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Alex Bau ist ein Kind der 80er und wie so viele seiner Kollegen, wurde auch er geprägt von Depeche Mode und The Cure. Sisters Of Mercy, Anne Clark und John Foxx spielten eine übergeordnete Rolle und auch Gothic (Rock) formten den damals noch jungen Künstler. Ein Grund, weshalb sein Sound heute oft als düster beschrieben wird. Wir haben uns davon allerdings nicht abschrecken lassen und uns mit der Bavarian Techno Maschine über sein neues Album „Musick“ unterhalten.


Auf deiner Homepage hast du bereits ein paar Worte über „Musick“ verloren. Es macht den Eindruck, als sei „Musick“ mehr als ein Album, eher eine Art Statement. Vielleicht sogar eine kleine Rebellion. Was steckt dahinter?

„Musick“ ist einfach nur Musik. Nichts weiter. Kein erhobener Zeigefinger oder Sonstiges in dieser Richtung. Daher auch das reduzierte Design des Albums, frei von unnötigem Ballast und Überfütterung. Einfach nur Musik, denn nur sie zählt. Wer will kann das als Weckruf verstehen, klar. Der Titel ist bewusst gewählt, weil diese ganze „Politik“, die auch die elektronische Musikszene mittlerweile beherrscht, einen zweitweise krank machen kann. Es zeigt sich oft, dass andere Dinge im Vordergrund stehen und es nicht mehr nur um die Musik geht.

In der Beschreibung zu deinem Album geht auch hervor, wie genervt du von Facebook und Co. bist. Wie hoch schätzt du die Wichtigkeit von Social Media ein, wie frei sind Künstler und Musiker in ihrem Schaffen heute tatsächlich noch?

Ich denke da existiert eine gewisse Ambivalenz. Klar, das ganze Social Media Ding ist omnipräsent. Es bieten sich im Vergleich zu früher ungeahnte Möglichkeiten für einen Künstler sich mitzuteilen und Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen, und das sogar in Sekunden. Aber wenn man dann in der U-Bahn, am Flughafen oder selbst in Restaurants Leute auf ihr Smartphone starren sieht, zum Teil während sie sich miteinander unterhalten, dann wird klar wie oberflächlich, schnelllebig und rastlos alles geworden ist. Wer hört sich denn heute noch ein Album von vorne bis hinten an? In Ruhe, ohne Ablenkung meine ich!

Das mit dem Album ist ja heutzutage auch so eine Sache geworden. Worauf achtest du bei einem Album, bzw. was macht ein „gutes“ Album aus? Das Konzept, das dahinter steht, der Grad an Innovation oder schlicht die Authentizität?

Wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich mich für Authentizität entscheiden. Ein Album, bei dem man förmlich heraushört, wie sich der schaffende Künstler gequält hat um eine gewisse Vielfalt an Stilen zu erzeugen, weil ihm sein Management geraten hat „Hey, mach noch ne Deep House-Nummer drauf!“, macht doch keinem Spaß. Manchmal hört es sich an, als wäre es genau so gewesen. Später liest man in Interviews, wie toll es war andere Stile einfließen zu lassen. Als könne man das nur bei einem Album. Nicht immer, aber sehr oft klingt das sehr berechnend und tatsächlich alles andere als authentisch. So richtige Albumkünstler waren und sind eher die Ausnahme und das beziehe ich nicht nur auf Techno. Wenn ich auf einmal versuche eine TripHop- , Drum’n’Bass- oder Downbeat-Nummer auf mein Album zu machen, dann begebe ich mich damit auf dünnes Eis, weil es da draußen mit Sicherheit unzählige bessere Freaks für all das gibt als mich. Man darf ruhig mal die Finger von etwas lassen. Dann wirkt es nicht erzwungen und das Ergebnis ist wirklich authentisch.

Die Authentizität ist dir also sehr wichtig bei deiner Arbeit. Doch wie geht man so ein Albumprojekt an? Wie läuft das bei dir?

Meist beginnt es mit einem einzigen Track. Vorher weiß ich das gar nicht, aber wenn er sich dann der Vollendung nähert erkenne ich schnell „Hey, da wird mehr draus, das geht über das übliche DJ-Futter hinaus…“. So auch bei „Musick“. Wie Äste eines Baums, die an Stellen austreiben, die nicht vorhersehbar sind. So entwickelten sich alle Albumtracks aus einem einzigen Stück, in diesem Fall war es „Alarma“. Das soll nicht bedeuten, dass alle Tracks auch die gleichen Sounds verwenden, es geht eher darum sich im Kopf frei zu machen vom Zwang Bestehendes nicht recyceln oder transformieren zu dürfen und verschiedene Interpretationen, wie bei „Voise“ zuzulassen. Zum Teil bauen die Tracks aufeinander auf, aber das ist ja auch die Idee eines Albums.

Mit welchem Equipment arbeitest du im Studio, wie entstand der Sound für„Musick“?

„Musick“ ist, so wie alle meine Sachen, rein digital entstanden. Ich war noch nie ein Analog-Nerd. Witzigerweise höre ich oft, dass ich einen sehr analogen und direkten Sound habe und das freut mich, weil es verdeutlicht wie egal es ist ob man analog oder digital unterwegs ist. Solange der Sound geil klingt, ist die Entstehung Nebensache. Ich verwende als Sequencer immer noch das uralte Logic 5.5.1, es klingt fett und kann alles was ich mir im Studio von einer Sequencing-Software erwarte. Klar macht es auch Spaß, Kicks, Hi-Hats oder Claps zu verwenden, die noch von einer echten 909 stammen.

Würdest du sagen mit „Musick“ hast du deine finale Definiton von Techno geschaffen?

Techno ist schon so etwas wie ein „Perpetuum Mobile“ und das ist auch das erstaunliche daran! Es geht immer wieder um das „Four to the Floor“, doch es wird nie langweilig! Wie geil ist das denn? Wie kann das sein? Ich habe keine Ahnung, aber ich finde es einfach nur geil. Ich mache ja immer Witze, dass ich nach der heiligen Bassdrum suche. Da ist schon was dran, und selbst wenn ich weiß dass es sie in dieser Form gar nicht gibt, weil es für jeden Track quasi die eigene heilige Bassdrum gibt, so suche ich dennoch immer weiter. Der Weg ist das Ziel – klingt abgedroschen, ist aber so. Wir sind mit Techno noch lange nicht am Ende und es wurde längst noch nicht alles „gesagt“!

Bist du auf deiner „Musick“-Albumtour wieder mit der Kamera unterwegs? Wie sieht es mit einer neuen DVD aus?

(Lacht) Ne, eine neue Wasabi Tunes-DVD wird es wohl nicht geben. Bedanke dich bei YouTube und Co. Leider ist das wohl ein Format, das heute nicht mehr funktioniert. Schade, aber verständlich, es ist einfach leichter ein Video anzuklicken statt eine DVD zu kaufen oder zu bestellen und zu warten bis sie da ist. Was nur viele vergessen in ihrem „umsonst-jederzeit-überall-Denken“ ist die Tatsache, dass es ja auch einen Haufen Geld kostet, so etwas zu produzieren, und Youtube von seinen Milliarden-Gewinnen denjenigen, die mit ihrem gelieferten Content diese Website erst so erfolgreich machen, leider nichts abgeben will. Lange Rede kurzer Sinn, natürlich gibt`s ne Albumtour mit zahlreichen Terminen im In- und Ausland, aber wer was sehen bzw. hören will, der wird seinen Arsch vom Sofa hoch bzw. vom Smartphone wegkriegen müssen. Getanzt und gefeiert wird im Club halt immer noch am besten. / Gutkind

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