Wie proklamierten die deutschen Elektronikpioniere Kraftwerk doch so richtig: „Es wird immer weitergehen, Musik als Träger von Ideen.“ Und genauso wie sich das Rad der Tanzmusik stets weiterdreht, gib es auch inmitten der elektronischen Welt immer wieder neue Genre-Aufsplittungen. East-Tekk ist eine Musikrichtung, die im Osten der Republik ihre Anfänge hatte, mittlerweile aber im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus eine große Popularität besitzt. Aushängeschild dieses Genres ist der im Erzgebirge geborene Alexander Walter, besser bekannt als Zahni, der spätestens seit seinem 2015er-Album „Mirage“ aus keinem Line-up für härtere Sounds mehr wegzudenken ist. Wir haben mit ihm über die Entwicklung von East-Tekk gesprochen.

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Alex, du hast in den vergangenen Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt. Aus Chemnitz in die ganze Welt. Wie hat es mit dir angefangen? Wie bist du aufgewachsen? Wann bist du das erste Mal mit Musik in Berührung gekommen, wann das erste Mal mit Tanzmusik? Wann hast du mit dem DJing angefangen, in welchem Club hast du das erste Mal aufgelegt?

Ja, angefangen hat alles mit mir in Annaberg-Buchholz, mitten im Erzgebirge. Da bin ich im Kreiskrankenhaus geboren worden. Ich bin aufgewachsen auf dem Dorf, so ganz normal eben. Ich denke, Musik habe ich schon immer gehört. Angefangen hat es mit Bravo-Hits und so. Tanzmusik hab ich im Alter von 17 Jahren das erste Mal bei einem Kumpel im Auto gehört. Ich weiß noch, wie ich dachte: „Mann, was für eine schräge Musik, ey.“ Selbst angefangen mit Musik habe ich dann erst mit 21. Ein Jahr später, mit 22, hatte ich dann mein erstes Booking. Ich habe das erste Mal bei einer richtigen Party im Triebwerk Dresden gespielt.

Wie kam es zu deinem Künstlernamen?

Mein Künstlername ist mein Spitzname, seit ich 12 war. Mein großer Bruder trägt den Spitznamen „Zahn“ – und da ich sein kleiner Bruder bin, haben mich halt alle immer „kleiner Zahn“ genannt. Und irgendjemand hat dann mal Zahni draus gemacht.

Welche Art von Musik hat dich früher inspiriert und was hörst du aktuell in deiner Freizeit?

Inspiriert haben mich schon immer Hanson & Schrempf. Speziell der Live-Act von Schrempf ist einfach mega. Sonst höre ich ehrlich gesagt viel „Live-Tekk“ oder eben Rap und Hip-Hop. Zwischendurch aber auch mal ein cooles Minimal-Set, je nach Stimmung eben.

Du hast deine Anfänge in ostdeutschen Clubs erlebt. Kannst du dich noch an deinen ersten bezahlten DJ-Auftritt erinnern?

Ja, mein erster bezahlter Auftritt war im Triebwerk in Dresden – Lamars Birthday damals. Meine erste Gage bestand aus einem Zugticket, einigen Gästelistenplätzen für meine Freunde und ein paar Getränken.

Wann hat es angefangen, dass du auch außerhalb deiner Region populär und gebucht wurdest?

Im Jahr 2007 habe ich an einem DJ-Contest teilgenommen. Der fand in Stiege im Harz statt. Dort lernte ich dann einen meiner heutigen besten Freunde kennen, Christian. Er meinte zu mir, er veranstalte einige Events im Harz und er würde mich dahin buchen – gesagt, getan. Mein erster richtiger Gig im Harz kam dann so gut an, dass ich daraufhin im selben Jahr fast jedes Wochenende dort gespielt habe. Hier lernte ich auch Toby und Micha kennen; auch sehr gute Kumpels von mir, die mich dann bei der Agentur Strezzkidz verbucht haben. Von da an ging das irgendwie voll schnell alles.

Du bist in Clubs groß geworden, mittlerweile aber auch auf den größten Festivals wie Nature One oder SonneMondSterne zu Hause. Welche Art von Auftritt gibt dir mehr und inwiefern unterscheiden sich deine Sets im Club- und im Festival-Kontext?

Also, ich spiele überall gerne. Natürlich sind die Festivals wie Nature One, SonneMondSterne und so richtig mega – groß, laut und eben schon komplett anders als im Club. Im Club wiederum sind zwar weniger Leute, dennoch ist der Floor da immer mega am Kochen, was mindestens genauso geil ist. Große Unterschiede wird man in meinen Sets nicht hören. Ich mag nur diesen einen Stil, wenn ich selbst Musik mache, da wird man auch nichts anderes hören. Natürlich habe ich für Festivals meist noch ein spezielles Intro, aber so vom Stil her läuft das nicht anders als im Club.

Wie stehst du zu der Bezeichnung East-Tekk und was bedeutet dieses Genre für dich?

Ja, die Bezeichnung hat sich wohl so „eingebürgert“. Ich war noch nie Fan von dieser Ost-West-Kiste. Aber na ja, es ist halt so, dass Tekk mit dem Osten in Verbindung gebracht wird und der Westen halt mit Hardtechno oder, wie alle immer noch sagen, Schranz.

Wie würdest du East-Tekk Leuten beschreiben, die es noch nicht live gehört haben? Wie erklärst du dir die gestiegene Popularität von East-Tekk und inwiefern unterscheidet sich diese Richtung von Hardtechno?

180724_195424_facemag_Flad_74585Ich würde es so zu erklären versuchen: schräge Töne mit harten Bässen und crazy Sprüchen. Auf Ostdeutsch: Nach-vorne-Mukke. Es ist halt etwas Neues gewesen, bei dem man schnell feststellte, dass es auf unseren Partys eigentlich jeder geil findet. So wie wir selbst auch. Man weiß halt immer, was einen erwartet, und wird nicht enttäuscht. Im Hardtechno ist die Veränderung, glaube ich, noch minimaler; der East-Tekk-Stil ändert sich auch nicht generell, aber es ist mehr Abwechslung in den einzelnen Songs, finde ich.

Gibt es deiner Meinung nach Unterschiede im Feierverhalten zwischen Ost und West? Wenn ja, wo liegen sie?

Die gibt es definitiv. Zum Beispiel fallen mir die unterschiedlichen Tanzstile ein. Zudem gehen die Partys im Osten meist länger, was sich darin widerspiegelt, dass viele später kommen, dafür aber eben später gehen – oder eben trotzdem von Anfang an da sind und eher gelassener feiern, weil sie länger bleiben und noch Kraft brauchen für den weiteren Verlauf der Nacht.

2015 hattest du eine viel beachtete Kooperation mit dem Rapper King Orgasmus One inklusive des Hits „Ich will euch tanzen sehen“. Wie ist es dazu gekommen und mit wem arbeitest du aktuell zusammen?

Mein Kumpel Toby hat mal ein Konzert mit King Orgasmus One in Magdeburg veranstaltet. Nach dem Konzert gab es dann noch einen Aftershow-Floor mit Tekk, auf dem ich aufgelegt habe. Dort habe ich Orgi dann kennengelernt und festgestellt, dass er meine Mukke kannte und hörte; wie ich seine eben auch. Das führte dann unweigerlich zu dem Porntekk-Album. Aber das war natürlich noch nicht alles von uns. Unsere neue gemeinsame Tour steht an: Das erste Date ist am 25.08. auf dem Hell Festival, der Rest bleibt aber noch geheim.

Was hast du dir für die kommenden Monate und Jahre vorgenommen? Was sind deine musikalischen Ziele?

Ich möchte East-Tekk so weit wie möglich verbreiten. Das ist auch einfach schon immer mein Leben. Außerdem versuche ich natürlich, meinen Live-Act noch mehr nach vorne zu bringen und ständig zu verbessern.

Wie ist die Musikszene in Chemnitz? Gibt es viele junge Talente, die von dir und deinem Sound inspiriert werden? Wo geht man hin, wenn man feiern will?

Also, hier zu Hause ist die Musikszene eher etwas kleiner geworden. Früher gab es das Achtermai, das war einer der angesagtesten Clubs, was harte Musik anging. Hier spielten regelmäßig Größen wie DJ Rush, Chris Liebing, Monika Kruse oder auch Rob Acid. Der Club ist leider mittlerweile geschlossen – wie die meisten anderen Clubs in der Region ebenfalls. Wenn man hier ausgeht zum Feiern und „unsere Musik“ hören will, dann landet man definitiv im Ndoprhin Club in Chemnitz: eine fette Location, eine fette Anlage und immer coole Line-ups.

Du spielst jedes Wochenende. Welches Set ist dir besonders in Erinnerung geblieben? Was war der verrückteste Auftritt, den du bislang hattest?

In Erinnerung geblieben ist mir vor allem mein Set auf der Syndicate in Dortmund 2011. Ich weiß noch genau, wie nervös ich war. Ich wusste nicht, ob das alles hinhaut – und das Set war dann einfach nur mega. Zusammen mit der fetten Anlage und meinen Fans war es einfach nur ein Traum.

Welche drei Tracks kannst du immer im Set spielen?

Eigentlich alle von mir, aber okay:

  1. Mayas
  2. F*** die Polizei
  3. Böse

 

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Fotos: Stephan Flad