
Seit 25 Jahren vertritt die Berliner Clubcommission die Interessen einer Szene, die längst weit über das Nachtleben hinausweist. Gegründet als Reaktion auf Razzien, Schließungen und wachsenden Verdrängungsdruck, ist sie heute Netzwerk, politisches Sprachrohr und Schnittstelle zwischen Clubkultur und Verwaltung. Im Interview spricht Executive Board Member Emiko Gejic über die Anfänge, aktuelle Herausforderungen, Förderstrukturen und die Frage, warum Clubs endlich auch baurechtlich als Kulturstätten anerkannt werden müssen.

Schauen wir auf die späten 90er und die frühen 2000er. Warum brauchte Berlin damals eine Clubcommission?
Damals gab es vermehrt Polizeirazzien und Clubschließungen. Um der Verdrängung kultureller Orte entgegenzuwirken, schlossen sich Clubbetreibende zusammen und gründeten 2001 die Berlin Clubcommission. Sie war der erste Verband ihrer Art, der Subkultur, Clubs und Nachtleben repräsentierte, und wurde später zum Vorbild für ähnliche Strukturen in anderen Städten.
Was waren die ersten wichtigen Projekte und Strukturen, die ihr etabliert habt? Welche von ihnen wirken bis heute nach?
Die Clubcommission versteht sich bis heute vor allem als Netzwerk der Clubkultur. Hier verbinden sich Clubbetreibende, Artists, Kollektive, Veranstaltungsorte und weitere Akteure der Szene. Die Clubcommission fungiert als Schnittstelle zwischen Clubkultur und Politik und vertritt seit ihrer Gründung die politischen Interessen ihrer Mitglieder.
Wie haben sich die Herausforderungen der Clubkultur in den letzten 25 Jahren verändert?
Die größten Herausforderungen bleiben steigende Mieten, Verdrängung durch Bebauung sowie Lärmkonflikte und Beschwerden. Viele Clubs mussten deshalb schließen. Hinzu kam 2020 die Pandemie, die die Clubkultur zusätzlich massiv belastet hat.
Mehr als zehn Millionen Euro Fördermittel wurden in den letzten Jahren von euch organisiert und weitergegeben. Wie entscheidet man, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird?
Die Fördermittel werden projektbezogen vergeben und setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Der Schallschutzfonds unterstützt Clubs beispielsweise dabei, ihren Betrieb besser gegen Lärmkonflikte abzusichern. Beim Tag der Clubkultur stehen hingegen Sichtbarkeit und Wertschätzung der Berliner Clubkultur im Fokus. Dort können sich Clubs und Kollektive bewerben; eine externe Jury entscheidet über die Vergabe der Preisgelder.
Wie schwierig ist es, die Interessen von über 250 Mitgliedern zu bündeln, wenn Clubs sehr unterschiedliche Größen, Profile und Bedürfnisse haben?
Das bleibt ein ständiger Prozess, da sich die Mitglieder stark unterscheiden. Deshalb arbeitet die Clubcommission mit einem größeren Vorstand sowie verschiedenen Arbeitskreisen zu relevanten Themen. Dort können sich Mitglieder, Vorstände und Team direkt austauschen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Wenn ihr eine Forderung an die Berliner Politik für die nächsten 25 Jahre formulieren müsstet: Welche wäre das?
Eine der wichtigsten Forderungen bleibt die Anerkennung von Clubs als Kulturstätten und eine entsprechende Anpassung der Baunutzungsverordnung. Clubs haben baurechtlich noch immer zu wenig Schutz, was Verdrängung erleichtert. Darüber hinaus braucht es langfristig Flächen und politische Rahmenbedingungen, damit Clubs unabhängig bestehen können. Clubs sind ein zentraler Teil der Berliner Identität – ihr Verlust wäre auch ein Verlust von Berlins kultureller Seele.
Aus dem FAZEmag 172/06.2026