Nobodys Face – Chemical Animals

Nobodys Face verpackt sein jüngstes Release in eine Sound-Wundertüte. Genregebundene Musikstrukturen versucht er aufzubrechen und, es gelingt mit seinem neuen Album „Chemical Animal“. Es stellt eine Melange aus vergroovten Rap, hypnotischen Synthesizer-Zucken und fetzigen Brasil Funk dar. Facettenreiche Produktionen kommen von bekannten Gästen wie Materia über Majan, Enda Gallery, Sway Clarke und 7Apes bis Chefket, die sich alle von einer ganz neuen Soundseite präsentieren. Trippy Klang-Vibes, statt TripHop und teilweise ein Touch von Cloud-Rap mischt Nobodys Face, alias Henrik Miko, mit in die Nummern hinein. Es ist ein äußerst kontrastreiches Album, welches sowohl eine hohe bpm-Zahl als auch verträumte...

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Flying Lotus – Flamagra (Warp)

Nachdem der erste Part von „Flamagra“ vor geraumer Zeit bereits mit einer kaum zu überbietenden Gästeklientel aufwarten (u.a. George Clinton, Thundercat, Solange, Anderson Paak oder Little Dragon) und höchste Meriten einstreichen konnte, highlightet Stephen Ellison auf den Instrumentals u.a. mit Herbie Hancock, Robert Glas- per und Justin Brown anstelle der Sänger nun die Instrumentalisten. Brillant, gekonnt verschmelzen elektronische Instrumente mit jazzigen Kompositionen, in denen immer eine soulige Note mitschwingt („Heroes In A Half Shell“) oder ein funky Flow entsteht („Burning Down The House“, „Pilgrim Side Eye“). Spannend klingt immer wieder seine experimentelle Seite („Yellow Belly“), die mit unterschiedlichen Instrumenten spielt...

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Mollono.Bass – Woods, Tales & Friends (3000Grad)

Wenn ich mir Molles aka Mollono.Bass‘ neues Album anhöre, dann stelle ich mir vor, wie ich auf einer Wiese liege. Die Sonne kitzelt mein Gesicht, um mich herum sind diese Tänzer, die ihre bunten, seidigen Tücher elegant im sanften Wind schwingen. Ich befinde mich in einem Trancezustand, die perkussiven Rhythmen, die ich an meinem Rücken spüre, pulsieren mich in eine friedlichere Welt. Gedanklich folge ich den verschlungenen Melodien, die mich in einen wunderschönen Wald entführen. Ich denke an eine Geschichte aus dem letzten Sommer, die in Vergessenheit geraten ist. Eine Geschichte, die mein Herz aufflattern lässt. Meinen Puls höherschlagen lässt....

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Marco Faraone – No Filter (Rekids)

Zweites Album des Italieners auf dem Label von Matt Edward. Und das orientiert sich an puren, ungefilterten Sounds, beseelt von Erinnerungen aus der Kindheit. Das Spektrum reicht von lofi-esker Rhythmik, sehr entspannt („Force Deep“) über stripped back Dub-Techno Tracks („Night Ride“, „No Filter“) bis hin zu Drumprogramming (der schwächere Part dieses Albums mit „Time Equal Eternity“) und zum Schluss Power Tracks mit Acidanteilen („Trust Me“) oder der überzeugende After Dark Track „No Drama“. Bis auf die Delle im Mittelteil eine gute und ausgewogene Technoplatte. 7/10...

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Exos – Indigo (Figure)

Mit „Indigo“ von Exos erscheint auf Len Fakis Imprint Figure das etwas andere Album im Genre “Elektronische Musik”. Wer hier stumpfes 4-to-the-Floor-Gebretter erwartet, der ist allerdings derbe schief gewickelt. Das Subgenre Chill-out wurde von keinen geringeren als The KLF mit ihrem Meisterwerk “Chill Out” seinerzeit neu definiert und wird hier vom sympathischen Klangvirtuosen aus Island rezitiert, ohne dabei das Label Basic Channel, das Label Studio, die Künstler Moritz von Oswald, den aktuellen Recondite, sowie Tale of Us konzeptionell außer Acht zu lassen. Ich höre wegen ersterem folglich noch einige Pad-Unique-Zitate heraus, vorwiegend in den Tracks mit 4/4-Beat namens “Saelureitur”,...

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Applescal – Diamond Skies (Atomnation)

Das sechste Studioalbum von Applescal, alias Pascal Terstappen, ist umfangreich in seiner Sounddimension, farbenfroh und energetisch. Die vielschichtigen Melodien schieben sich durch Ambientklang-Landschaften. Fast schon eine tonale, träumerische Parallelwelt kreiert der niederländische Produzent mit seinem jüngsten LP-Release “Diamond Skies”, in das man zu gerne flüchten mag. Weg von der zu lauten, zu aggressiven Realität. Lieber sich von schrägen Breakbeats und Pads ins Staunen versetzen lassen, die aus diesem Zeitlupen-Ambient herauszufallen scheinen. Aber irgendwie definieren sie auch die Rätselhaftigkeit des Applescal-Soundcharakters. Vernebelte Synths schaffen einen Klangraum, der Platz für die emotionalen Zwischentöne lässt. Auch dieses Release von Applescal steht wieder...

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Robot Koch – The Next Billion Years (Modern Recordings)

Es ist das große Ganze, was Robot Koch zu seinem neuen Album bewegt hat und er daher für „The Next Billion Years“ mit einem Orchester und dem estnischen Dirigenten Kristjan Järvi zusammenarbeitete. Am Anfang stand eine Second-Hand-Kassette mit einem Vortrag des verstorbenen Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau aus dem Jahre 1973, der schon erstaunlich aktuelle Themen wie Klimawandel, Ausbeutung der Natur, Überbevölkerung ansprach. Eine Inspiration, die Robot Koch musikalisch um- setzt und in die ferne Zukunft führt. Streicher-getragene Soundtrack-Landschaften, fragil und melancholisch. Mal schwebend durch die Tiefedes Raumes, dann wieder getragen von üppigen Slow-Beats, garniert mit Pathos. Ein angenehm-trippige Angelegenheit. 9/10...

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Yotam Avni – Was Here (Kompakt)

Lyrische Sensibilität verfließt mit verkopft-technoiden Beats. Auffordernd laden Vocals im Intro zum “Relaxen und Genießen” ein, bevor man weiter in die mystische Nummer “Beyond The Dance” hinein gleitet. Schlagartig verzaubert schaurig-schöner Orient-Gesang, der nach nur wenigen Takten mit selbstbewusst-knackigen Beats untermauert wird. Sofort spürt man diese ganz besondere Soundatmosphäre des neuen Albums Yotam Avnis “Was Here”. Weghören will man hier definitiv nicht. Der israelische Produzent schlägt eine Klangreise von beatgetränkter Introspektion und einzigartigen Soundstrukturen vor, die mit innovativen Perkussionselementen ausgeschmückt wird. Yotam besitzt ein besonderes Gespür skulpturale und organische Klänge zu erschaffen. Da fliegen einfach mal so easy peasy...

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Kellerkind – Mindtrip (Stil vor Talent)

Im passenden, pumpenden, aber stark melodisch fokussierten Soundstil zwischen warmem Technoklang und treibendem House findet ein neuer Longplayer auf dem Berliner Label Stil vor Talent Einzug. Das neue gefühlvoll-innovative Melodic-House-Release kommt direkt aus der Schweiz und von Marco Biagini, alias Kellerkind. Kraftvolle Tunes, organisch und hypnotisch in der Soundsprache. Vor allem durch seine energetischen, teils organischen Beatstrukturen ist das jüngste Album des Schweizers tanzorientiert, wie eben alle Stil-vor-Talent-Produktionen. Schwerelos liegt dem neuen Album immer ein treibender Bass-Flow zugrunde, in den Kellerkind epische Jungle-ähnliche Noises miteinbindet und andere undefinierbare Geräuschsamples. „Mindtrip“, pastellfarben im Klangcouleur, arbeitet mit rasselnden Percussionsamples, wenig bis...

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Rodriguez Jr. – Blisss (Mobilee)

Der französische Producer Rodriguez Jr. veröffentlicht mit „Blisss“ sein drittes Album, das wie seine beiden Vorgänger „Bittersweet“ (2011) und „Baobab“ (2017) auf Mobilee erscheint. Olivier Mateu, wie er bürgerlich heißt, formiert hier wunderschöne Tracks zwischen House und Techno die vor allem eins gemeinsam haben: sie sind wunderbar melodiös. Das wird schon nach wenigen Takten des Werkes eindrucksvoll klar. „Haussmann“ mit seinen gebrochenen Beats schmachtet sich gen Horizont und auch der Folgetrack „What is Real“ mit den Vocals von Liste Alea präsentiert eben diese Stärke des Albums. Ein Werk, dass nicht nur im Dancefloor-Kontext funktioniert, sondern auch der perfekte Begleiter...

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Rone – Room With A View (InFiné Music)

Der französische Produzent und Live-Act Rone veröffentlicht mit „Room With A View“ sein fünftes Album. Konzipiert wurde das Werk für ein Ballettstück, das in diesem Jahr bereits in Paris aufgeführt wurde, inspiriert durch den Klimawandel und seine Folgen. Dabei markiert „Room With A View“ aber auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln und seinem Set-up früherer Tage – komplett elektronisch und ohne Partner. Musikalisch verfeinert Erwin Castex, so sein bürgerlicher Name, seinen eigenen Trademark-Sound und bietet atmosphärische Sounds, die zwischen Dance oor und Electronica liegen. Voice- und Field-Recordings sind hier zu finden, ebenso wie Dub-Elemente und seine typischen melodischen Beats....

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Ben Lukas Boysen – Mirage (Erased Tapes)

Das neue Album des Berliner Formwandlers startet mit seinen elektronischen Synthiewellen, wie seinerzeit 1990 Sven Väths Eye Q Records – sehr trancig – fast schon klerikal, die Beats down, etwas schwermütig und dennoch positiv, durchaus progressiv („Empyrean“), kein House, mehr kaleidoskopische Klangräume, die Raum für Ideen, Emotionen, Kontemplation bereitstellen („Kenotaph), scharfkantig, ungewohnt, alien-esk und bedrohlich („Medela“), die Zu- kunft bejahend und froh gestimmt („Venia“), orchestral, wuchtig, voluminös („Clarion“) und fein ziseliert, suchend, empathisch, majestätisch („Love“), ganzheitlich unterstützt von Lisa Morgenstern, Anne Müller, Daniel Thorne, Steffen Zimmer, Achim Färber und Tom Adams. Das klingt nach einer Idee, nach einer gelungenen...

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