
Seit 2019 zog die Krachparade bereits mehrmals durch Aachen und demonstrierte lautstark, vorrangig mit elektronischer Musik von DJ-Trucks, für mehr Kulturräume. Doch damit könnte bald Schluss sein: Die eigentlich für den 6. September geplante diesjährige Edition wurde von der lokalen Polizei nicht als Tanzdemo anerkannt. Die Veranstalter riefen nun die Community auf gemeinsam dagegen öffentlich vorzugehen. Außerdem wolle man juristische Maßnahmen ergreifen. Auch Loveparade-Gründer Dr. Motte meldete sich zu Wort.
Circa 5000 Teilnehmer zogen im letzten Jahr kreuz und quer durch Aachen und tanzten lautstark zu überwiegend elektronischen Beats, die von Musikwagen schallten. Doch genau dieser Zusammenhang wird der kulturpolitischen Demonstration jetzt zum Verhängnis: Denn genau als solche möchte die Polizei Aachen die Veranstaltung nicht mehr anerkennen und laut Veranstaltern die Parade verhindern – und das, obwohl die Demo einen umfangreichen Katalog an politischen Forderungen vorlegt. In Zeiten der Clubkrise und der Bedrohung von Kulturräumen ist das mögliche Demo-Verbot ein Zeichen, das doppelt negativ erscheint.
Die Parade, die sich selbst als „Tanzdemonstration für kulturelle Freiräume“ bezeichnet, fordert unter anderem „mehr soziokulturelle Freiräume und kulturschaffende Maßnahmen“ für die Stadt am Dreiländereck zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Zu den Forderungen zählen etwa eine bessere städtische Infrastruktur fürs Kulturleben, sicherere Räume, die Aufnahme von Subkultur in Förderprogrammen und Kulturplänen oder auch faire Genehmigungen für Kulturveranstaltungen.
Die Forderungen der Krach Parade im Überblick:
Als demonstrative Ausdrucksform hat man sich, passend zum Thema, Bewegung und Musik auserwählt – eine Art und Weise, die zahlreiche andere Tanzdemos bundesweit ebenso an den Tag legen, etwa Dr. Motte und seine Rave The Planet Parade.
Die Polizei sieht den „Party- und Musikcharakter im Vordergrund“ anstelle der politischen Meinungsäußerung – Gedanken, die an das Demo-Aus der Loveparade in den 2000er-Jahren erinnern. Das Politische stelle laut der Behörde nur ein Beiwerk da, Plakate seien nicht sichtbar, Redebeiträge nicht lang genug.
Die Krach Parade meldete sich über Social Media zu Wort, widersprach der Polizei. Man integriere sowohl Forderungen, Redebeiträge als auch Hör- und Sichtbarkeit in die Demonstration. Ohne den Versammlungsstatus dürfe man jedoch am 6. September nicht starten. Deshalb wolle man jetzt gemeinsam für die Krachparade kämpfen – auch juristisch.
Zahlreiche ähnliche Organisationen meldeten sich zu Wort, etwa der Demorave aus Hamburg oder auch die Münchener Krachparade. Die Dresdener Tolerade teilte den Beitrag in ihrer Story, ebenso die Cultuur Infestation aus den Niederlanden. Die Münchner Initiative bot etwa eine Spende zur Unterstützung an. Dr. Motte von Rave The Planet meldete sich ebenfalls zu Wort: Die Polizei müsse der Gerechtigkeit, der Versammlungsfreiheit und der Meinungsfreiheit dienen und dürfe „Grundrechte nicht einschränken“.
Ein Gerichtsurteil könnte möglicherweise wegweisend für zahlreiche solcher Veranstaltungen ausfallen, etwa auch für Rave The Planet in Berlin, die mit ihrer Demo und der Organisation darunter etwa die Aufnahme der Technokultur ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO erreichten.
Quellen: Krach Parade, Instagram, Rave The Planet
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