Neoangin – Scratchbook (Lieblingslied Records)

Jetzt liegt das neue Album von Jim Avignon alias Neoangin vor mir und ich kann meine Begeisterung kaum verbergen, was nicht nur an den geradezu schnuckeligen und umarmungswürdigen 26 Klimperpop-Perlen liegt, die jedem noch so grummeligem Griesgram auf Anhieb ein wunderschönes Lächeln ins Gesicht malen sollten, sondern auch an dem was-weiß-ich-wie-viel-Seiten-starken Buch mit Skizzen, Grafiken und Bildern des omnitalentierten schnellsten Malers der Welt. Hurra, nun muss ich nicht immer in dieser Mexikanischen Bar in Köln sitzen, mir wehmütig die tollen Bilder an der Wand angucken und denken: ach, ich hätte doch so gerne… Ja, natürlich bin ich höchst voreingenommen und zudem ein verdammter Fanboy, aber was solls? Absoluter Pflichtkauf – oder noch viel besser: lasst Euch das Scratchbook schenken, verschenkt es selber, habt es lieb und lasst es nie wieder los. Herzlichst. (6/6)...

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Jeff Bennett – Endwise (Plastic City)

Fast ein bisschen Dub-Reggae-mäßig fängt das neue Album von Jeff Bennett an und gibt gleich die Richtung für den gesamten Longplayer vor: gut gelaunte, nicht zu stressige Musik, irgendwo zwischen Listening und entspanntem Grooven auf dem Dancefloor. Besonders heraus sticht „Man Was Made To Suffer“, das mich dank der netten und delaygeschwängerten Vocals an alte Dreadzone-Platten erinnert. Auf anderen Tracks gehts dann aber auch etwas mehr zur Sache, hier und da wird natürlich mal wieder nach Detroit geschielt, siehe „Believing“ – mein persönlicher Favorit des Albums. Insgesamt ein sehr angenehmes Album, universal einsetzbar und deshalb sicherlich ein Dauerbrenner in den Abspielgeräten dieses Planeten. (5/6)...

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Alex Smoke – Paradolia (Soma)

Leute wie Alex Smoke sind doch wirklich zu umarmen. Denn während die Hälfte aller Technoproduzenten momentan versuchen – und es auch noch schaffen! – uninspirierte klicker-britzel-Geräuschminimal-Tracks von der Stange zu produzieren und den Markt mit Platten überschwemmen, von denen sich eine ähnlicher als die nächste anhört, interessiert das Herrn Smoke einfach nicht die Bohne, sondern macht weiter mit dem, was er am liebsten macht und einfach am besten kann: melodische Technotracks mit Seele und Verstand produzieren. Und obwohl er an Soundexperimenten und auch gelegentlichen fritzelnden Minisounds nicht spart, passt doch alles sehr harmonisch zusammen und ergibt ein sehr rundes, gelungenes Gesamtbild. Mit „Snider“ und vor allem „Meany“, der ersten Singleauskopplung, die übrigens mit einem Matt John Remix kommt, sind sogar einige Hits mit an Bord, die mit Sicherheit noch für Wirbel sorgen werden. Gelungen. (5/6)...

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Klimek – Music To Fall Asleep (Kompakt CD 50)

Klimek tut was für die Kompakt-Ambientabteilung und stockt den Fundus um sein neues Album „Music To Fall Asleep“ auf. Ein treffender Titel, dürfte nämlich genau das die Verwendung sein, zu der die meisten Ambient-Alben gehört werden. Doch trotz der Forderung würde man Klimek eher Unrecht tun, einfach so einzuschlafen, verleitet das Album doch gerade zum Zuhören. Fast wie ein Hörspiel wirkt hier vieles, nur eben mit der Einschränkung, dass keine offensichtliche Geschichte erzählt wird. Weite und vor allem lange Soundscapes ziehen sich wie ein roter Faden durchs Album, die von allerlei aufflackernden Elementen angereichert werden – vieles klingt, als würde man Leuchtstoffröhren anschalten, die nach einer Zeit wieder von alleine durchbrennen. Und aufgemerkt: es gibt Gitarren! Jede Menge Gitarren, die sich hervorragend in dem ganzen Klangkonstrukt machen und einen fragen lassen, ob es nicht mal Zeit für eine Renaissance des Saiteninstruments in der elektronischen Musik wäre. Insgesamt ein tolles Album, das unbedingt in Reichweite zum Bett stehen sollte. (6/6)...

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The DFA – Remixes Chapter One (DFA/EMI)

Gibt es überhaupt irgendjemanden, der The Death From Above aka DFA nicht irgendwie super findet? Wenn jemand in den letzten Jahren spannende Aspekte in die Verbindung von elektronischer und Rockmusik gebracht hat, dann doch wohl Tim Goldsworthy und James Murphy. Und dies ist ja nicht nur in ihren eigenen Produktionen passiert, sondern auch in der Vielzahl der handverlesenen Remixes des Duos (die sich im übrigen auch nicht zu schade sind, Anfragen von Britney Spears oder Janet Jackson mit einer kackfrechen Selbstverständlichkeit abzulehnen – der Pressetext bringt es auf den Punkt: Just don´t call them „cool“… or they will laugh in your face at the ricidulousness of it all). „Remixes Chapter One“ beinhaltet jedenfalls eine absolute Sahne-Auswahl der DFA-Bearbeitungen von Künstlern wie Le Tigre, Blues Explosion, den Gorillaz oder Metro Area, den meisten wahrscheinlich ohnehin bekannt, jetzt aber quasi auf einen Blick, um sich damit gepflegt den Kopf zu bürsten. Respekt, meine Herren, erstaunliche Musik gleichermaßen für den elektronisch orientierten Clubber wie für alternative Indierocker. Massives Paket. [6/6]...

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Turnmeister – Chilly Mission (Absolut Records/Universal)

Nicht nur auf CD, sondern auch komplett verfilmt auf DVD kommt das erste Album von Turnmeister aus dem Ibiza-Urlaub zurück in deutsche Abspielgeräte geflogen. „They come to chill you all“ ist das Motto dieses ausgeklügelten Werkes der zwei Kölner Downbeat-Spezialisten Ottmar Schneider und Markus Brachtendorf, die mit ihren Ansprüchen an sich selbst absolut goldrichtig liegen. Zwölf enorm relaxte und zuckersüße Songs zaubern einem auf Anhieb ein wohliges Lächeln auf die Lippen, was nicht zuletzt an der wunderschönen Stimme von Sängerin Jasmin Teutrine liegt. Und selbst wenn die restlichen Spätwinterwochen noch so nasskalt werden mögen, der musikalische Sommer ist auf jeden Fall schon da. [5/6]...

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Todd Bodine – Surfaces (Tresor 221)

Artistalben sind ja immer so eine Sache, insbesondere von Künstlern, die sich in erster Linie dem Dancefloor verschrieben und schon einige überzeugende Platten veröffentlicht haben. Meist gibt’s ein paar gute Tracks, die man sowieso schon kennt, einige Füller und die obligatorische Ambient-Nummer zum Ausklang, um zu zeigen was man doch für eine große Bandbreite zu bieten hat. Doch was Todd Bodine hier auf Tresor abliefert, ist kein pseudo-verkopftes Einerlei, sondern eine Ansammlung von hervorragenden Tracks, von denen zwar jeder für sich steht, aber auch im Gesamtkontext schlüssig wirkt. Ohne Verschnaufpause geht’s hier minimal, aber doch komplex ausgeklügelt zur Sache, ohne sich zu sehr auf das momentan sehr angesagte Geklicker, Geglitche oder Microsampling zu konzentrieren – deswegen kommt “Surfaces” so ehrlich daher und ist dadurch den meisten aktuellen Produktionen um mehr als eine Nasenlänge voraus. Uneingeschränkt zu empfehlen. [6/6]...

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Roman Flügel presents Dell & Flügel – Superstructure (Laboratory Instinct 008)

Sich auf seinen per Alter Ego und solo verdienten Lorbeeren auszuruhen, kommt für Roman Flügel momentan nicht in Frage. Die Gunst der Stunde muss genutzt werden, daher scheint jetzt die Zeit reif zu sein für ein Album, mit dem so erst mal niemand gerechnet hätte. Zusammen mit Vibrafon-Virtuose Christopher Dell präsentiert Flügel (diesmal ganz ohne Säge) einen eigenen Ansatz der Verschmelzung von Jazz und Elektronik. Minimaltechno, Glitch-Sounds und Hip-Hop-Beats treffen auf Gamelan, Rhodes und Trompeten und während vieles sogar schlüssig klingt und einige gute Ideen birgt, muss an anderer Stelle eingestanden werden, dass man leider doch nicht alles so frei kombinieren kann, wie man es gerne hätte – Free Jazz in Kombination mit Drumcomputern funktioniert irgendwie nicht, siehe „Miniaturasition“. Vermutlich ist aber die Zielgruppe des Albums sowieso auf Seiten der Jazzfreunde zu suchen, finden nämlich die clubtauglichsten Nummern gar nicht erst ihren Weg aufs Vinyl sondern sind nur auf CD erhältlich. „Gehts Noch“-Fans bleiben wohl lieber bei Flügels Dance-Tracks, aufgeschlossenere Ohren sollten zumindest mal reinhören. [4/6]...

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Aardvarck – Cult Copy (Rush Hour 103)

Ein recht vielschichtiges Album legt Aardvarck mit „Cult Copy“ vor. Teils beklemmende, traurig-schöne Soundscapes gehen einher mit nach Detroit schielenden, schleifenden Beats – mal zart und zerbrechlich, dann wieder rumpelnd und metallisch. Leider bringt Aardvarck nicht immer alles auf den Punkt, viele Tracks können sich gar nicht recht entscheiden, in welche Richtung sie denn nun wollen, manches klingt sogar regelrecht durcheinander. Versöhnlich stimmen dagegen die vielen ambientartigen Klangcollagen, die zwischendurch wieder auffunkeln und „Cult Copy“ somit zwar den Charakter des reinen Dance-Albums nehmen, darum scheint es hier aber auch gar nicht zu gehen. Insgesamt zwar nicht mein neues Lieblingsalbum aber immerhin noch in Ordnung. [4/6]...

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Billy Dalessandro – Starcity (Resopal Red 003)

Nachdem der Dritte Raum das Albumformat bei Resopal wieder salonfähig gemacht hat, legt jetzt Billy Dalessandro seinen Longplayer „Starcity“ nach, auf dem es interessanterweise nicht nur, wie für Resopal üblich, atmosphärische und treibende Minimal-Tech-Tracks, sondern auch überraschend viele Acid-Elemente zu entdecken gibt. Da darf „Falling Soul“ lustig vor sich herblubbern als würde Mutti gerade eine heiße Suppe kochen, und das düstere „Come With Me“ entwickelt sich geradewegs mit Unterstützung der beklemmenden Vocals zu einem kleinen Säuremonster. Auch ein bisschen trancig darf es hier und da werden, jedenfalls scheut sich Dalessandro nicht vor einmummelnden Flächen und großen Hallräumen, was aber eindeutig in Ordnung geht. Höhepunkt der Platte ist eindeutig der Titeltrack „Starcity“, auf dem noch mal alle Register gezogen werden, es pumpt, es schwebt, es hüpft – und verschafft der Platte verdiente [5/6]...

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Stanny Franssen – Playing With The Blox (Zenit)

Cooles Album. Fängt irgendwie sehr ruhig an, Tracks ohne Drums, dann ein paar Downbeat-Nummern, sehr atmosphärisch und sonderbar angenehm kalt, fast BigBeat-mäßig trommeln sich die Tracks in den Gehörgang. Und dann ab Mitte der zweiten Hälfte legt das Album ein paar Briketts nach. Zuerst noch etwas behutsam – der Titeltrack „Playing With The Blox“ holt erstmals die 4/4-Bassdrum raus – später dann haut der Herr Franssen so richtig auf die Pauke. Tool-Techno. Heftig. Blam!Trotzdem jederzeit sehr groovy und nach vorne gehend. Den Abschluss macht dann noch ein etwas discohouse-orientierter Track, auf den man in diesem bisher sehr runden Konzept vielleicht doch hätte verzichten können. Trotzdem: knackige Platte....

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Attila Jahanvash – Invisible Love (Z-Schallplatten)

Ich vermute ja, den Attila gibt’s gar nicht. Das ist in Wirklichkeit nur eine Maschine, die im Keller von Z Schallplatten steht und die auf Knopfdruck feinste Technotracks produziert und erst damit aufhört, wenn jemand die Stop-Taste drückt. Der Labelchef denkt sich dann schnell mit seinen Kumpels noch ein paar lustig klingende Titel wie „Die Sahara Petra“ oder „Future Emanzen“ aus, dann lachen alle und schütteln sich die Hand, weil sie wieder eine gelungene Platte fertig haben. Für Fotos und Interviews steht dann der Typ vom Kiosk um die Ecke zur Verfügung und im Keller rattert weiterhin die Musikmaschine. Und ob nun eine Maschine oder wirklich ein junger Mann namens Attila Jahanvash für das Album verantwortlich ist; die Musik ist, wie man von Z Schallplatten auch gar nicht anders erwartet hat, sehr tanzbar, sehr hörbar und insgesamt dann auch: sehr gut....

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