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Titelverwaltung im File-Zeitalter

Wax raus aus dem Schrank und ab ins Case, kurz vorsortieren, auf dem Weg zum Gig vielleicht noch frische Scheiben beim Record-Dealer ziehen – das war einmal. Im Zeitalter der Digitalfiles muss ein DJ seine Tracks anders organisieren, will er nicht den Überblick verlieren. Denn anders als vor 20 Jahren, als Vinyl-Jackets oder CD-Cover die wesentliche Hilfe bei der Sortierung waren, sind Digitalfiles in aller Regel gesichtslos. Wir wollen gar nicht sagen, dass es damals besser war. Möglicherweise war das physische Vinyl-Sortieren als meditatives Ritual vor der DJ-Schlacht einfach erotischer. Manch einem scheint sogar der Geruch zu fehlen. Vielleicht empfinden das aber auch nur alte Hasen so, denn das abstrakte File hat unbestritten Vorteile. Hunderte Titel lassen sich auf einen winzigen Datenträger ziehen, verschiedene Playlists vorbereiten, je nach Verwaltungstool mit Tags und Cue-Punkten versehen, nach Kriterien filtern und so weiter. Zum Glück gibt es ja inzwischen bei den Hardware-Herstellern das Bestreben, Artworks – so vorhanden – in den Displays sichtbar zu machen. Dennoch bleibt die Sache virtuell. Selbstorganisation ist also in jedem Fall gefragt. Wir reichen die Frage weiter an die, die es können müssen.

ianpooley

Ian Pooley

Welchen Datenträger bevorzugst du?

San Disk Ultra 3.0 64 GB

Welche Kriterien muss der Datenträger erfüllen?

Schnelles Uploaden bzw. schnelles Lesen.

Welches Digitalformat in welcher Datenrate nutzt du?

Meistens AIFF oder WAV. Wenn es nur eine MP3 gibt, dann mindestens 320 kbps, sonst spiele ich sie nicht.

Wie viele Sicherheitskopien führst du mit?

Mindestens einen Backup-Stick.

Wie viele Tracks befinden sich auf deinem Datenträger?

Um die 500.

Wie verwaltest du deine Tracks?

Ich synchronisiere die Playlists in Pioneer Recordbox immer noch über iTunes. Das heißt, ich erstelle die Playlists zuerst dort. Das ist ein Extraschritt, der wirklich unnötig ist.

Wie sortierst du deine Tracks bzw. Playlists?

Die Sortierung gleicht der, wie ich damals auch die CD-Playlists erstellt habe. Für die neuen Tracks erstelle ich jedes Wochenende eine neue Playlist mit maximal 25 Tracks und benenne sie meistens nach der Stadt, in der ich auflege. Dann gibt es noch Playlists mit Klassikern und Dauerbrennern. Da bin ich dann ein bisschen freier. Ich habe zum Beispiel eine Playlist nur mit Produktionen von Martin Buttrich inklusive Remixen, eine weitere mit Innervisions-Releases oder Classic-Detroit-Techno von 1987 bis 1992.

Wie läuft der Prozess vom Promo-Hören über das Runterladen bis zum Clubeinsatz ab?

Ich höre mir Promos alle zwei Wochen an und bin sehr kritisch. Ich behalte von 50 Neuheiten maximal fünf bis sieben. Die Mischung macht‘s: Einkäufe, Promos, unveröffentlichtes Material von Freunden.

Was könnte man an der „digitalen Plattentasche“ technisch verbessern?

Ich bin im Moment ganz zufrieden. Vielleicht eine größere Darstellung der Artworks. Das hilft besonders beim Finden der neu hinzugefügten Tracks.

matthiasmeyer

Matthias Meyer

Welchen Datenträger bevorzugst du?

Ich habe bis vor Kurzem immer Sandisk Extreme USB-Sticks benutzt, bin aber vor ein paar Monaten auf eine Samsung Eva SSD mit einem Case umgestiegen. Die ist schneller und nicht so leicht zu verlieren.

Welche Kriterien muss der Datenträger erfüllen?

Das Medium sollte schnell sein, mindestens USB 3.0. Denn manchmal exportiere ich in letzter Minute noch ein paar Tracks und alles unterhalb von 3.0 dauert ewig. Vor ein paar Monaten habe ich nach einem Gig die Sticks verloren. Auf dem Weg nach Pakistan habe ich mir dann fälschlicherweise günstige USB-1.0- oder USB-2.0-Sticks am Airport gekauft. Der Export von 40 Tracks hat dann eine Stunde gedauert.

Welches Digitalformat in welcher Datenrate nutzt du?

Ich versuche, nur noch WAV und AIFF zu kaufen. Bei Ambient und selten gespielten Tracks reichen mir zur Not auch MP3s in 320 kbps.

Wie viele Sicherheitskopien führst du mit?

Neben dem Samsung SSD Drive habe ich zur Sicherheit 1–2 Sticks dabei. Wenn ich davon etwas verlieren sollte, kann ich immer noch auf dem Weg zum Gig einen neuen Stick kaufen. Da ich die Playlists meist direkt in Pioneer Rekordbox auf meinem Rechner angelegt habe, muss ich diese nur noch auf den neuen Stick exportieren und alles ist wie vorher.

Wie viele Tracks befinden sich auf deinem Datenträger?

Die SSD hat 256 GB. Da ich hauptsächlich WAVs spiele, ist das vielleicht vergleichbar mit einem 64-GB-MP3-Stick. Auf der SSD befinden sich etwa 1.000 Titel, was aber eigentlich viel zu viel ist!

Wie verwaltest du deine Tracks?

Ich ziehe die Tracks von iTunes in Rekordbox und lege dort die Playlists an. So kann ich bei einem Datenträgerverlust alles innerhalb kürzester Zeit rekonstruieren.

Wie sortierst du deine Tracks und Playlists?

Leider habe ich bis heute kein richtiges System. Ich lege Ordner für die jeweiligen Monate an und sortiere meist auch nach Einsatzzeit, zum Beispiel Warm-up, Pre-Peak, Peak, Afterhour. Hinzu kommen Ordner für Styles und Genres.

Wie behältst du den Überblick bei der Flut an digitalen Neuerscheinungen?

Das ist eine gute Frage! Meist ziehe ich erst einmal alle Tracks in die Rekordbox. Wenn sie nicht bereits ordentlich beschriftet sind – also mit Artist, Titel und Label in der Titelleiste –, dann hole ich das in der Rekordbox nach. Notfalls kann ich Tracks dann noch spontan am CDJ-Player suchen.

Wie läuft der Prozess vom Promo-Hören über das Runterladen bis zum Clubeinsatz ab?

Ich versuche, mir immer ein wenig Zeit pro Woche zum Durchhören von Promos zu nehmen. Ehrlich gesagt, ich gebe da immer relativ schnell wieder auf. Das ist leider viel zu viel. Ich durchsuche meine E-Mails nach Artists und Labels, die ich schätze, und den Rest versuche ich einfach selbst online zu finden und zu kaufen. Bei mir ist es immer noch so, dass ein selbst entdeckter und gekaufter Track einen anderen Stellenwert hat als ein kostenloses Promo. Grundsätzlich handle ich nach der Devise: Less is more!

Was könnte man an der „digitalen Plattentasche“ technisch verbessern?

Ist es möglich, sich diesen Ordner „Ähnliche Titel“ in der Rekordbox auf dem CDJ anzeigen zu lassen? So etwas wäre nicht schlecht, denn so spielt man vielleicht mal wieder Tracks, die man längst vergessen hat. Dieses zufällige Entdecken fehlt mir aus den Vinyl- und CD-Zeiten.

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