Billy Dalessandro – Starcity (Resopal Red 003)

Nachdem der Dritte Raum das Albumformat bei Resopal wieder salonfähig gemacht hat, legt jetzt Billy Dalessandro seinen Longplayer „Starcity“ nach, auf dem es interessanterweise nicht nur, wie für Resopal üblich, atmosphärische und treibende Minimal-Tech-Tracks, sondern auch überraschend viele Acid-Elemente zu entdecken gibt. Da darf „Falling Soul“ lustig vor sich herblubbern als würde Mutti gerade eine heiße Suppe kochen, und das düstere „Come With Me“ entwickelt sich geradewegs mit Unterstützung der beklemmenden Vocals zu einem kleinen Säuremonster. Auch ein bisschen trancig darf es hier und da werden, jedenfalls scheut sich Dalessandro nicht vor einmummelnden Flächen und großen Hallräumen, was aber eindeutig in Ordnung geht. Höhepunkt der Platte ist eindeutig der Titeltrack „Starcity“, auf dem noch mal alle Register gezogen werden, es pumpt, es schwebt, es hüpft – und verschafft der Platte verdiente [5/6]...

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Stanny Franssen – Playing With The Blox (Zenit)

Cooles Album. Fängt irgendwie sehr ruhig an, Tracks ohne Drums, dann ein paar Downbeat-Nummern, sehr atmosphärisch und sonderbar angenehm kalt, fast BigBeat-mäßig trommeln sich die Tracks in den Gehörgang. Und dann ab Mitte der zweiten Hälfte legt das Album ein paar Briketts nach. Zuerst noch etwas behutsam – der Titeltrack „Playing With The Blox“ holt erstmals die 4/4-Bassdrum raus – später dann haut der Herr Franssen so richtig auf die Pauke. Tool-Techno. Heftig. Blam!Trotzdem jederzeit sehr groovy und nach vorne gehend. Den Abschluss macht dann noch ein etwas discohouse-orientierter Track, auf den man in diesem bisher sehr runden Konzept vielleicht doch hätte verzichten können. Trotzdem: knackige Platte....

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Attila Jahanvash – Invisible Love (Z-Schallplatten)

Ich vermute ja, den Attila gibt’s gar nicht. Das ist in Wirklichkeit nur eine Maschine, die im Keller von Z Schallplatten steht und die auf Knopfdruck feinste Technotracks produziert und erst damit aufhört, wenn jemand die Stop-Taste drückt. Der Labelchef denkt sich dann schnell mit seinen Kumpels noch ein paar lustig klingende Titel wie „Die Sahara Petra“ oder „Future Emanzen“ aus, dann lachen alle und schütteln sich die Hand, weil sie wieder eine gelungene Platte fertig haben. Für Fotos und Interviews steht dann der Typ vom Kiosk um die Ecke zur Verfügung und im Keller rattert weiterhin die Musikmaschine. Und ob nun eine Maschine oder wirklich ein junger Mann namens Attila Jahanvash für das Album verantwortlich ist; die Musik ist, wie man von Z Schallplatten auch gar nicht anders erwartet hat, sehr tanzbar, sehr hörbar und insgesamt dann auch: sehr gut....

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Mark’Oh – Mark’Oh (Sony)

Aha, ein Doppel-Album. Auf CD 1 zeigt Mark Oh, wie viele verschiedene Songs man aus einem Drumset, einem Bass- und einem Synthi-Sound sowie ein paar Samples machen kann. Auch eine Art Minimalismus. Auf der zweiten CD mixt dann Herr Oh seine Lieblingstracks von CD 1 zusammen. Wenn nicht Wolfgang Petry die Idee der längsten Single der Welt gehabt hätte, hätte Mark´Oh sich sicherlich mit dieser Erfindung brüsten können. Alles in allem zwar sehr sauber, aber total seelenlos produziert, jeder Track ist ohne weiteres austauschbar; es gibt kaum Ecken und Kanten und wer Überraschungen sucht, wird bitter enttäuscht. Trotzdem, es soll ja Leute geben, die sowas mögen....

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Superflausch – Langspielplatte (Bellaphon)

Akustische Nichtigkeiten aus dem Hause Bellaphon. Vor einiger Zeit haben zwei Produzenten namens Jay Jay und Hendrik die glorreiche Idee, Dancemusik mit deutschen Texten zu machen. Die beiden sind der Meinung das wäre unheimlich innovativ und wer sonst außer vielleicht Andreas Dorau oder Whirlpool würden dies in vernünftiger Form praktizieren. Also setzt man sich ins Studio, schludert ein paar nichts sagende Dancenummern dahin, schreibt fürchterlich banale Texte („ich fahr nen stinknormalen Wagen/und hab zu Hause nix zu sagen“) und spickt das ganze mit ein paar Kontroversitäten (natürlich muss mal wieder das Wort „ficken“ herhalten). Abschließend noch schnell einen scheinbar lustigen Projektnamen finden und dann ab damit zum Major. Dieser sagt: jaja, ganz nett, aber wenn wir das veröffentlichen sollen, dann müsst Ihr Euch aber bitte noch fürs Cover im Bärenkostüm mit Sturzhelm und Antennen ablichten lassen. Na klar, das finden Jay Jay und Hendrik lustig, Fotos werden gemacht, Verträge unterzeichnet, Hände geschüttelt und sich gefreut, dass man der Welt das scheinbar wichtigste Album seit Ewigkeiten präsentieren kann. Aber leider haben sich da die beiden geschnitten. Denn die „Langspielplatte“ von Superflausch hat ungefähr soviel Substanz wie eine Warze am Hintern und hat auch ebensoviel Aufmerksamkeit verdient. 21 nichts sagende Tracks, denen man die bemühte Lustigkeit anhört und die spätestens nach den ersten paar Textzeilen ins Banale abrutschen. Daher die dringende Empfehlung: Das Album unbeachtet im Regal stehen lassen und lieber...

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Quarashi – Jinx

Sölvi, Hössi, Steini und Omar sind Quarashi. Und wer so lustige Namen hat, laute Instrumente spielen kann und dazu auch noch aus Reykjavik kommt hat es prinzipiell verdient, von der Weltöffentlichkeit beachtet zu werden und infolge dessen unheimlich erfolgreich, reich und sexy zu werden. Den Vorzeichen nach sollte das eigentlich auch klappen. Denn ohne Frage rocken die vier Isländer mit ihrem bereits dritten Album „Jinx“ alles in Grund und Boden. In bester Beastie Boys-, Rage Against The Machine- oder Prodigy-Tradition, schmettern die Vier ihre Melange aus Rock, Hip Hop, BigBeat und einer großen Portion Rock ´n Roll bei der kein Lautstärkeregler leisegedreht bleibt und bei jeder Nachbar garantiert einen Nervenzusammenbruch bekommt. Genau die richtige CD für die 4/4-909-Bassdrum-freie Zeit. Und wer keine Angst vor bratzigen Gitarren hat und sich auch nicht zu schade ist, auf schmuddeligen Rockkonzerten ekstatisch hüpfend seine Hände in die Luft zu werfen, der sollte sich „Jinx“ schnellstens in den Warenkorb legen....

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Fly – Ambient City Lounge (Coolmusic/Edel)

Fly, der ja schon diverse ChillOut-Compilations mit seinen Produktionen bereichert hat, stellt nun mit “Ambient City Lounge” sein erstes Album vor. Allerdings ist man beim Hören doch sehr hin- und hergerissen. Denn einerseits finden sich jede Menge angenehm wabernde, teils düstere Flächen, relaxte Drums, hier und da ein Fender Rhodes oder Wah-Wah-Gitarren, angereichert mit intelligent eingesetzten Samples. Um die 90 bpm. Schön. Wirklich schön. Andererseits wirken die schnelleren Tracks irgendwie dahingeschludert und erinnern stark an die Preset-Pattern aus Yamaha-Synthesizern (was vermutlich auch gar nicht so weit hergeholt, denn Fly hat in der Vergangenheit des öfteren Demosongs für Musiksoftware programmiert). Nett gedacht ist sicherlich der Remix von Klaus Kinskis „Nosferatu“, dieser schliddert allerdings durch seine sehr Enigma-mäßige Produktion haarscharf am Prädikat „grausam“ vorbei. Hätten irgendwann noch die Panflöten eingesetzt, hätte ich allen Ernstes auf den Tisch gekotzt. Der CD-Rom-Teil, programmiert von (achtung!) Clitora Eastwood, soll sicherlich auch ein tolles Gimmick sein, fällt aber im Gegensatz zur übrigen CD noch mehr ab, so dass wir über diesen Bereich einfach mal den Mantel des Schweigens hüllen. Im Endeffekt muss man sagen: das Potential ist sicherlich da und Fly zeigt ja, dass er gute Ambient-Musik produzieren kann. Nur etwas mehr Treffsicherheit wäre wünschenswert gewesen....

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