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Knapp zehn Jahre ist es her, dass das in Berlin ansässige Duo sein Debütalbum „Steam Circuit“ auf Highgrade Records veröffentlicht hat. Das eigene Label Formatik ging 2009 an den Start, dort erschien Album #2 „Restless“. Und dort erschien 2014 auch der bisher größte Hit von Franziskus Sell und Jakob Hildenbrand, der die Dancefloors rund um den Globus eroberte. Wie „Chunky“ entstanden ist, das erzählt uns nun Jakob.

Habt ihr beim Produzieren schon die Vocals im Kopf gehabt oder war „Chunky“ zuerst als reiner Instrumental-Track gedacht?

Nein, zu allererst war der Vocal-Loop da. Dann kam ein schmutziger Drumloop dazu. Das alleine hat so gut funktioniert, dass wir den Rest quasi nur noch zu Ende produzieren mussten.

Wie seid auf das Sample von Shorty Long „Function At The Junction“ gestoßen und welche Elemente habt ihr in euren Track eingebaut?

Ich hab den Loop zufällig entdeckt als ich zu Hause aus Spaß ein paar A cappellas in Traktor geschmissen hab. Tatsächlich sind auch nur die verwendeten acht Takte aus dem Mittelpart des Originals spannend.

Die Bassline wirkt sehr deep, hat aber auch prägnante Obertöne. Wie habt ihr den Sound programmiert?

Gut rausgehört! Der Bass besteht tatsächlich aus zwei Layern. Der warme Sub kommt aus dem NI Reaktor, die obere Hälfte ist ein NI Massive.

In Kombination mit der Bassline wirken die Drums extrem punchy und zusammengeschweißt. Verrate uns doch eure Mixing-Trick.

Hmmm, ein echtes Geheimnis fällt mir da gar nicht ein. Was den „zusammengeschweißten“ Sound angeht: Wir hatten zuerst einen Background-Percussion-Loop, der quasi schon alle weiteren Drums vordefiniert hat. Dann haben wir jeden einzelnen Drumsound designmäßig/tonal so einpasst, dass am Ende alle Signale verschmelzen. Zum anderen ist der Track ja auch recht leer über dem Bass, d. h. es gibt viel Platz, in dem man den Drums ordentlich Druck geben kann, ohne dass es matscht.

Wie habt ihr das Vocal-Sample bearbeitet, dass es so outstanding und weit vorne klingt?

Da ist tatsächlich gar nicht viel drauf. Das Main-Vocal-Design entstand durch die Tempoanpassung in Traktor zusammen mit einem wilden Traktor-Pitch … ich glaube, sowas wie Minus 5.71! Das Timing passte so sauber, dass wir die Local Parts nicht mal zerschneiden mussten – und das bei einem 50 Jahre alten Vocal-Recording, das ist mir so auch noch nicht vorgekommen. In Cubase gab dann nur noch etwas EQ, Dynamikreduktion und einen Breitmacher, den UAD Cooper Time Cube.

Das Arrangement wirkt sehr aufgeräumt und interessant, da es keinem Schema F folgt. Wie arrangiert ihr eure Tracks und wie lange habt ihr für „Chunky“ gebraucht?

Das ging für unsere Verhältnisse sehr schnell. Drei Sessions, glaube ich. Eigentlich folgt die Arrangementidee immer dem Schema, wie wir selber beim Auflegen die Tracks am liebsten spielen. Nach dem ersten Clubtest gibt’s dann manchmal noch ein, zwei Korrekturen, was die Längen der Parts angeht.

Welche Tipps haben euch beim Produzieren echt weitergebracht und welche Regeln haltet ihr für überholt?

Mittlerweile hab ich so viele schlaue Regeln und Tricks angehäuft, da könnt ich ein ganzen Buch füllen (lacht). Worauf man immer achten sollte, egal welchen Style man produziert: Grooven die Drums auch solo? Klingt das Fundament kacke, kann die Melodie nicht richtig funktionieren. Bilden Hi-Hat und Snare tonal eine Funktionseinheit (Hi-Hat oben, Snare unten)? Da kommt nämlich der Schwung im Groove her. Sind beide tonal zu nah beisammen, wirkt der Groove flach und entwickelt kein Zug.

Ist der Bass auf den Bassdrum-Attacks freigestellt, so dass sich keine unangenehme Dopplung auf den Downbeats im Bass ergibt? Das klingt immer richtig mies im Club und ruiniert jedes noch so gute Mastering. Früher galt immer: „Zeig mir, womit du arbeitest und ich sag dir wie du klingst“. Dass ist heut nicht mehr so, man kann heutzutage mit fast allen Sequenzen gute Musik machen, dank zehn Millionen möglicher Plug-ins gibts für alles eine Lösung im Computer. Vor 15 Jahren gab’s ohne Profihardware keinen Profisound …

 

 

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