
In Köln-Kalk steht ein vollständig ausgestatteter Drogenkonsumraum bereit – doch genutzt wird er nicht.
An der Neuerburgstraße ist alles vorbereitet: Empfangstresen, Konsumplätze, Ruheraum und Büroräume sind eingerichtet, die Hausordnung hängt bereits an der Tür. Der Trägerverein Vision hat neun Mitarbeiter eingestellt, darunter Pflege- und Sozialfachkräfte sowie Studierende, die den Kontakt zu den Nachbarn pflegen sollen.
Trotz Betriebsbereitschaft bleibt der Raum geschlossen, weil eine entscheidende Formalität fehlt: die Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt, Gesundheitsamt, Polizei und Staatsanwaltschaft.
Diese ist laut Landesverordnung notwendig, um eine Betriebserlaubnis zu erhalten. „Die Behörden stehen dazu miteinander in gutem Austausch“, erklärt Stadtsprecherin Katja Reuter. Doch offenbar fehlt die Abstimmung mit dem Träger selbst.
Polizeisprecher Wolfgang Baldes sagt im Kölner Stadt-Anzeiger: „Es liegt ein Entwurf zum Drogenkonsumraum in Kalk vor, in welchem wesentliche Aufgaben der Kooperationspartner nicht ausreichend beschrieben sind. Die Abstimmung dazu dauert noch an.“
Für die Stadt entstehen währenddessen erhebliche Kosten. Seit Juni 2024 zahlt Köln monatlich 4658 Euro Miete, bestehend aus 2340 Euro Grundmiete und 2318 Euro Sondermiete für den Umbau.
Die Mitarbeiter von Vision, deren Stellen durch das Gesundheitsamt gefördert werden, müssen derzeit an anderen Orten eingesetzt werden. Im Stadtteil wächst die Ungeduld. „Ständig fragen uns die drogenkosumierende Menschen, wann der Raum endlich geöffnet wird“, sagt Vision-Geschäftsführerin Claudia Schieren.
„Wir haben alles getan, was wir tun können.“ Der Verein bietet bereits in einem benachbarten Gebäude niedrigschwellige Hilfe an – mit Mahlzeiten, Duschmöglichkeiten, Kleidertausch, Beratung, Streetwork und Präventionsarbeit zu HIV und Hepatitis.
Zudem unterstützt Vision Konsumierende beim Weg in Substitution, Entgiftung und betreutes Wohnen. Der betriebsbereite Raum müsse dringend öffnen: „Es ist doch unwürdig, dass sich die Menschen mit ihrer Erkrankung in die Büsche schlagen müssen.“
Thea Kuhs von der Kalker Bürgerinitiative Quartier Colonia zweifelt an der Sinnhaftigkeit des Standorts am Polizeipräsidium. „Dort entsteht im Odysseum eine Gesamtschule. Hinter den Köln-Arcaden werden Bürohäuser und Wohnungen gebaut. Alle werden die Haltestelle Kalk-Post nutzen. Und die ist heute schon chronisch überlastet. Das geht nicht.“
Während die Türen des fertiggestellten Raums an der Neuerburgstraße geschlossen bleiben, wird in Kalk über neue Pläne diskutiert. Polizeipräsident und Stadtverwaltung erwägen einen weiteren Drogenkonsumraum gegenüber dem Präsidium.
Doch der Vorschlag stößt auf Widerstand. „Kalk will ja Verantwortung übernehmen. Wir unterstützen den Raum an der Neuerburgstraße. Aber ein zweiter Raum überfordert Kalk. Jetzt sind andere Stadtteile gefragt“, sagt Freya Luisa Griesenbach, zweite Vorsitzende des Bürgervereins.
Dieter Meier, Anwohner am Bürgerpark, hat online eine Unterschriftensammlung gegen den geplanten Konsumraum am Präsidium gestartet. Bisher haben 666 Personen unterschrieben.
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger
Das könnte dich auch interessieren: