Roosevelt – Polydans (City Slang)

Schon vor dem ersten Lockdown war das dritte Studioalbum des deutschen Sängers, Songwriters, Produzenten und DJs Roosevelt fertig. Jedoch, als hätte Marius Lauber es geahnt, stellt sein neuer Longplayer eine Liebeserklärung an die Clubkultur dar. Wie treffend! Unglaublich divers und sinnlich sind die Nummern seines LP-Releases „Polydans“, das auf dem City-Slang-Label erscheint. Minimal distanziert sich Roosevelt von seiner üblichen Soundcouleur und geht zurück zu seinen Wurzeln – dem Cluborientierten Sound. Emotionaler Electro-Pop, der dieses Mal Mut für treibende Basslines und knackige Synthesizer beweist. Neben der Botschaft durch seine neuen Tunes, dass Clubs keine hedonistischen Vergnügungstempel sind, sondern Kulturstätten, ist...

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Hidden Empire – Lost Spirits (Stil vor Talent)

Das Kölner Duo liefert nach „Mind Palace“ (2018) seinen zweiten Longplayer. „Lost Spirits“ ist ein Produkt des letzten Jahres und die Essenz ihrer Suche, mit der sie rausfinden wollten, was die Menschen zurzeit bewegt. 16 Tracks spiegeln das wider, musikalisch breit gefächert zwischen Techno und Downbeat – und mit ausgewählten Gästen. Während die ersten drei Tracks – darunter „Hiding“ mit den Vocals von Artche – noch ordentlich Druck aufbauen, wird es mit „Dark Matter“ etwas smoother, elektroider, der „Organic Train“ breitet sich zum Horizont aus und „Mr. P“ marschiert deep und düster durch Tech-Synths. Melancholisch und melodiös wird es...

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Christian Löffler – Parallels: Shellac Reworks (Deutsche Grammophon)

Wieder einmal verwöhnt uns der Komponist und Konzeptkünstler Christian Löffler mit unfassbar sinnlich-verträumten, elektronischen Neoklassik-Produktionen. Für sein neues Album wurde Löffler vom legendären Klassiklabel „Deutsche Grammophon“ angefragt, Reworks aus historischen Aufnahmen der großen Meister der Klassik zu kreieren. Fantastische Soundkunstwerke sind entstanden, in denen er mehr als respektvoll das historische Material verarbeitet und eine ganz neue Soundwelt erschafft. So zusagen vereint jede dieser kunstvollen Neubearbeitungen einen Doppelcharakter in sich von einem Werk der Vergangenheit, sowie einem zeitgenössischen Stück von ihm selbst. Schwebende Synthesizer glitzern mit sanften Beats um die Wette und ver- schmelzen gleichzeitig mit Cluster-ähnlichen historischen Melodien. In...

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Grandbrothers – All The Unknown (City Slang)

Das Jahr könnte nicht besser beginnen als mit einem neuen Album-Release der Grandbrother-Jungs. Ein Flügel wird zum Cembalo, wird zur Drum-Machine und wieder zum klassischen Instrument umfunktioniert. Ergebnis: ein spannungsvoller Sound, der Minimal, Neoklassik, Techno und Ambient vereint. Rasant haben sich der studierte Jazzpianist Erol Sarp und Synthesizerman Lukas Vogel als Duo einen Namen in der Szene der Neoklassik, als auch der elektronischen erarbeitet. Die Grandbrothers haben ein Talent episch-monumentale Sound-Panoramen zu kreieren, die staunen lassen und den Horizont noch einmal um ein Vielfaches erweitern. Ihre Soundsprache lebt von elegischen Piano-Arpeggien, flächendeckenden Synthesizerklängen und energetischen Perkussion-Konstrukten. Klingt austauschbar, aber durch ihre immer fortwährende Suche nach episch-sinnlichen Sound-Design gleicht sie einem Unikat. Analoger, filmmusiknaher Sound trifft auf wellenförmige Klangenergien, die durch clusterartige Piano- und Synthesizerschichtungen entstehen. Wirklich jede Nummer von „All The Unknown” ist für sich ein energievoller Soundtrip, der Raum für Romantik und Nostalgie bietet. Grandbrothers gelingt mit ihrem dritten Studioalbum ein Meisterwerk, welches Grenzen zwischen elektronischer Musik und Neoklassik sprengt. 10/10 Hanna  ...

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Tour-Maubourg – Paradis Artificiels (Pont Neuf Records)

Der gebürtige Belgier und Wahlpariser Pierre d‘Estienne d‘Orves alias Tour-Maubourg hat vor gut drei Jahren mit seiner Debüt-EP großes Aufsehen erregt, und gilt mit seinen diversen, bisher veröffentlichten EPs mittlerweile als einer der Durchstarter der French-House-Szene. Nun folgt also das Debütalbum „Paradis Artificiels“ auf seinem Stammlabel Pont Neuf, das uns seine kreatives Schaffen im House-Kosmos und darüber hinaus präsentiert. Los geht es mit „La Révolte du Coeur“ – extrem lässige Downbeats mit Cinemo-Noir-Atmosphäre – bevor wir den House-Flur beteten. Und hier zeigt sich die ansprechende Bandbreite des Albums im vollen Effekt. House wird gepriesen und geliefert, zwischen Tech, mit...

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Martin Kohlstedt – Flur (Warner Classics)

Martin hält inne, im Raum, in der Zeit. Im Vordergrund stehen auf diesem Album mal keine Chöre oder Electronica, sondern ein Klavier. Das spielt er zwar auf dem Dachboden ein, umgarnt es jedoch mit sanftem Vogelgezwitscher („Zin“), lässt es mit einem Rascheln leicht grooven („Nox“), fast scheint ein Bass präsent zu sein („Rul“, “Via“) und gibt dem Regen eine Chance sich mit der Musik zu vereinigen („Jul“). Seine einfühlsame Herangehensweise an Musik, bedächtig, konzentriert und minimal zeugt von Mut, Gespür für den Moment, aber auch Kreativität im verdichteten Kern. Besonders! // Cars10.Becker...

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HGich.T – Los Angeles (Tapete Records)

Da ist es wieder, unser durchgeknalltes Existenzialist*innen-Kollektiv aus der norddeutschen Tiefebene. Ja, genau, der Witz fliegt auch hier wieder tief, das ist der Weg. Dadaistische Textfetzen zwischen Gaga und Synapsenverlust. Und was ist so ein Album wert, ohne die Truppe dabei live sehen zu können? Eine ganz Menge. Schnallt euch an, Kopfhörer auf und Abfahrt. Elektronische Beats zwischen Plastik, Gabber, Techno-Hybriden und Bassbrocken schmerzen mindestens ebenso viel wie der Gesang der Combo, die auch hier wieder unsterbliche Tracks wie „Techno Andrzej“, „Prollo Polo“, „Dr. Geilser Hardstyler“ oder „Wo wohnt bescheuert“ fabriziert. „Bescheuert, der Helm wird angefeuert.“ Reime bis in...

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Steve Bug – Never Ending Winding Roads (Poker Flat)

Zwei Jahre nach dem Album „Paradise Sold“ zusammen mit Langenberg und acht Jahre nach seinem letzten Soloalbum „Noir“ beschert uns Poker-Flat-Boss Steve Bug nun einen neuen Longplayer. „Never Ending Winding Roads“ ist komplett in der Isolation der Corona-Pandemie entstanden – und damit natürlich auch unter ganz anderen Voraussetzungen als ein Prä-Corona-Album. Soll heißen: keine Gigs und daher keine „Dancefloor-Druck“ auf den Tracks. Steve Bug hat diese Freiheit sichtlich genossen und präsentiert elf Tracks, die sich abwechslungsreich und detailbeleibt zeigen, die sich natürlich auch um den Dancefloor drehen, aber eben auch viele Umwege und Kurven nehmen. Breaks und Electro werden...

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Egopusher – Beyond (Quiet Love)

Sie kreieren jedes Mal einen besonderen Klangcharakter, der mit einem „Soundtrack-Meets-Club“ beschrieben werden kann. Melancholisch klingende Synthesizerspuren fließen über verträumte Slow-Beats. Das Schweizer Producer-Duo „Egopusher“ releast sein neues Album „Beyond“ auf dem Quiet-Love-Label. In warmen, gesättigten Klangfarben haben sie die neuen Nummern gemalt, um eine Retro-Science-Fiction-Soundästhetik zu erzeugen. Der deepe Sound setzt sich aus mystischen Clusterschichtungen und aufbauenden Klangenergien zusammen. Die Strukturen ihrer Produktionen sind voller unerwarteter Wendungen, wodurch der Longplayer eine ganz besondere Dramaturgie bekommt. Egopusher entwerfen Bilder futuristischer Sound-Architektur, welche zu einer psychedelisch-visuellen Reise einladen. Erneut arbeiteten Alessandro Giannelli und Tobias Preisig mit dem Produzenten David Hoffmann...

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Drumcomplex – The Story Of Now (Complexed Records)

Vier Jahre nach seinem Album „Perfection Is In Imperfection“ liefert Drumcomplex nun seine neues Werk ab. Entstanden ist es in den ersten drei Monaten der Pandemie, als Arndt Reichow – wie auch viele andere – noch voller Hoffnung war, das Album in diesem Jahr auch noch auf den Dancefloors rund um den Globus zu präsentieren. Das wird nix, zumindest das wissen wir und Drumcomplex hat es nun dennoch herausgebracht – sein Statement, seine „Story Of Now“. Und dieses Album wartet nur geradezu darauf, „getanzt“ zu werden, die Tracks präsentieren sich elan- und schwungvoll, feiern hier Techno in vielen Variationen. Der Album-Opener...

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Kruder & Dorfmeister – 1995 (G-Stone)

  Es ist eine nahezu unglaubliche Geschichte, aber es ist auch eine Geschichte, die sich hervorragend macht im Kosmos von Kruder & Dorfmeister, jenem legendären Wiener Duo, das in einer Dekade vor unserer Zeit die Beats eingefroren hat und in Zeitlupe wieder in den Äther geschickt hat – gut verrührt mit Dub, Breaks, Electronica etwas NuJazz und einer großen Portion Wieder Schmäh. Wir schreiben das Jahr 1995, Peter Kruder und Richard Dorfmeister haben schon ihre legendäre EP „High Noon“ veröffentlicht, aber es ist die Zeit vor der „DJ-Kicks“ und den „K&D Sessions“. Siehe da, ein Album – was später immer...

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WhoMadeWho – Synchronicity (Kompakt)

  Anfang letzten Jahres rückte das Kopenhagener Trios „WhoMadeWho“ wieder in den Blickpunkt, Durch die Remixe von ARTBAT oder Rampa wurden einige Nummern der Band zu gefeierten Clubbomben. Aber auch schon davor erzielten ihre Alben, Collabs oder EPs große Erfolge. Im Laufe der letzten Jahre haben sie sich nochmal eine besondere Soundhandschrift mit großem Wiedererkennungswert angeeignet, die sich vor allem durch den weichen, leicht hohen und eindringlichen Gesang Thomas Høffdings, die mitreißenden Melodien und eingängig-analogen Beatstrukturen zusammensetzt. Nun zelebriert das Trio auf Kompakt sein neues Album-Release, dass mit vielen glanzvollen Kollaborationen großer Namen bestückt ist: Mano Le Tough, Adana...

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