Modeselektor – Extended (Monkeytown Records)

Rumms, ein Mixtape. Die beiden Modeselektoren Gernot Bronsert und Sebastian Szary sind mal ordentlich in sich (und ins Studio) gegangen und haben bisher unveröffentlichtes und neues Zeug zusammengetragen, um sich vor ihrer musikalischen Sozialisation und Entwicklung zu verneigen. Bis ins Jahr 2007 reicht „Extended“ zurück – 27 Tracks in 66 Minuten. Ein Wahnsinns-Trip, der da nach einem eher ruhigen Start förmlich explodiert. Bassgetrieben jagen sie hier spielerisch Genre-Brocken durch die Gegend, pumpen Rave-Riddims, Electro-Beats, Dub-Sequenzen, Boom-Rap und mäandernden Dubstep in die Blutbahn. Der Druck ist hoch, aber gesund, der Spaß-Faktor wird in die Höhe katapultiert. 10/10 Dieter Horny  ...

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Clark – Playground In A Lake (Deutsche Grammophon)

So surreal wie der Titel sich zu einem vagen Ort der Imagination buchstabiert, so klingt das gesamte neue, insgesamt neunte, Studioalbum des vielseitigen britischen Musikers und Komponisten Clark. Auf insgesamt 16 Tracks fesseln die Kompositionen von Chris Clark den Zuhörer. In ihrem Zusammenspiel ungewöhnliche, aber doch kohäsiv verknüpfte Elemente werden zu einem eindringlichen, dichten und akribisch konzipierten Ganzen. Clark hat das erste Mal überhaupt Streicherarrangements aufgenommen, sie zwischen kontrastierende Elemente und dunkle Folk-Facetten gebettet, fast schon bedrohlich umkreist von schweren nostalgischen Synthie-Elementen, versetzt mit Reminiszenzen der modernen Klassik und des Sounddesigns – und man findet sich in einem fiebrigen...

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HVOB – Live In London (Tragen)

Sie sind Profis im Live-Performen und erschaffen jedes Mal ihre ganz eigene authentische Soundreise. Wir lieben ihn, diesen uns vertrauten, sinnlichen, gleichzeitig kraftvollen Gesang mit dem leicht überhauchten Timbre, der sich jedes Mal sofort unter die Haut katapultiert. Es ist Anna Müllers Gesang, der in der Kombination mit den aufbrausenden, mal melancholischen Synthies ihres Duo-Partners Paul Wallner eine perfekte Soundsymbiose bildet. HVOBs Soundcharakter ist einerseits düster-romantisch, auch nostalgisch, aber ebenso verspielt und emotional. Pianopattern und – arpeggien dominieren oft ihre Produktionen. In ihrem vierten Studioalbum „Rocco“, welches sie 2019 herausbrachten, zeigen sie erneut, welche qualitative musikalische Entwicklung sie hinter...

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John Tejada – Year Of The Living Dead (Kompakt Records)

Kurz vor dem ersten Lockdown startete John Tejada die Arbeit an seinem neuen Album, dem mittlerweile fünften auf Kompakt Records. Und natürlich verrät es der Titel, was den in L.A. lebenden Künstler bei dieser Arbeit geprägt hat – die Pandemie und daraus folgend „nicht in der Lage zu sein, unsere Liebsten zu sehen oder zu berühren … wir sind isoliert und allein.“ Aber der Klangvirtuose hielt fest, den kurz vor dem Lockdown eingeschlagenen Kurs fortzusetzen: Tools zu benutzen, die ihm nicht vertraut waren. So entstand ein interessanter Erkundungsprozess, der sich genretechnisch nicht festlegen ließ. Ambient-Breaks („The Haunting Of Earth“)...

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Schiller – Summer In Berlin (Sony)

Monumental und episch! Eindrucksvoll meldest sich Schiller nach „Morgenstund“ (2019) und seinem akustischen Ausflug „Colors“ (2020), den er unter seinem bürgerlichen Namen Christopher von Dellen veröffentlichte, zurück. Das neue Werk ist nicht nur ein neues Album mit 14 Tracks, sondern eine Werkschau mit Livealbum und in der Deluxe-Version noch mit Konzert lm, dem Film „Schillers Berlin“ und einem umfangreichen Booklet. Mit „Summer In Berlin“ kehrt Schiller in die Stadt zurück, die er sechs Jahre zuvor verlassen hat und präsentiert uns hier einen opulenten Soundtrack der Metropole. Er entführt uns am Anfang mit dem fast 20-minütigen „Der Klang Der Stadt“...

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Roosevelt – Polydans (City Slang)

Schon vor dem ersten Lockdown war das dritte Studioalbum des deutschen Sängers, Songwriters, Produzenten und DJs Roosevelt fertig. Jedoch, als hätte Marius Lauber es geahnt, stellt sein neuer Longplayer eine Liebeserklärung an die Clubkultur dar. Wie treffend! Unglaublich divers und sinnlich sind die Nummern seines LP-Releases „Polydans“, das auf dem City-Slang-Label erscheint. Minimal distanziert sich Roosevelt von seiner üblichen Soundcouleur und geht zurück zu seinen Wurzeln – dem Cluborientierten Sound. Emotionaler Electro-Pop, der dieses Mal Mut für treibende Basslines und knackige Synthesizer beweist. Neben der Botschaft durch seine neuen Tunes, dass Clubs keine hedonistischen Vergnügungstempel sind, sondern Kulturstätten, ist...

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Hidden Empire – Lost Spirits (Stil vor Talent)

Das Kölner Duo liefert nach „Mind Palace“ (2018) seinen zweiten Longplayer. „Lost Spirits“ ist ein Produkt des letzten Jahres und die Essenz ihrer Suche, mit der sie rausfinden wollten, was die Menschen zurzeit bewegt. 16 Tracks spiegeln das wider, musikalisch breit gefächert zwischen Techno und Downbeat – und mit ausgewählten Gästen. Während die ersten drei Tracks – darunter „Hiding“ mit den Vocals von Artche – noch ordentlich Druck aufbauen, wird es mit „Dark Matter“ etwas smoother, elektroider, der „Organic Train“ breitet sich zum Horizont aus und „Mr. P“ marschiert deep und düster durch Tech-Synths. Melancholisch und melodiös wird es...

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Christian Löffler – Parallels: Shellac Reworks (Deutsche Grammophon)

Wieder einmal verwöhnt uns der Komponist und Konzeptkünstler Christian Löffler mit unfassbar sinnlich-verträumten, elektronischen Neoklassik-Produktionen. Für sein neues Album wurde Löffler vom legendären Klassiklabel „Deutsche Grammophon“ angefragt, Reworks aus historischen Aufnahmen der großen Meister der Klassik zu kreieren. Fantastische Soundkunstwerke sind entstanden, in denen er mehr als respektvoll das historische Material verarbeitet und eine ganz neue Soundwelt erschafft. So zusagen vereint jede dieser kunstvollen Neubearbeitungen einen Doppelcharakter in sich von einem Werk der Vergangenheit, sowie einem zeitgenössischen Stück von ihm selbst. Schwebende Synthesizer glitzern mit sanften Beats um die Wette und ver- schmelzen gleichzeitig mit Cluster-ähnlichen historischen Melodien. In...

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Grandbrothers – All The Unknown (City Slang)

Das Jahr könnte nicht besser beginnen als mit einem neuen Album-Release der Grandbrother-Jungs. Ein Flügel wird zum Cembalo, wird zur Drum-Machine und wieder zum klassischen Instrument umfunktioniert. Ergebnis: ein spannungsvoller Sound, der Minimal, Neoklassik, Techno und Ambient vereint. Rasant haben sich der studierte Jazzpianist Erol Sarp und Synthesizerman Lukas Vogel als Duo einen Namen in der Szene der Neoklassik, als auch der elektronischen erarbeitet. Die Grandbrothers haben ein Talent episch-monumentale Sound-Panoramen zu kreieren, die staunen lassen und den Horizont noch einmal um ein Vielfaches erweitern. Ihre Soundsprache lebt von elegischen Piano-Arpeggien, flächendeckenden Synthesizerklängen und energetischen Perkussion-Konstrukten. Klingt austauschbar, aber durch ihre immer fortwährende Suche nach episch-sinnlichen Sound-Design gleicht sie einem Unikat. Analoger, filmmusiknaher Sound trifft auf wellenförmige Klangenergien, die durch clusterartige Piano- und Synthesizerschichtungen entstehen. Wirklich jede Nummer von „All The Unknown” ist für sich ein energievoller Soundtrip, der Raum für Romantik und Nostalgie bietet. Grandbrothers gelingt mit ihrem dritten Studioalbum ein Meisterwerk, welches Grenzen zwischen elektronischer Musik und Neoklassik sprengt. 10/10 Hanna  ...

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Tour-Maubourg – Paradis Artificiels (Pont Neuf Records)

Der gebürtige Belgier und Wahlpariser Pierre d‘Estienne d‘Orves alias Tour-Maubourg hat vor gut drei Jahren mit seiner Debüt-EP großes Aufsehen erregt, und gilt mit seinen diversen, bisher veröffentlichten EPs mittlerweile als einer der Durchstarter der French-House-Szene. Nun folgt also das Debütalbum „Paradis Artificiels“ auf seinem Stammlabel Pont Neuf, das uns seine kreatives Schaffen im House-Kosmos und darüber hinaus präsentiert. Los geht es mit „La Révolte du Coeur“ – extrem lässige Downbeats mit Cinemo-Noir-Atmosphäre – bevor wir den House-Flur beteten. Und hier zeigt sich die ansprechende Bandbreite des Albums im vollen Effekt. House wird gepriesen und geliefert, zwischen Tech, mit...

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Martin Kohlstedt – Flur (Warner Classics)

Martin hält inne, im Raum, in der Zeit. Im Vordergrund stehen auf diesem Album mal keine Chöre oder Electronica, sondern ein Klavier. Das spielt er zwar auf dem Dachboden ein, umgarnt es jedoch mit sanftem Vogelgezwitscher („Zin“), lässt es mit einem Rascheln leicht grooven („Nox“), fast scheint ein Bass präsent zu sein („Rul“, “Via“) und gibt dem Regen eine Chance sich mit der Musik zu vereinigen („Jul“). Seine einfühlsame Herangehensweise an Musik, bedächtig, konzentriert und minimal zeugt von Mut, Gespür für den Moment, aber auch Kreativität im verdichteten Kern. Besonders! // Cars10.Becker...

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HGich.T – Los Angeles (Tapete Records)

Da ist es wieder, unser durchgeknalltes Existenzialist*innen-Kollektiv aus der norddeutschen Tiefebene. Ja, genau, der Witz fliegt auch hier wieder tief, das ist der Weg. Dadaistische Textfetzen zwischen Gaga und Synapsenverlust. Und was ist so ein Album wert, ohne die Truppe dabei live sehen zu können? Eine ganz Menge. Schnallt euch an, Kopfhörer auf und Abfahrt. Elektronische Beats zwischen Plastik, Gabber, Techno-Hybriden und Bassbrocken schmerzen mindestens ebenso viel wie der Gesang der Combo, die auch hier wieder unsterbliche Tracks wie „Techno Andrzej“, „Prollo Polo“, „Dr. Geilser Hardstyler“ oder „Wo wohnt bescheuert“ fabriziert. „Bescheuert, der Helm wird angefeuert.“ Reime bis in...

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