Ein wahrlich biblisches Alter, man kann sich nur verneigen vor Michael Reinboth und seinem Team. 1994 gründete er in München Compost Records, das sich schnell zu einer festen Institution in Sachen Clubmusik mauserte, vor allem in den Bereichen Downbeat, Future Jazz und House hat das Label nicht nur hierzulande großartige Aufbauarbeit geleistet, man denke nur an „Future Sound Of Jazz, „Glücklich“ oder „Compost Black Label“. Michael Reinboth präsentiert uns hier vier Favoriten aus dem Backkatalog des Labels, der Freiburger Rainer Trüby, von Anfang an dabei, ergänzt einen seiner Favoriten.

 


Michael Reinboth:
Various Artists – Future Sounds Of Jazz Vol. 1-14 (1995 bis heute)
Dass sich die Serie so lange hält und zum Klassiker avanciert, hätte ich anfangs nicht gedacht. Dass sie dann später von einigen Musikzeitschriften in ihren „Top 20 Compilations Of All Time“-Bestenlisten gewürdigt wurde, hat uns natürlich gefreut. Letztendlich war die Serie auch mit ausschlaggebend für das Genre Future Jazz. Die Musik ist zeitlos, auch wenn ich zwischendurch mal ein paar Jahre mit der Serie aussetzte, weil doch in bestimmten Phasen dann fünf, sechs, sieben super Tracks fehlten und ich nichts verwässern wollte- Irgendwann war die Zeit immer wieder reif für eine neue. Und so habe ich die Hälfte an Tracks für die 15. Ausgabe auch schon im Kopf. Wenn man sich mal alle Namen/Acts/Remixer, die auf den 14 Ausgaben „Future Sounds Of Jazz“ drauf sind, zu Gemüte führt, ist das schon ein tolles Line-up.

Pablo Fierro – Timanfaya/Compost Black Label #124 (2018)
Von inzwischen 146 Ausgaben der „Compost Black Label“-Reihe war die von Pablo Fierro erst kürzlich erschienene wieder ein Highlight. Tolle percussive Housemusik mit balearischen und Afro-Vibes. Wenn man die zwölf Jahre mit ihren 146 Ausgaben betrachtet, gab es natürlich Ups and Downs – das ist normal –, aber zwischendurch immer wieder große Nummern, kleine Hits oder Klassiker wie beispielsweise von Motor City Drum Ensemble, Solomun, Move D , DJ Yellow & Flowers And Sea Creatures (der Remix von Konstantin Sibold), Rainer Trüby, Zwicker oder Jay Shepheard – da reiht sich Pablo Fierro sehr gut ein.

Felix Laband – Dark Days Exit (2004)
Eigentlich zählen beide Alben von Felix Laband – neben „Dark Days Exit“ auch „Deaf Safari“ zu meinen Lieblingsalben auf Compost. Irgendwie ist das sehr eigene, wunderschöne, seelenvolle elektronische Musik, die auch ein bisschen den Compost-Sound widerspiegelt und natürlich erweitert. Kann man immer und in jeder Lebenslage hören.

A Forest Mighty Black – Fresh In My Mind (1994)
Die erste Compost-Maxi war gleich vom Start weg ein Erfolg. Wir haben damals über 10 000 Vinyls verkauft, heutzutage eine unglaubliche Menge. Der Ursprung, die erste Produktion im Studio mit Jan Krause (Beanfield), Rainer Trüby, Bernd Kunz und meiner Wenigkeit. Das waren Zeiten, alles war analog, die Nummer wurde noch auf Zollbändern aufgenommen. Leute wie Gilles Peterson, James Lavelle (Mo Wax), Kruder & Dorfmeister, Kyoto Jazz Massive, Louie Vega oder UFO haben die rauf und runter gespielt.

Rainer Trüby:
Peter Kruder – Root Down (2000)
1999 kam unser lieber Wiener Buddy Peter Kruder zum ersten Mal nach Freiburg, um auf meiner Party „Root Down“ ein paar Platten zu spielen. Der Abend war fein und hat musikalisch so einige Genres abgedeckt – von Trip-Hop, Dub, Soul über Jazz, House, Afro bis Broken Beat, Techno wie auch Falco. Das b2b am frühen Morgen mit Peter lief rund und irgendwann zu fortgeschrittener Stunde habe ich „De I Comahlee Ah“ von Jackie McLean & Michael Carvin aus dem Jahre 1975 gespielt. Ein wahrlich ruppiges Jazz-Dance-Ding mit spannenden Drums und Afro-Chants. Peter wollte die Platte dann „borgen“ und hat sie mitgenommen am nächsten Tag.
Wenige Monate später kam Post aus Wien. Eine DAT-Kassette mit Peters Hommage an „Root Down“. Wir haben uns ganz arg gefreut und Michi Reinboth hat das bald darauf auf Compost als White Label mit lediglich unserem Root-Down-Kassenstempel drauf veröffentlicht. Eine von vielen Compost-Platten, mit denen ich viele schöne Erinnerungen verbinde. Danke Peter und auf die nächsten 25 Jahre Compost, lieber Michi!“

 

Zum Jubiläum ist am 24. Mai das limitierte und handnummerierte Boxset „25 Compost Records“ erschienen, das zehn 12Inches, zwei Mixtapes einen Metall-Pin, einen Beutel, Sticker, Liner-Notes & Quotes sowie ale Tracks als Download beinhaltet.

www.compost-rec.com