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Silicon Valley? Nein. Vor 20 Jahren entwickelten Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen eine Form der Tonübermittlung, die auch heute noch unser Leben beeinflusst: Das MP3-Format.

Vor auf den heutigen Tag genau 20 Jahren setzte man den Namen „MPEG Audio Layer 3“ fest. Damit war das neue Dateiformat geboren. Karlheinz Brandenburg, Harald Popp und Bernhard Grill entwickelten ein Verfahren welches es ermöglichte Klangdateien so zu komprimieren, dass sie durch relativ kleine Datenmengen glänzen und so die Portabilität von Musik erhöhen sollten. Und das zu einer Zeit, als Kassetten und auch der DiscMan noch gängige Geräte waren. Insgesamt acht Forscher des Instituts entwickelten das Verfahren zu Ende.

Dabei war die MP3 anfangs gar nicht für den Massenmarkt bestimmt. Es sollte der Musikindustrie vorbehalten bleiben. Nur Encoder für niedrige Bitraten waren frei zugänglich. Die ursprüngliche Encoder-Software, die auch die uns heute gängigen hohen Bitraten ermöglichten, war teuer und wurde auch absichtlich teuer verkauft. 1997 erwarb ein australischer Student unter Angabe einer gestohlenen Kreditkartennummer die Software, analysierte den Code, modifizierte die Version und stellte diese für alle Verfügbar ins Netz. Fortan konnte jeder das Programm, das der Student mit dem kleinen Vermerk „thank you Fraunhofer“ bereitstellte, herunterladen und seine CDs in das heute allgegenwärtige Format umwandeln. Im Jahr 2011 beschwerte sich Karlheinz Brandenburg übrigens bei einem Interview auf einem US-Sender, dass eben dieser Student es war der die Entwickler ihrer Geschäftsidee beraubt hat. 1998 kam der LAME-Encoder auf den Markt, der auch heute noch als einer der besten gilt.

Die schwarz-grüne Software Winamp und der erste Hardware MP3-Player folgten. 1999 wurde die Filesharing Plattform Napster geboren. Es gab kein Halten mehr. Die MP3 war für jeden zugänglich. Wir erinnern uns noch gern zurück an die Zeit, an dem jeder mit einem MP3-Player als absoluter Nerd galt. Sie waren hässlich, abgespacet und unergonomisch. Man mag Apple mögen oder hassen, aber der absolute Siegeszug begann mit dem im Jahre 2001 eingeführten ersten iPod. „A thousand songs in your pocket“ – Apple machte die MP3 salonfähig.

Das Dateiformat brachte auch eine andere Revolution hervor: Streaming Dienste. Dadurch, dass die Dateien so klein sind, die Bandbreiten jedoch immer weiter stiegen, sind Streaming Dienste ein Erfolgsmodell geworden. Und heute? Wir haben die Möglichkeit zu wählen. Spotify, Apple Music – vielleicht sogar bald auch Facebook? Ohne die MP3 wäre das wohl nicht möglich gewesen. Anstatt großer Festplatten brauch es heute nur noch große Bandbreiten um seine Lieblingsmusik von überall zu hören.

Genauso wie damals gibt es jedoch auch heute noch viele Kritiker des weltbekannten Formates. Die Kompression ist nicht verlustfrei. Das Format habe die Klangqualität der Musik verschlechtert, heißt es von vielen Seiten. Dabei bedient sich das Format eines Mechanismus, das sich an der Wahrnehmung des menschlichen Gehörs orientiert. MP3 stellt die Teile der Musik besonders gut dar, die für den Menschen auch gut hörbar sind. Vor allem seit der Siegeszug der guten alten Vinyl wieder auf dem Vormarsch ist und neuere Formate wie das unkomprimierte AAC-Format sich durchgesetzt haben streiten Audiophile auf der ganzen Welt über die Vor- und Nachteile der MP3. Für den Normalverbraucher sollte der Unterschied dennoch kaum bis gar nicht hörbar sein.

Vorteile, Nachteile. Illegales Sharing, legales Streaming. MP3-Stick, iPod. Egal welche Meinung man über dieses Format hat, es hat zweifellos unsere Musikwelt verändert.

20 Jahre MP3 – herzlichen Glückwunsch!

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