50 Jahre Amnesia – Der nahbare Mythos Ibizas

Foto: Margot Lavigne

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Vor 50 Jahren begann auf Ibiza eine Geschichte, die bis heute die Clubkultur prägt. Während sich die Insel über Jahrzehnte immer wieder neu erfand, blieb ein Ort seinem eigenen Charakter treu: Amnesia. Unter dem Motto „Ibiza Changed. We Didn’t.“ startete der legendäre Club dieses Jahr sein großes Jubiläum – mit einer Saison voller Special Events, Anniversary-Partys und einem klaren Bekenntnis zu seiner eigenen Identität. Doch was macht Amnesia eigentlich aus? Warum pilgern auch heute noch Menschen aus aller Welt in den Club? Und wie erleben Künstler den wohl berühmtesten Dancefloor der Insel?

Um Antworten darauf zu finden, haben wir mit zwei Menschen gesprochen, die Amnesia aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln kennen: Die Berliner Techno-DJ und Produzentin Clara Cuvé, die in diesem Jubiläumsjahr mehrfach im Club auftritt, sowie Fellipe Wagner, 43-jähriger Raver und Toningenieur aus Koblenz, der Amnesia seit vielen Jahren regelmäßig besucht.

Wer sich mit elektronischer Musik beschäftigt, stößt früher oder später unweigerlich auf den Namen Amnesia. Für Clara Cuvé war der Club deshalb schon lange vor ihrem ersten Gig ein fester Begriff. „Amnesia hatte für mich immer etwas Mythisches. Es ist einer dieser Clubs, von denen man schon ganz am Anfang hört, wenn man in die Welt der elektronischen Musik eintaucht“, erzählt sie. Während Ibiza für viele heute ein eher perfektioniertes Image habe, sei Amnesia für sie immer der Ort gewesen, der sich „etwas Raues und Ursprüngliches bewahrt“ habe.

Als sie schließlich selbst dort spielte, trat der Mythos schnell in den Hintergrund. Stattdessen beeindruckte sie die unmittelbare Intensität des Clubs. „Der Raum, das Soundsystem, das Publikum – alles fühlt sich auf eine sehr unmittelbare Weise intensiv an. Am Ende geht es weniger um den Mythos als um das, was tatsächlich in diesem Raum passiert.“

Auch Fellipe Wagner erinnert sich noch genau an seine erste Begegnung mit Amnesia – allerdings aus einem völlig anderen Blickwinkel. Freunde seien von Ibiza zurückgekommen, „als hätten sie etwas erlebt, das sie kaum in Worte fassen konnten“. Mit entsprechend großen Erwartungen reiste er selbst auf die Insel. „Dann kommt man dort an und sieht erst einmal nur ein Gebäude irgendwo an einer Straße im Nirgendwo. Kein Strand, nichts drumherum. Aber sobald man hineingeht, ist es vorbei – dann zieht dich dieser Ort komplett in seinen Bann.“

Foto: Margot Lavigne

Besonders seine erste Cocoon-Nacht hat sich bis heute eingebrannt. „Es war ein Montag. Sven Väth legte auf, es war bereits nach sechs Uhr morgens. Die Sonne begann gerade durch das Dach der Terrasse zu scheinen und er spielte immer noch weiter. Ich dachte nur: Dieser Mann wird niemals aufhören. Und niemand in diesem Raum wollte, dass er aufhört.“ Für Wagner erklärt genau dieser Moment auch die Langlebigkeit des Clubs: „Wenn man auf 50 Jahre voller Nächte wie dieser zurückblickt, versteht man, warum es diesen Club bis heute gibt.“

Dass Amnesia nicht nur architektonisch eine besondere Atmosphäre besitzt, spürt auch Clara Cuvé hinter den Decks. „Man spürt sofort, dass die Menschen dorthin kommen, um loszulassen. Das Publikum ist nicht passiv. Die Leute sind voll dabei, reagieren intensiv und treiben dich als DJ zusätzlich an.“ Gerade diese direkte Verbindung zwischen Künstler und Publikum unterscheide Amnesia von vielen anderen Clubs. „Zwischen DJ und Publikum gibt es deutlich weniger Distanz. Es fühlt sich wie ein permanenter Austausch von Energie an.“ Fellipe Wagner beschreibt dieselbe Dynamik aus seiner Sicht. Vor allem die legendären Cocoon-Nächte seien geprägt gewesen von Menschen, die ausschließlich wegen der Musik gekommen seien.

„Damals gab es natürlich keine Smartphones. Aber das war gar nicht das Entscheidende. Die Menschen haben einfach stundenlang getanzt, ohne Hintergedanken. Man stand neben völlig fremden Menschen und erlebte gemeinsam diese ganze Reise, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln.“ Auch wenn sich Ibiza verändert habe, glaubt er, dass genau dieses Gefühl bis heute existiert. „An den richtigen Abenden gibt es das im Amnesia immer noch. Der Raum selbst fordert das irgendwie von den Menschen ein.“

Clara und Fellipe verbindet eine Beobachtung: Amnesia fühlt sich nicht wie ein Club an, der versucht, seine Vergangenheit zu kopieren. „Auch ohne die Anfangsjahre erlebt zu haben, merkt man sofort, dass Amnesia Geschichte in sich trägt“, so die Techno-Produzentin. „Es fühlt sich nicht wie ein neuer Club an, der versucht, etwas Altes nachzubilden. Vielmehr wirkt es wie ein Ort, der sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat. Genau das verleiht ihm eine Atmosphäre, die man nicht künstlich erschaffen kann.“ Fellipe Wagner sieht darin einen entscheidenden Unterschied zu vielen modernen Clubs. „Alles rundherum ist lauter geworden – das Marketing, die Preise, die gesamte Ibiza-Maschinerie. Das gehört heute einfach dazu. Aber Amnesia besitzt etwas, das die meisten Clubs nach all den Jahren nicht haben: einen Raum, in dessen Wänden echte Geschichte steckt. Die Terrasse bei Sonnenaufgang, Musik, die einen einfach nicht gehen lässt – so etwas kann man nicht künstlich erschaffen. Ich glaube, dieser Ort weiß genau, was er ist. Und das ist selten.“

Foto: Margot Lavigne

In einer Zeit, in der digitale Angebote und soziale Medien um Aufmerksamkeit konkurrieren, sehen die beiden Clubs wie Amnesia weiterhin als unverzichtbar an. Für Clara liegt die Stärke gerade im Analogen. „Orte wie Amnesia bieten etwas, das sich digital nicht ersetzen lässt. Es geht um gemeinsame Energie, darum, ein Stück weit die Kontrolle loszulassen und Teil eines kollektiven Erlebnisses zu werden. Gerade heute, wo so vieles inszeniert und kontrolliert ist, gewinnen solche Räume an Bedeutung.“ Auch Fellipe verbindet mit Amnesia weit mehr als nur Partys. „Für mich war es der Beweis, dass etwas gleichzeitig vollkommen ernsthaft und vollkommen frei sein kann. Ich war damals 22 Jahre alt und hatte lange für diese Reise gespart. Diese Nächte wurden zu einem Bezugspunkt, den ich bis heute mit mir herumtrage – für Musik, für Menschen und dafür, was eine Nacht überhaupt sein kann.“

Sein Fazit fällt passend zum Jubiläum eindeutig aus: „Und wenn auch 50 Jahre später noch immer Menschen genau dieselbe Reise auf sich nehmen, sagt das eigentlich alles.“ Clara Cuvé gehört in diesem Jubiläumsjahr selbst zu den Künstlerinnen, die die Geschichte des Clubs weiterschreiben. Nach ihren Auftritten während der Saison versteht sie ihre Rolle dabei nicht einfach als DJ, sondern als Teil eines größeren Ganzen. „Für mich geht es darum, Intensität und Ehrlichkeit in diesen Raum zu bringen. Ich möchte, dass die Menschen vollständig in der Musik aufgehen – dass sie sie nicht nur hören, sondern körperlich erleben.“ Jeder Auftritt sei dabei mehr als ein einzelnes Set.

„Über den Sommer hinweg baut man eine Beziehung zu diesem Raum auf. Es geht nicht einfach darum, Musik zu spielen, sondern Momente zu schaffen, die in Erinnerung bleiben – unvorhersehbar, roh und gleichzeitig sehr bewusst gestaltet.“ Vielleicht beschreibt genau das den Kern dessen, was Amnesia nach fünf Jahrzehnten noch immer ausmacht. Ibiza hat sich verändert. Die Clublandschaft hat sich verändert. Doch ein Ort, an dem Künstler und Publikum gleichermaßen von einer ganz besonderen Energie sprechen, scheint seinem eigenen Charakter tatsächlich treu geblieben zu sein – ganz im Sinne des Jubiläumsmottos: „Ibiza Changed. We Didn’t.

Nach gemeinsamen Shows mit Sven Väth, Deborah de Luca, Indira Paganotto und Nikolina stehen für Clara Cuvé noch drei weitere Auftritte an, für die ihr HIER Tickets bekommt:

11. August: Joseph Capriati presents Metamorfosi

Terraza
Joseph Capriati
WhoMadeWho (hybrid)
Luuk van Dijk
Kidoo

Club Room
Fatima Hajji
Clara Cuvé
Daria Kolosova
Luxi Villar

23. August: Pyramid

Terraza
Ricardo Villalobos
Fumiya Tanaka
Laidlaw B2B Kepler
Germano Ventura

Main Room
Sara Landry
Clara Cuvé
Aida Arko
Juliet Fox

8. Oktober: Teletech

Terraza
Bella Claxton
Benwal
Kyle Starkey B2B Paige Tomlinson
Morgan Seatree
Salute B2B Faster Horses
Sim0ne B2B Spfdj

Main Room
blk. B2B Winson
Clara Cuvé
Emilija
Onlynumbers
Vieze Asbak

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