Adam Carpels by David Tabary // Not Dead Project // la Cave aux Poètes // 04.02.21


Adam Carpels aus Frankreich lädt den Hörer auf eine Reise ein von Bass Music zu organischer Electronica, aber auch TripHop – eine spannende und bunte Produktionsvielfalt voller sich anziehender Gegensätze. Nachdem er für verschiedene Projekte in Nordfrankreich und Paris gearbeitet hat, startet der Künstler in 2020 im Jahr des pandemischen Chaos seine Solo-Karriere. Seine Live Shows sind darüber hinaus geprägt von eindrucksvollen in Echtzeit gesteuerten Visuals. Am 24. September spielt Adam Carpels im Rahmen seiner aktuellen Tour live in Hamburg beim Reeperbahn Festival im Moondoo, während seine neue Single „Dune Noire“ gerade in den Startlöchern steht.

Offizieller Pre-save link zur Single „Adam Carpels – Dune Noire“: www.wiseband.lnk.to/Adam-Carpels-Dune-Noire

Was waren die denkwürdigsten Momente in deiner bisherigen Karriere als Musiker?

Es gibt mehrere. Aber das jüngste war bei einem Konzert in Paris mit einem Projekt einer Sängerin, das wir dieses Jahr ins Leben gerufen haben und für das ich der Komponist bin, namens „Thérèse“. Wir spielten zum ersten Mal in einem Saal in Paris und trafen so zum ersten Mal auf das Publikum. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein volles Haus sah, das alle Lieder unseres Epos praktisch auswendig sang. Das hat mir wirklich Tränen in die Augen getrieben. Vor allem, weil es unser erstes Stehplatzkonzert seit über eineinhalb Jahren war.


Welches Equipment benutzt du besonders gerne im Studio und was benutzt du live?

Im Studio mache ich gerne das, was man „Field Recording“ nennt. Das heißt, ich gehe nach draußen, um Geräusche aufzunehmen und daraus Musik zu machen. Typischerweise wurde die Flöte in Dune Noire mit dieser Technik erstellt. Und ich mache das auch oft mit Gegenständen, die in meinem Haus herumliegen. Und was ich noch mehr mag, ist, diese Sounds mit großen analogen Synthesizern zu kombinieren, die eine Tiefe und Präzision haben, die das Gegenteil von dem ist, was ich aufnehmen kann. Das schafft eine Erleichterung, die ich mag. 

Ich verwende meine aufgenommenen Klänge und Synthesizer, die ich mit einem APC und an meinen Computer angeschlossenen Maschinen steuere, sowie meine Trompete, die ich über Effektpedale spiele, um dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit und Organik zu verleihen.


Du kombinierst verschiedene Musikstile, woher nimmst du die Inspiration und kreative Energie für deine Musik?

Ja, ich liebe es, wenn man Dinge mischt, die unmöglich zu mischen scheinen. Meine Eltern (die übrigens überhaupt keine Künstler sind) haben mich immer zu Ausstellungen, Konzerten, Shows usw. mitgenommen. Das hat mir den Zugang zu vielen Dingen eröffnet. Heute kann ich mich von einem Klang, der mir gefällt, ebenso inspirieren lassen wie von einem Gemälde, einem Menschen, einer Ausstellung… ein bisschen von allem, was gemacht wird und was ich schön finde. 

Was den Klang betrifft, so gehe ich oft nach draußen und höre Geräusche oder Klänge, die mich neugierig machen. Manchmal nehme ich ein Mikrofon und versuche, den Klang einzufangen (falls möglich), und manchmal bringt mich das auf die Idee, einen neuen Klang zu entwickeln. 

Für den Aufbau meiner Musik muss ich in der Lage sein, mir eine Geschichte zu erzählen. Meistens versuche ich, eine Geschichte zu erfinden, damit ich weiß, wohin ich den Ton führen werde, und nicht nach Augenmaß navigieren muss. So kann ich die oben erwähnten Einflüsse einbringen, ohne dass es zu unübersichtlich wird.

Du bist gerade auf Tour und wirst auch in Deutschland beim Reeperbahn Festival in Hamburg Halt machen. Wie fühlt es sich an, wieder auf Tour zu sein und vor Leuten zu spielen?

Offen gesagt, es ist unbeschreiblich. Ich fühle mich im Einklang mit dem, was ich tue. Es ist ein Jahr her, dass ich Schwierigkeiten hatte zu arbeiten, weil ich keinen Sinn darin sah, Musik zu machen und sie dann nicht live zu spielen. 

Es ist also wirklich eine Freude und gleichzeitig ein positiver Stress, weil ich mich ein bisschen eingerostet fühle. Wir müssen alle zu den Live-Shows zurückkehren, die wir manchmal ein Jahr lang gespielt haben. Es ist nicht immer einfach, aber es ist ein wirklich schöner Horizont den ich vor mir habe.

 

Du veröffentlichst deinen Track DUNE NOIRE exklusiv in Deutschland – was ist die Idee hinter dem Track und wie hast du mit der Produktion begonnen?

Es ist ein Stück, das ich in meinem Elternhaus während der zweiten „Gefangenschaft“ des Lockdowns in Frankreich fertiggestellt habe. Ich glaube, ich brauchte eine Pause von allem, um aus dem Alltag und der nicht enden wollenden Krise herauszukommen. Und wie ich bereits erwähnt habe, brauche ich, um auf einer Spur voranzukommen, etwas, das mir etwas sagt: Eine Geschichte, auch wenn es keine Worte gibt. Also projizierte ich mich gedanklich in die Wüste und stellte mir die Geschichte einer Schlange vor (dargestellt durch die Flöte im Track), die umherwandert, von einem Raubtier gejagt wird und sich mitten in einer Stadt wiederfindet, wo sie diesmal den Autos und Menschen ausweichen muss. So entstand der Klang zu „Dune Noire“. Oft sind es die Probleme der Welt und die Flucht, die mich zum Schreiben inspirieren.

Was hast du dir für die Zukunft vorgenommen – was erwartet uns in den nächsten Monaten noch?

Nun, ich habe schon viele Konzerte gegeben. Im Oktober spiele ich auf dem MaMa in Paris, einem großartigen Festival. Ich habe viele andere Termine mit diesem Projekt oder mit Thérèse. Und Ende des Jahres oder Anfang 2022 veröffentliche ich meine allererste EP, die Dune Noire und andere Tracks enthält, um euch ein wenig auf Reisen zu schicken.

 

„Dune Noire“ erscheint am 17.09. exklusiv in Deutschland.

Adam Carpels live | Reeperbahn Festival 2021, 24. September 22:40

 

Moondoo (Reeperbahn 136, 20359 Hamburg)
www.instagram.com/adamcarpels
www.facebook.com/acarpels

Fotos: David Tabary