sascha funke 

Der Berliner DJ und Produzent Sascha Funke veröffentlichte seine erste EP im Jahre 2000 auf Kompakt Records, bevor er in den Jahren danach vor allem auf BPitch Control releaste, u. a. auch drei Alben. „Mango“ (2008) ist nicht nur der Name des zweiten Albums, sondern auch der gleichnamige Titeltrack, der auch Teil des Soundtracks von „Berlin Calling“ war. Im letzten Jahr veröffentlichte Funke sein viertes Soloalbum „Lotos Land“ auf Endless Flight und im Juni erscheint die neue EP „Acatenango“ auf You And Your Hippie Friends, dem Schwesterlabel von Hippie Dance.

Dein Track fängt mit einem rollenden Percussion-Pattern an. Wie entstand dieser Groove?

Die Basis für den Percussion-Pattern war eine Mixtur aus unterschiedlichen Samples. Die habe ich dann mit verschieden Effekten bearbeitet.

Genau wie dieses Pattern klingen alle Drums in „Mango“ sehr organisch. Welche Quellen benutzt du für Drumsounds und wie programmierst du deine Beats?

Wie gesagt, alle Drums waren Samples von alten Rock und Popstücken. Ich habe sie dann im Live sequenzt und arrangiert. Mittlerweile benutze ich auch richtige Drumcomputer wie die TR 8 und den Nord Drum2. In der Regel beginne ich aber immer erst mit dem Einspielen der Synths und danach widme ich mich den Beats. So war es auch bei Mango.

Für die emotionale Stimmung ist nicht zuletzt das äußerst deepe Pad verantwortlich, dass sehr komplex und wabernd erscheint. Wie hast du diese Fläche kreiert?

Auch ein Sample. Ich kann mich allerdings nicht mehr erinnern, wovon ich das Pad gesamplet habe. Ist ja jetzt auch schon zehn Jahre her.

Später kommen verzerrte Gitarren-Riffs dazu, die sehr nach einem Live-Recording klingen. Habe ich mit meiner Annahme Recht?

Ich hatte die Hookline mit einem Gitarrensample selbst editiert, war aber nie hundertprozentig mit dem Klang zufrieden. Dann habe ich einen Kollegen gebeten die Gitarre nachzuspielen. Sein Name ist Andi Ross und er hatte seinerzeit auch unter dem Namen Tim Tim eine Platte auf BPitch Control veröffentlicht.

Welches Setup hast du 2008 beim produzieren von „Mango“ benutzt und wie hat sich dein Studio bis jetzt entwickelt?

Damals habe ich ausschließlich am Computer produziert, doch mittlerweile hat sich viel getan. Ich habe verschiedene Synths wie z. B. Moog Voyager, Korg MS 20, Prophet Rev 2, aber auch ältere Sachen wie ein Solina String Ensemble und eine Yamaha-YC-30-Orgel. Für Effekte benutze ich oft ein Roland Chorus Echo und ein Dynacord VRS 23 Delay. Meine letzte Neuanschaffung ist ein Eventide H3000 Effektgerät.

Der Track schafft den perfekten Spagat zwischen Monotonie auf der einen Seite und andererseits spannenden Harmonie-Wechseln. Wie gehst du an Melodien und Harmonien heran? Womit beginnst du beim Produzieren? Hast du eine klassische Musikausbildung genossen, z. B. Klavierunterricht?

Ich beginne immer mit einer Melodie oder Sequenz und merke relativ schnell, in welche Richtung sich das Stück entwickelt. Danach widme ich mich dem Bass und den Drums und weiteren zusätzlichen Sounds. Es gibt eigentlich nie einen richtigen Plan und alles entsteht eher spielerisch und oft auch zufällig. Ich habe nie eine klassische Musikausbildung genossen und immer nur nach Gehör Musik gemacht.

Wie lange brauchst du mit einem gesunden Perfektionismus für einen Track, insbesondere für „Mango“?

An „Mango“ habe ich über ein Jahr gearbeitet. Ich wusste von vornherein, dass ich ein Album machen will und das dieser Track eine wichtige Rolle spielen würde. Dadurch hatte ich viel Zeit, um immer wieder kleine Details zu ändern.
Ich bin aber definitiv kein Perfektionist. Normalerweise dauert es ein bis drei Monate von der ersten Skizze bis zur endgültigen finalen Version. Ich produziere mehrere Stücke parallel und skippe immer wieder durch meine Skizzen. So entstehen oft neue Ideen, wenn ein Stück auch mal für längere Zeit rumliegt. Es gibt auch oft den Fall, dass ich mit dem Klang von einem bestimmten Sound nicht 100 Prozent zufrieden bin und versuche ihn, wieder und wieder neu einzuspielen. Am Ende behalte ich aber dann doch das erste Take, weil man oft diesen ersten „magischen“ Moment nicht wiederholen kann. Das ist dann perfekt unperfekt.

Erzähl uns was darüber, wie du einzelne Elemente im Mix miteinander verwoben hast.

Wenn man mit Samples arbeitet, gibt es interessante Kontraste im Mix, da ja jeder Sound von einem anderen Künstler stammt und unter unterschiedlichsten Bedingungen produziert und gemixt wurde. Dadurch ist das Stück gleich viel lebendiger. Den finalen Mix für „Mango“ habe ich allerdings damals nicht selbst gemacht.

Zu guter Letzt brauchen die FAZEmag-Leser noch deinen Lieblingstrick beim Produzieren:

Ich habe eigentlich keinen klassischen Lieblingstrick, eher einen Lieblingseffekt. Ich benutze auf fast allen Sounds einen Chorus. Sei es für Drums, Leads oder auch Bässe. Der Chorus ist immer dabei.

 

 

 

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