Track-Check mit Gabriel Ananda „Ihre persönliche Glücksmelodie“

Track-Check mit Gabriel Ananda „Ihre persönliche Glücksmelodie“

2005 veröffentlichte Gabriel Ananda den Track „Ihre Persönliche Glücksmelodie“, der damals großen Support bekam – u.a. von Sven Väth – und die Karriere des Kölners in Schwung brachte. Mittlerweile kann Ananda auf über 150 Releases und unzählige Remixe zurückblicken, die er seit Ende der Neunzigerjahre veröffentlicht.

Gabriel, in welcher Phase deines musikalischen Schaffens warst du zu dieser Zeit und woher kam die Inspiration zu diesem Track?

Das war so um 2005 und ich war völlig vom Erfolg überwältigt den mir der Track „Süssholz“ quasi von Null auf Hundert beschert hatte. Ich denke, die Inspiration war mein Lebensgefühl von damals: eine Mischung aus euphorisch und melancholisch.

Wie lange hast du letztendlich gebraucht, um deine Inspiration in einen fertigen Track umzusetzen?

Das war ein längerer Prozess. Das Stück stammt aus meinem damaligen Live-Set und von der ersten Performance in einem Frankfurter Club, wo nur 25 Leute kamen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Stück im Kopf fertig war und ich eine 15 Minuten-Extended-Live-Version in einem Londoner Club gespielt habe. Danach stand die Hälfte der Gäste um mich herum, um mir zu sagen, wie geflasht sie waren – kein Witz. Ich hab verschieden Abläufe getestet und irgendwann vor Augen gehabt, wie alles aufgebaut werden soll. Ich arrangiere so gut wie nie ins Blaue, sondern setze mich wirklich hin und probiere und überlege, bis ich eine wirklich überzeugenden Ablauf vor Augen habe.

Mit welchen Tools hast du „Ihre Persönliche Glücksmelodie“ produziert und wie hat sich das bis heute entwickelt?

Ganz einfach: MPC 2000, Access Virus A, Digitech IPS33b (Octave Pitch Delay für die Glitzersounds), ein einfaches Delay, Nanoverb, 24ch Mischpult. Das Stück besteht aus zwölf Spuren und läuft in einem zweitaktigen Loop. Fast alle Arrangements fanden auf dem Mischpult statt. Allerdings habe ich dann noch ein paar kleine stellen am Computer dazugebastelt. Mit diesem Setup habe ich damals alles gemacht.

Natürlich ist die Melodie das Hauptmotiv. Was kannst du uns zur Entstehung dieser einprägsamen, fröhlichen Melodielinie erzählen? Wie sehr hast du dich auch mit Musiktheorie befasst, um eine solche Melodie zu erfinden?

Es steckt tatsächlich ein bisschen Musiktheorie dahinter. Die Melodie ist stark mehrstimmig und basiert auf den Basstönen eines millionenfach benutzten Popschemas, das die „Turnaround-Formel“ genannt wird. Man geht durch eine bestimmte Art und Weise durch vier Akkorde, die sehr artverwandt sind, und man somit sehr frei darauf improvisieren kann. Außerdem strebt der letzte Akkord wieder zum ersten, deshalb Turnaround. In Popsongs laufen diese Akkorde oft im Chorus und gehen meist über vier oder acht Takte. Bei mir geht alles etwas schneller, zwei Takte. Mir war außerdem wichtig, dass die mittlere Stimme so endet, dass auch der letzte Ton dieser Stimme gefühlt wieder zum ersten Basston will (Vorhalt). Die höchste Stimme ist im Offbeat gesetzt und macht somit dieses upliftende Gefühl zwischen den Bassdrums. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Melodie vom Anfang des Stücks und die hohe, etwas schreiende Sequenz absolut identisch sind.

Entstehen deine Produktionen meistens nach einem vorher festgelegten Konzept oder lässt du dich intuitiv beim Jammen treiben? Könntest du „Ihre persönliche Glücksmelodie“ nochmal absolut identisch produzieren?

Also das Stück ist ja dermaßen intuitiv am Mischpult entstanden, es ist völlig unmöglich das nochmal so zu reproduzieren. Generell arbeite ich im Studio so, dass ich an irgendwas rumprobiere. Das können Chords sein, Drums, irgendein Sound z.B. und wenn mich etwas wirklich so sehr packt, dass ich nach fünf Stunden immer noch gefesselt davon bin, mache ich das Stück fertig, ansonsten landet es im Müll. Heutzutage ist das aber mit dem gefesselt sein sehr selten, deshalb mache ich nicht mehr so viele Produktionen fertig.

Hat dich der damit verbundene Erfolg überrascht?

Ehrlich gesagt, ich hab es geahnt, dass das Ding abgeht. Damals war ich schon ziemlicher Sven-Väth-Fan und als ich es im Robert Johnson auf seinen Plattentellern gesehen und gehört habe, war ich schon stolz. Ich wollte mich dann natürlich gerne vorstellen und ihm dann auch sagen dass das Stück von mir ist. Ich hab da wahrscheinlich schüchtern irgendwas leises genuschelt und er hat nur mit den Achseln gezuckt. Das Leben ist wie eine Klobrille, da macht man so einiges durch.

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www.gabrielananda.de