Als einer der produktivsten Protagonisten im Game kann Tom Hades auf weit mehr als 50 EPs und 100 Remixe zurückschauen. Seit 2002 ist der Produzent und DJ aus Belgien auf Imprints wie Drumcode, Sleaze Records oder Off Records unterwegs. Wir sind äußerst gespannt, als wir Tom zu einem Gespräch in seiner Heimat einladen, um mehr zu erfahren über seine Diskografie, den alltäglichen Tour-Wahnsinn und seinen Bildungsauftrag im Techno-Gewerbe.

 

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Tom, wie geht es dir?

Hey! Mir geht’s sehr gut, danke. Gerade sitze ich im Studio und genieße etwas die Ruhe, bevor es bald wieder auf Tour geht. In den nächsten Wochen stehen Gigs in Kroatien, Deutschland, Holland, Guatemala, in den USA und vielen weiteren Ländern an. Ich bin sehr gespannt und freue mich unheimlich, viele neue Tracks auf Tour auszuprobieren! 

Wir sind mitten in der Open-Air-Saison. Auf welche Events fokussierst und freust du dich am meisten?

Bei den sehr vielen tollen Shows diesen Sommer freue ich mich besonders darauf, beim Oostend Beach Festival auf der Materia-Stage zu spielen, die von meinem engen Freund Marco Bailey organisiert wird.

Das Ganze findet an einer sehr schön gelegenen Küste in der Nähe meiner Heimat statt. Das Line-up ist mehr als vielversprechend und viele meiner Freunde werden da sein. Daneben freue ich mich natürlich ebenfalls besonders auf das Tomorrowland. Es ist immer was ganz Besonderes, dort zu sein. Die Atmosphäre auf diesem Festival ist einzigartig.

Das hört sich vielversprechend an! Was war die verrückteste Story, die du beim Touren erlebt hast?

Das war vor einigen Jahren in den USA: Ich legte in Miami auf, während mein gesamtes Hotelzimmer ausgeraubt wurde, sodass ich weder einen Pass noch Geld oder Klamotten hatte. Ich konnte also nicht nach Hause fliegen, keinen neuen Pass beantragen und keine Überweisung mit neuem Geld entgegennehmen. Glaubt mir, so etwas will man nicht erleben! 

Wer dich im Netz sucht, findet viele Bilder von dir im Studio. Was ist mehr dein Ding: auf der Bühne stehen oder doch die Zeit im Studio?

Ich genieße es wirklich immer sehr, im Studio zu sein. Vielleicht aus dem Grund, weil damit alles angefangen hat. Erst seit neun Jahren stehe ich auf der Bühne. Müsste ich mich entscheiden, würde ich wohl das Produzieren bevorzugen, weil ich diese kreative Entfaltung brauche.

Dein Sound hat sich seit deiner Debüt-EP „Shallow“ von 2002 sehr entwickelt. Wie würdest du diese Veränderung beschreiben?

Wenn ich Musik mache, versuche ich immer, neue Wege und Techniken auszuprobieren und mich so vor neue Herausforderungen zu stellen. Mein Sound verändert sich dadurch auf eine sehr natürliche Art und Weise.

Dazu erzählte Paul Kalkbrenner uns kürzlich, dass Musiker, die viel releasen, zwar oft solide Musik machen würden, aber nur alle zehn Jahre ein wirklich großartiges Release hervorbrächten. Würdest du ihm zustimmen?

Da hat er völlig Recht: Musik machen bedeutet, sich von seinen Gefühlen im Studio treiben zu lassen. Und manchmal kommt dann etwas raus, was wirklich „next-level“ ist. Es passiert einfach, ohne wirkliche Planung oder vorherige Intention. 

Bitte gib uns einen Überblick über deinen Studio-Workflow!

Als ich anfing mit dem Produzieren, besaß ich kaum Equipment, nur eine Roland MC303 und einen Amiga 500. Als ich kurze Zeit später über einen Freund auf Marco Bailey traf, hatte ich die Möglichkeit, sein Studio mitzubenutzen. Das änderte natürlich einiges. Dort habe ich gelernt, mit Studiogear richtig umzugehen, und kaufte mir fortan wie verrückt eigenes Equipment. Vor acht Jahren entschied ich mich jedoch dazu, meinen Workflow etwas zu verändern, und verkaufte das meiste. Das bereue ich heute teilweise! Da ich aber weder ein Hardware-Nerd bin noch ausschließlich „in-the-box“ arbeiten möchte, habe ich mir über die letzten Jahre doch wieder etwas Equipment zugelegt. Nun arbeite ich bevorzugt in Multitrack-Recording-Sessions, die ich später in der DAW beim Arrangieren bearbeite.

Wer so reich an Studioerfahrung ist, kann uns sicher Dos and Don’ts beim Produzieren verraten.

Der berühmt-berüchtigte Tipp, aus jeder Spur das Low-End rauszunehmen, ist für mich zu einem No-Go geworden. Selbstverständlich muss man in den unteren Frequenzen etwas cutten, um eine Balance im Mix zu erhalten, doch es ist nicht nötig, aus jedem Sound das Low-End rauszunehmen. Manchmal ist gerade der Sound eines Synthesizers in den tiefen Frequenzen das Besondere. Außerdem bringen M/S-Techniken deinen Track sowohl auf Mono- als auch auf Stereosystemen auf ein anderes Level, da einerseits die Mitte sehr prägnant aus dem Mix kommt und andererseits der Stereoeffekt sehr angenehm ist.

In der Vergangenheit hast du einige Video-Tutorials auf internationalen Formaten wie „Future Music Magazin“ gemacht. Wirst du in Zukunft daran anknüpfen?

Das war, um ehrlich zu sein, eines meiner ersten Tutorials dieser Art. Das Feedback war toll und ich werde in Zukunft auf jeden Fall weitere solche Formate veröffentlichen. Es ist wichtig, Wissen weiterzugeben, besonders aus dem Produktionsbereich, und es gibt mir ein sehr gutes Gefühl!

Welche Technik wendest du zurzeit im Studio am häufigsten an?

Polyrhythmik jeglicher Art. Diese Technik macht deinen Track unglaublich hypnotisch und interessant, obwohl immer das gleiche Pattern benutzt wird. Durch die ständigen Parameteränderungen an deinen Synths hebt sich der Track ab!

Zum Abschluss: Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus, Tom?

Ein perfekter Tag startet bei mir sehr früh. Nach dem Aufstehen werden die neuesten Tutorials auf YouTube gecheckt, bevor es mit einem guten Frühstück weitergeht. Danach mache ich gerne eine ausgiebige Shopping-Tour, die mit einem selbst gekochten Mittagessen belohnt wird. Nachdem ich dann in meinem Garten etwas entspannt habe, geht’s ins Studio. Anschließend bereite ich das Abendessen vor und gehe noch mal ins Studio. Zum Abschluss setze ich mich mit einem Glas Wein auf die Couch und lasse den Tag ausklingen.

 

Aus dem FAZEmag 077/07.2018
Text: Bastian Gies
www.tomhades.com

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