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Das Music Production Center von Akai zählt ohne Frage zu den einflussreichsten Trommelmaschinen der elektronischen Musikgeschichte. Für nicht wenige Dance-Produzenten der ersten Stunde war das MPC sogar weit wichtiger als eine Roland TR. 1988 in Zusammenarbeit mit Roger Linn (u.a. LinnDrum) entwickelt, bestach der damals noch „MIDI Production Center“ genannte Sampler bereits durch die intuitive Eingabe über 16 anschlagdynamische Pads und sein einfaches, aber flexibel arrangierbares Pattern/Song-Prinzip. Der kernige Klang und unvergleichlich tighte Groove machten das MPC 60 und folgend MPC 3000 zu kultisch verehrten Zentralorganen in Dance- und Hip-Hop-Studios.


Fast 30 Jahre später ist das Pad-Prinzip aktueller denn je und hat mit der NI Maschine sogar einen scharfen Konkurrenten bekommen. Selbst DJ-Tools, ob nun Controller oder Mixer, werden allenthalben mit Pads bestückt. Akai ist mit rund zehn Instrumenten sowie zahlreichen Controller-Derivaten natürlich auch selbst am Ball geblieben. Der jüngste Ausläufer ist das MPC Touch, welches die butterweiche Pad-Eingabe mit einem berührungsempfindlichen Display vereint.

Das MPC Touch-Konzept
Um ein grundsätzliches Missverständnis gleich auszuräumen: Das MPC Touch ist kein Standalone- Hardware-Instrument im klassischen MPC-Sinne. Vielmehr ist er ein Hybrid aus MPC und MPD-Controller. Was bedeutet, dass er auf die mitgelieferte MPC Software und einen Mac oder PC angewiesen ist. Im Lieferumfang enthalten sind alle wichtigen Kabel (MIDI-Adapter, USB), ein „Clip-on“ Tischständer zum Anwinkeln des Geräts sowie ein Reinigungstuch. Die Software lädt man sich von der Akai-Homepage herunter und erhält einen Strauß an Software-Instrumenten und 20.000 Sounds unter anderem von AIR Music, SoniVox, Prime Loops oder Toolroom gleich dazu.

Ergonomischer Quer-Treiber
Im Design stellt das MPC Touch einen Sonderfall dar. Farblich gleicht das Tool mit seiner schwarzen Kunststoffoberfläche auf roter Metallplatte zwar anderen Akai-Controllern wie dem MPD218. Das langgestreckte Maß von 411 x 218 x 48 mm rückt sich jedoch von der klassisch quadratischen Bauweise ab, womit das MPC Touch eher einem Desktop-Synthesizer gleicht. Wir haben das Design jedenfalls als sehr ergonomisch empfunden, zumal es sich aus dem neuen Bedienkonzept fast zwangsläufig ergibt. Denn wo neben den obligatorischen 4 x 4 anschlagdynamischen Pads ein großes Touch-Display anstelle zahlloser Regler die Hauptrolle spielt, ist ein langgestreckter Quader die einzig logische Lösung. Als Bedienelemente vorhanden sind lediglich noch vier vierfach belegbare „Q-Link“-Endlosdrehregler plus vier „Q-Link“-Buttons für den Bankwechsel sowie 22 hintergrundbeleuchtete Funktionstasten. Für die Hauptnavigation wurde schließlich noch ein extrafetter Endlos-Encoder untergebracht.

Innen drin und hinten raus
Was den MPC Touch von lupenreinen Controllern unterscheidet, ist das eingebaute Audio-Interface. Klänge lassen sich somit über zwei rückseitige Ein- und Ausgänge sowohl zuleiten wie auch abführen. Ebenfalls vorhanden ist ein Kopfhöreranschluss, darüber hinaus natürlich ein USB-Port sowie jeweils eine MIDI-In- und Out-Buchse. Letztere wohl aus Platzgründen im ungewohnten Miniklinke-Format, jedoch werden passende Adapterkabel, wie eingangs schon erwähnt, mitgeliefert. Wer über die Line-Ins eigene Sounds aufnehmen möchte, kann diese über den Record-Volume-Regler einpegeln, auf einen dedizierten Mikrofoneingang hat Akai übrigens verzichtet.

Let’s touch
Kommen sofort nun zu dem, was das MPC Touch ausmacht: den Touchscreen. Sobald man die MPC Software sowie einige Treiber auf dem Mac oder PC installiert und den MPC Touch angeschlossen hat, kann es losgehen. Die Darstellung auf dem in der Diagonale fast 18 Zentimeter messenden Bildschirm unterscheidet sich dabei deutlich von dem, was man auf dem Rechnermonitor erblickt. Die MPC Software ist bislang noch optisch streng auf Modelle wie das MPC Studio oder die MPC Renaissance abgestimmt, was beim schnellen Blickwechsel zwischen Monitor und Touchscreen durchaus für Verwirrung sorgen kann. Vielleicht kommt Akai ja bald dahin, für die MPC Software zumindest einen speziellen MPC Touch-Skin anzubieten. Die Version 2.0 der MPC Software ist ja bereits angekündigt – warten wir also ab, wie die neue GUI mit dem MPC Touch harmoniert. Zur Ehrenrettung muss man jedoch sagen, dass die grafische Oberfläche der MPC Touch derart logisch aufgebaut und visuell überzeugend ist, dass man den Computerbildschirm sehr schnell vergisst. Und so war es schließlich auch gedacht. Geblieben ist das uralte MPC-Prinzip, wonach man seine Songs auf Basis von „Projects“, „Programs“, „Scenes“ und „Tracks“ zusammenschraubt. Im Grunde ist das nichts anderes als eine flexiblere Variante des Pattern/Song-Prinzips. Dafür bietet das MPC Touch fünf Hauptfenster an:

  1. Den Main View

Aktiviert durch den Main-Button, lassen sich in der Hauptansicht Tracks bzw. komplette Sequenzen zusammenstellen und bearbeiten, Bars und Loops einrichten, BPM- und Velocity-Veränderungen sowie Transponierungen vornehmen. Ähnlich, wie man es aus einer DAW kennt. Auch die MIDI-Kanäle können hier eingerichtet und Plug-Ins eingebunden werden.

  1. Der Grid View

Vom Main-View gelangt man logisch und schnell in alle anderen Fenster. So zum Beispiel die Grid-Ansicht. Als einfache Piano-Roll dargestellt, lassen sich hier in allen erdenklichen Taktmustern Noten hinzufügen, löschen, verschieben, transponieren usw. Möchte man bestimmte Bereiche genauer unter die Lupe nehmen, zoomt man sie wie bei einem Smartphone einfach mit bekannter Zweifingeröffnung gezielt heran. Ohne Maus, ohne Tasten – bereits an dieser Stelle bringt das Touch Konzept einen echten Lustgewinn.

  1. Der Track View

Für MPC-Neulinge immer wieder verwirrend: Der Begriff „Tracks“ bezeichnet das, was sonst als Spur bekannt ist. Zusammengefasst bilden sie eine Sequence. Die Tracks werden übersichtlich geschichtet und lassen sich in ihrer Länge, Anschlaggeschwindigkeit und Tonhöhe anpassen. Maximal 128 Tracks kann eine Sequence umfassen, wobei die Tracks einzeln stumm geschaltet und nicht genutzte sogar komplett ausgeblendet werden können.

  1. Der Step Sequencer

Auch einen Step Sequencer bringt der MPC Neuling mit. Auch hier kann das Touch-Prinzip seine Vorteile gut ausspielen. Denn die Steps werden einfach mit dem Finger gesetzt und in der Velocity-Stärke hochgezogen. Besonders für die mitgelieferten Synthesizer macht der umfangreich ausgestattet Stepper Sinn. Ihn für Drums einzusetzen, halten echte MPCler in Anbetracht der Pads für einen Frevel.

  1. Der XYFX-View

Zum Schluss noch ein echter Leckerbissen. Denn das XY-Effektfenster ermöglicht eine Effektgestaltung wie beim Korg Kaoss Pad. Die weitreichend editierbaren Filter, Delays, Flanger und Phaser lassen sich frei formen, mischen und in der Lautstärke akzentuieren. Ein Heidenspaß, mit dem man Stunden zubringen und seine Sequenzen zu permanenter Lebendigkeit verhelfen kann.

Fehlen nun noch übergeordnete Funktionen beispielsweise für Sample-Aufnahmen und Bearbeitungen, Pad-Einstellungen, Kanalmischungen usw. Diese erreicht man über den Menü-Button.

Die gute Mischung
Mit dem MPC Touch ist Akai die Symbiose aus Pad-orientierter Groove-Gestaltung und Software-basierter Touchscreen-Bedienung absolut überzeugend geglückt. Die Produktion neuer Tracks geht fast noch schneller von der Hand, als bei den reinen Hardware-Brüdern. Vor allem wenn es an Feinarbeiten wie die Sample-Bearbeitung, Track- und Sequenz-Zusammenstellung oder Effektbearbeitung geht. Diese lassen sich im Fingerstreich wesentlich komfortabler und intuitiver ausführen als mit Reglern und Buttons oder Maus und Tastatur. Könnte man sich nun noch komplett von der Computerbasis lösen, wäre er perfekt. Aber auch so ist der Akai-Neuling jeden der geforderten 699 EUR wert.

www.akaipro.de

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