ACA – der Weg eines Unermüdlichen

ACA – der Weg eines Unermüdlichen. Credit: Stuart Tracte

Schon mit 16 wusste ACA, dass Musik seine Zukunft ist. Damals stand er als junger Sänger im „Deutschland sucht den Superstar“-Recall vor Dieter Bohlen. „Er sagte mir, ich solle Gesangsunterricht nehmen und nächstes Jahr wiederkommen. Zum Glück gibt es keine Videos mehr aus dieser Zeit“, lacht ACA heute. Was zunächst wie ein Rückschlag wirkte, wurde zum Startschuss: „Es hat mich inspiriert, weil ich gesehen habe, dass es eine Chance auf Erfolg gibt. Das Feedback war positiv. Ich fing an, in meiner Gegend aufzutreten, und die Leute mochten meine Sachen.“ Am 20. Juni erschien mit „Brutal“ seine erste EP auf Eklisso.

Mit 17 Jahren reiste ACA zum ersten Mal nach Ibiza – ein prägendes Erlebnis, das seine musikalische Ausrichtung neu justierte. „Das war der Moment, in dem ich wusste: Ich will elektronische Musik machen. Ich wollte mich vom Gesang lösen und DJing und Produktion in den Fokus rücken.“ Den entscheidenden Impuls dafür gab allerdings seine Schwester. Sie war es, die ihm House Music näherbrachte. „Es war cooler als das, was ich seinerzeit hörte – Hip-Hop, Linkin Park, Limp Bizkit. Meine Schwester meinte, das höre niemand mehr, und bei ihren Partys lief nur House. Die waren der Wahnsinn! Ich war zu jung, um mitzugehen, also blieb ich allein mit der Musik – und ich liebte sie. Sexy, grooviger House-Sound.“

Nach seiner Rückkehr aus Ibiza begann ACA, gemeinsam mit Freunden in Deutschland gezielt nach Events mit ähnlicher Energie zu suchen. Fündig wurde er in der Kiesgrube und im legendären Tribehouse bei Düsseldorf. „Damals mit Loco Dice, Richie Hawtin, Sven Väth, Ricardo Villalobos – wir wurden süchtig. Was für eine Zeit!“ Der Wandel vom Sänger zum Produzenten und DJ war für ihn ein natürlicher Schritt. „Es war die einzige logische Entscheidung, um ein fester Teil der Clubkultur zu werden. Ich war süchtig nach Musik, habe jeden Tag nach neuen Tracks gesucht.“ Als er um die 19 Jahre alt war, unternahm er erste Produktionsversuche mit FL Studio, später wechselte er zu Ableton. „Die meisten meiner Vocals singe ich übrigens selbst.“ Die Entscheidung, nach Ibiza zu ziehen, war ein Meilenstein. „Das war der große Schritt in meiner Karriere. Du bist dort immer am Puls der neuesten Sounds und Trends. Die Szene ist so vielfältig und ständig im Wandel – zwischen Zukunft und Vergangenheit. Genau das hat mich inspiriert.“ Der Konkurrenzdruck und die tägliche Begegnung mit außergewöhnlichen Künstler*innen auf der Insel forderten ihn heraus und führten zu einem klaren Qualitätssprung: „Mein Sound hat sich dadurch stark verändert und verbessert.“

Ibiza habe eine Kraft, die man erlebt haben müsse, sagt er. „Wenn du ein internationaler DJ werden willst, musst du für einen Sommer nach Ibiza. Spür die Insel, lass dich inspirieren, verbinde dich mit den Leuten. Lerne den Sound, fühle die Musik. Du wirst dich verlieben. Es ist teuer, verdammt ja – aber das ist der Preis, den du zahlen musst, wenn du dein Leben verändern willst.“

ACA hat sich auf der Insel schnell etabliert. Bookings bei Formaten wie Repopulate Mars, Ibiza Talents oder Secret Sessions folgten. „Diese Events verkörpern den echten Ibiza-Underground-Vibe – das liebe ich so sehr. Ibiza Talents war die erste Marke, die mein Talent erkannt und mir die Chance gegeben hat, auf der Insel zu spielen – dafür werde ich immer dankbar sein.“ Besonders schwärmt er von Secret Sessions: „Es ist eines der wenigen echten Underground-Movements auf der Insel. Eine intime, coole Atmosphäre – du gehst vielleicht allein hin, gehst mit neuen Freunden und landest auf irgendeiner Afterparty mit Leuten, die du gerade erst kennengelernt hast. Das ist echtes Ibiza!“

Neben Ibiza ist ACA seit einiger Zeit verstärkt in Barcelona aktiv – ebenfalls eine wichtige Station seiner künstlerischen Entwicklung. „Barcelona ist viel business-orientierter. Weniger Vibe, aber mehr Resultate – und das gefällt mir auch.“ Seine Agentur ConceptOne sowie Mixmag Spain unterstützen ihn dabei strategisch. „Barcelona ist ein bisschen wie Berlin: viele Agenturen, viel Freiheit, viel Kreativität. Es geht mehr um den künstlerischen Ausdruck. Für den Winter ist es der beste Ort in Spanien für elektronische Musik. Viele DJs aus Ibiza überwintern dort – es gibt viele Studios und Agenturen.“

Dass sein Sound mittlerweile auch von großen Namen gespielt wird, sei für ihn nach wie vor surreal. „Jamie Jones, The Martinez Brothers, Paco Osuna – das waren meine Idole und schienen unerreichbar. Dass sie heute meine Tracks spielen, erfüllt mich mit Stolz. Es ist ein schönes Gefühl – aber es war auch ein langer Weg mit viel Arbeit und Geduld.“ Besondere Releases markieren diesen Weg. Vor allem der Track „No Me Impolta“, entstanden mit seinem besten Freund Mene, bedeutete einen Durchbruch: „Er wurde auf Moxy releast – dem Label von Darius Syrossian, einem meiner Lieblingskünstler, der mittlerweile auch ein sehr guter Freund ist. Der Track war auf Platz 2 bei Beatport und wurde von fast allen in der Szene gespielt.“ Ähnlich erfolgreich war „Tricky“ – ebenfalls mit Mene und Amine Edge: „Auch Platz 2, auch überall gespielt. Und es war ein entscheidender Schritt, weil der Track auf meinem eigenen Label TOZLA rauskam.“ TOZLA ist für ACA mehr als nur ein Imprint. „’Tozla‘ bedeutet im serbischen Slang ,Gold’ – und genau das wollen wir veröffentlichen: Goldene Gangsta-Musik. Tracks mit Seele, Groove und Charakter. Die Vision ist klar: Wir wollen einen Sound kultivieren, der sich abhebt.“

Obwohl ACA mittlerweile auf großen Bühnen steht und internationalen Hype erfährt, bleibt er geerdet – vielleicht, weil er seinen Weg nicht als geradlinig, sondern als facettenreich begreift. Vom ersten Recall bei DSDS über die Underground-Partys in Düsseldorf bis zu Residencies auf Ibiza – ACA hat nie aufgehört, sich weiterzuentwickeln. Und er macht klar: „Es ist erst der Anfang.“

Hier könnt ihr in ACAs aktuellen Track „Brutal” reinhören und diesen käuflich erwerben:

Die EP „Brutal” von ACA ist am 20. Juni 2025 via Eklisso erschienen.

Text: Lisa Bonn
Credit: Stuart Tracte
www.instagram.com/aca.dj.official
Aus dem FAZEmag 161/07.2025