüber, wenn die Platte wirklich vor mir steht. Dann greife ich allein schon aus dem Grund zu, weil ich merke, dass sich da einer richtig Mühe gegeben hat. Das will ich dann hören. Sieht man das gleiche Cover als JPG, dann sieht man vielleicht einfach nur eine Strichzeichnung und dieser Aha-Effekt bleibt weg.

Gab es Vorteile bei der Verwaltung von Vinyl oder CDs?

Friso: Spontan fällt mir da jetzt nichts ein. Außer dass man damals vielleicht noch selektierter vorgegangen ist, weil man einfach nicht so viel schleppen konnte und der Platz dann doch irgendwie begrenzt war.

Was steht bei euch in den nächsten Wochen an Highlights an?

Benni: Im Februar und im April stehen jeweils Releases auf Watergate Records an, auf die wir ziemlich stolz sind und die neben unserer Leidenschaft für gute Vocal-Tracks auch wunderbar unsere clubbige Seite zeigen. Und klar, jeder Allniight-Gig, der ansteht, löst in der Regel mehr Vorfreude aus als ein 2-Stunden-Set, weil wir einfach sehr gerne sehr lange spielen. Das ist das, was wir am liebsten machen und in der Zukunft noch weiter ausbauen werden.

Till von Sein

Welchen Datenträger bevorzugst du?

SanDisk Ultra 128GB USB 3.0 und den Intenso Ultra Line, ebenfalls mit 128 GB.

Welches Digitalformat in welcher Datenrate nutzt du?

MP3 mit 320 kb/s.

Wie viele Sicherheitskopien führst du mit?

Ich habe immer vier gesyncte USB-Sticks dabei.

Till von Sein

Wie viele Tracks befinden sich auf deinem Datenträger?

Auweia, das zu zählen, würde zu lange dauern (lacht).

Wie verwaltest du deine Tracks?

Ich mache jeden Monat eine Playlist, außerdem habe ich zwei „Classics“-Listen, zu denen ich immer mal wieder All-Time-Faves hinzufüge. Dann habe ich noch diverse Rap-, R-’n‘-B- und Funk-Playlisten. Quasi für die besonderen Momente im Leben …

Wie sortierst du deine Tracks bzw. Playlists?

Außer der Beschreibung oben habe ich keine wirkliche Sortierung. Ich adde und lösche Tracks, that’s it.

Wie behältst du den Überblick bei der Flut an Digitalfiles?

Ich schaue vor jeder Show immer wieder in die einzelnen Monatslisten und stehe auch mehrmals pro Woche zu Hause an meinem Setup und mixe – das hilft ungemein.

Wie läuft der Prozess vom Promo-Hören über das Herunterladen bis zum Clubeinsatz ab?

Ich versuche, regelmäßig Promos zu hören, aber meistens endet dieses Vorhaben bereits nach fünf Minuten extrem genervt, da ich zu viel Schrott bekomme. Dafür kaufe ich viel Musik auf Traxsource, iTunes und Bandcamp. Die ziehe ich dann direkt auf die Sticks und mache danach ein Back-up in iTunes. Anschließend kopiere ich alles auf mein Telefon, sodass ich beim Reisen Zeit habe, die Songs genau zu hören.

Was könnte man an der „digitalen Plattentasche“ technisch verbessern?

Bestimmt ganz viel, wenn man ein Tech-Nerd ist, aber ich bin sehr, sehr happy damit, wie es ist.

Wie hat sich deine Wahrnehmung in Bezug auf Musik seit der Digitalisierung verändert?

Nicht mehr alle 20 Minuten aufstehen zu müssen, um die Platte zu wenden oder das Tape zu wechseln, ist ein Traum für mich. Ich bin großer Fan dieser „Vereinfachung“. Permanent all meine Musik in meiner iTunes-Library zu haben – ein Genuss (lacht).

Was war bei der Vinyl-Auswahl anders, vermisst du etwas?

Ich vermisse nichts.

Gab es Vorteile bei der Verwaltung von Vinyl oder CDs?

Platten-Cover waren natürlich immer eine große Hilfe. Und nichts war schlimmer, als CDs zu brennen.

Was steht bei dir in den nächsten Wochen an Highlights an?

Am 27. Januar erscheint mit „Forever“ eine neue EP von mir auf Suol. Im März kommen ein Remix auf No Brainer für Keenarf feat. Jinadu sowie ein Remix für Gonzo auf Cacao, einem neuen Label der Keene-Brüder. Außerdem ist ein Remix für Javi Bora in Arbeit.

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