2025 – Der große Jahresrückblick

2025 liegt hinter uns. Bevor wir uns aber neuen Vorsätzen, Zielen und Visionen widmen, lohnt ein kurzer Blick zurück: Welche Momente haben uns bewegt, begeistert, belustigt oder erschüttert? Was lässt hoffen – und was stimmt nachdenklich? Wir haben einige der prägendsten und skurrilsten Ereignisse des vergangenen Jahres gesammelt.

Foto: Fred F.

Januar:

  • Das Watergate schließt für immer: Am 2. Januar endete eine Berliner Club-Ära. Nach einem dreitägigen Closing-Marathon lief im Watergate der letzte Track: „Poney Pt. I“ von Vitalic – und die Türen schlossen sich für immer.
  • Boiler Room wird verkauft: Mitte Januar wurde bekannt, dass Boiler Room an den britischen Festivalbetreiber Superstruct Entertainment verkauft wurde, der unter dem Dach der umstrittenen Investmentfirma KKR steht. Scharfe Kritik und zahllose Boykotte waren die Folge.
  • David Lynch verstirbt: Am 15. Januar starb Kultregisseur und Musiker David Lynch im Alter von 78 Jahren. Künstler wie Moby, Dubfire und Dustin Zahn würdigten seinen Einfluss auf ihre musikalischen Identität.
Foto: Daniel Woeller

Februar:

  • Sven Väth wird zum dritten Mal Vater: Zu Jahresbeginn teilte Sven Väth eine selten private Nachricht. Auf einem Foto zeigt sich der Frankfurter DJ mit seiner Partnerin und ihrem Babybauch. Nach Tochter Paulina und Sohn Liam Tiga freute sich der „Babba“ nun im Februar über sein drittes Kind, das auf den Namen Lex Caspar hört.
  • Synthesizer-Museum eröffnet in Berlin: Eine Nachricht, die bei Freund*innen des analogen elektronischen Klanges wortwörtlich für Musik in den Ohren sorgte. Im Februar eröffnete in Berlin das Synthesizer-Museum mit legendären Geräten und echten Raritäten.
  • Zürcher Club Zukunft schließt: Einer der renommiertesten Clubs der Schweiz gab im Februar nach fast zwei Jahrzehnten seine Schließung bekannt. Das „Zuki“ in Zürich prägte das Nachtleben des Landes maßgeblich mit.

März:

  • CDU will Cannabis-Legalisierung rückgängig machen: Anfang März wurde erstmals das Bestreben der CDU bekannt, eine Kehrtwende bei der Cannabis-Legalisierung zu forcieren. Die Gesetzesänderung habe die Kriminalität nicht eingedämmt, lautet die Argumentation.
  • Rosenstolz-Sängerin AnNa R. verstirbt: Mitte des Monats verstarb die beliebte Sängerin im Alter von 55 Jahren unerwartet. Auch die elektronische Szene trauerte – zahlreiche Rosenstolz-Hits wurden zu House-Stücken geremixt.
  • Monika Kruse verkündet DJ-Comeback: Nach einer langen gesundheitsbedingten Auszeit verkündete Monika Kruse ihr DJ-Comeback bei einem Open-Air-Set im Dockland Münster. Schön, dass du wieder dabei bist, Moni!

April:

  • Die Katastrophe von Santo Domingo: Im Jet Set, einem der bekanntesten Musikclubs der Dominikanischen Republik stürzte Anfang April das Dach ein – 236 Menschen starben bei der Tragödie, Hunderte wurden verletzt.
  • Kompakt feiert die 500: Anlässlich seiner 500. Katalognummer feierte das legendäre Kölner Label in großem Stil. Die V.A. „Kompakt 500“ kam mit 50 Tracks aus 33 Jahren Label-Historie heraus. Zusätzlich zur Vinyl-Box gab’s außerdem ein Buch.
  • Ex-Kraftwerkler im Netz getrollt: Etwas zum Schmunzeln lieferte uns Ex-Kraftwerk-Mitglied Wolfgang Flür. Er glaubte, online mit Daft-Punk-Legende Thomas Bangalter an zwei Tracks zusammengearbeitet zu haben. Stattdessen arbeitete er aber mit einem Unbekannten zusammen. Daft-Punk-Archivar Luke Perez deckte den Schwindel auf.

Mai:

  • Angriff auf Paul Kalkbrenner: Während eines Live-Sets am 1. Mai wurde der Superstar plötzlich von einem hochaggressiven Zuschauer attackiert, der versuchte, Kalkbrenner zu schlagen. Nach einem kurzen Schwitzkasten-Duell konnte der Gast entfernt werden.
  • Einbruch in die Essigfabrik: Bei einem Einbruch in die bekannte Kölner Venue Essigfabrik wurde die Musikanlage im Wert von 100.000 Euro gestohlen. Bisher konnten die Täter nicht gefasst werden.
  • Ein neuer Superclub auf Ibiza: Mit dem [UNVRS] eröffnete Ende Mai der neue „Superclub“ auf Ibiza. Das [UNVRS] sprengt bisherige Dimensionen und steht auch sinnbildlich für den Wandel einer elektronischen Feierkultur, die zusehends von VIP-Attitüde und Glamour infiltriert wird.

Juni:

  • Club durch Spenden gerettet: Eine schöne Nachricht in einer Zeit, in der die Clubs wie die Fliegen sterben, erreichte uns Anfang Juni aus München. Dort konnte der Legal Club dank einer Crowdfunding-Aktion vor dem finanziellen Aus gerettet werden.
  • Die Musikwelt trauert um Douglas McCarthy: Am 11. Juni ging die Meldung über den Tod des Nitzer-Ebb-Frontmanns viral. Die 1982 in England gegründete Gruppe gilt als eine der einflussreichsten EBM-Bands.
  • Richie Hawtin als Filmproduzent: Ende Juni wurde bekannt, dass die Techno-Koryphäe einen Kurzfilm über die Technokultur der 90er-Jahre in Detroit drehte. „Kids Like Us“ kann kostenlos im Netz geschaut werden.

Juli:

  • Drogenrazzia in Münchner Kult-Club: Bei einer Razzia im Münchner Kult-Technoclub Rote Sonne wurde den Beamten ein brutales Vorgehen unterstellt. Die bayrischen Behörden bestätigten damit wieder einmal ihre Intoleranz gegenüber der Subkultur.
  • Rave The Planet im Dauerregen: Trotz Dauerregens kamen am 12. Juli ca. 150.000 Raverinnen und Raver zum Loveparade-Nachfolger und zogen durch Berlin. Insgesamt spielten fast 300 Acts, dazu gab es 35 Floats und mehr als 50 Redebeiträge. Rund 1.000 Einsatzkräfte waren im Dienst.
  • Die Tomorrowland-Mainstage fackelt ab: Kurz vor Beginn des Tomorrowlands in Belgien fing die wie gewohnt opulent gestaltete Mainstage plötzlich Feuer und wurde vollständig zerstört. Videos des Vorfalls gingen weltweit viral. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

August:

  • 800.000 Raver*innen bei der Street Parade: Im Gegensatz zu Rave The Planet durfte sich die größte Technoparade der Welt im August an 33 Grad und Sonne ergötzen. 800.000 Raver feierten in Zürich friedlich zu über 200 Artists, an acht Bühnen und mit knapp 30 Love-Mobiles.
  • Die Szene trauert um Jay Haze: Der US-amerikanische Produzent, DJ und Labelbetreiber galt als einer der prägenden Köpfe des Minimal- und Techno-Undergrounds der 2000er-Jahre und remixte Größen wie DJ Hell, P. Diddy und Gui Boratto. Anfang der 2000er machte er Berlin zu seiner künstlerischen Heimat.
  • Ratten im Berghain? Tummeln sich im Berghain Ratten? Im Internet war Ende August ein ekelerregender Clip aufgetaucht, der diese Vermutung nahelegt. Angeblich soll er vom Reinigungspersonal des weltweit bekannten Clubs stammen. Was anschließend im Netz los war, könnt ihr euch vorstellen …
Burning Man Festival: Starker Sandsturm bringt Chaos. Foto-Quelle: Facebook-Seite des Burning Man Project

September:

  • Essener Hotel Shanghai muss schließen: Nach 25 Jahren ist Schluss: Kay Shanghai kündigte das Ende seines Clubs Hotel Shanghai in Essen an. Der Club an der Steeler Straße, einer der ältesten in NRW, war seit 2003 ein Hotspot für elektronische Musik und Konzerte.
  • Das Ende von Station Endlos: Einer der kultigsten Technoclubs in Sachsen-Anhalt verkündete Ende September ebenfalls sein Aus. Wenige Wochen zuvor waren bei einer Razzia Drogen und Waffen auf dem Gelände gefunden worden. Laut der Verantwortlichen seien aber finanzielle Gründe die Ursache für das Ende.
  • Chaos auf dem Burning Man: Wie schon im Jahr zuvor kämpfte das berühmte Burning Man Festival in der Wüste Nevadas mit einem Besucherrückgang. Mehrere Tote und ein verheerender Sandsturm machten die Situation 2025 nicht besser.

Oktober:

  • Ein Orden für den Tresor-Gründer: Da sagt man wohl „verdient“. Tresor-Visionär Dimitri Hegemann erhielt am 1. Oktober den Berliner Verdienstorden. Mit seinem Club hatte er die Berliner Kultur weltweit bekannt gemacht.
  • Sven Väth veröffentlicht Buch: Zu seinem 40-jährigen DJ-Jubiläum veröffentlichte Väth im Oktober ein Buch mit dem Titel „4 Decades Behind The Decks“ — ein opulent illustriertes Fotobuch mit Anekdoten über seine legendären Jahre im Frankfurter Dorian Gray, im Omen und auf Ibiza.
  • AlphaTheta präsentiert den CDJ-3000X: Beim Amsterdam Dance Event präsentierte das Unternehmen hinter Pioneer seinen neuen Flaggschiff-Player und den Nachfolger des CDJ-3000, der neue Maßstäbe beim Auflegen setzen soll.

November:

  • Neue Technoclubs für Berlin: Clubsterben? War da was? In Berlin haben zum Ende des Jahres noch einmal zwei neue Technoclubs eröffnet: der AM Club in Spandau und das C115 an der legendären AVUS-Tribüne. Beide überzeugten beim ersten Eindruck.
  • Wilder Fusion-Newsletter: Der Newsletter des Fusion Festivals war zuletzt erwartungsgemäß wieder politisch aufgeladen, überraschte dann aber dennoch mit dem ein oder anderen Aspekt: Wegen einer möglichen „Militarisierung“ des Geländes sagte man der Bundeswehr kurzerhand den Kampf an.
  • Wurzelfestival-Booker verstirbt: Am 15. November erreichte uns die traurige Nachricht über den Tod des Wurzelfestival-Bookers Danny Fiedler. Fiedler war außerdem ein bedeutender Thüringer Nachtaktivist, DJ, Producer, Labelhead und Veranstalter.

Dezember:

  • Tresor holt legendäre Compilation zurück: Erstmals seit 24 Jahren veröffentlichte Tresor Records wieder eine ANNEX-Compilation, die von 1999 bis 2001 jährlich erschienen war. Zum Comeback gab’s satte 28 Tracks.
  • Irrer Vorfall am Tresor: Apropos Tresor. Anfang Dezember ereignete sich ein Vorfall, der mit dem Attribut „skurril“ noch gut bedient ist. Ein des Clubs verwiesener Gast attackierte zunächst die Türsteher, versuchte anschließend ein Feuer zu legen — ihm gelang dann die Flucht in Handschellen inklusive Helikoptereinsatz. Was macht die Polizei eigentlich beruflich?
  • Berliner Renate bleibt geöffnet: Zum Abschluss noch eine schöne Nachricht. Der Berliner Club Renate kann wider Erwarten doch geöffnet bleiben, nachdem der Mietvertrag eigentlich nicht verlängert worden war. Somit bleibt der Hauptstadt einer ihrer kultigsten Clubs erhalten.

Aus dem FAZEmag 167/01.2026