Der Begriff Piercing war bis Anfang der 1990er Jahre in Europa eher unbekannt, bevor die ersten, überwiegend jungen Menschen damit begannen, sich Körperteile wie die Lippen, Nasen und Augenbrauen zu durchstechen. Durch das Loch wurden zumeist Ringe gezogen, die als auffälliger Schmuck getragen wurden.

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Bis dahin waren in Westeuropa ausschließlich Ohrringe verbreitet, welche aber nicht als Piercings tituliert wurden. Der Begriff Piercing geht zurück auf das englische to pierce, das französische percier und das lateinische pertundere, was jeweils durchstechen, durchbohren bedeutet. Aus dieser Beschreibung, die im Wortlaut nur den Vorgang und nicht das Ziel bezeichnet, ergibt sich die Bedeutung für den Körperschmuck.

Die Geschichte des Piercings

In Europa war der Körperschmuck auf Basis des Durchstechens von Körperteilen nicht verbreitet. Hingegen waren die Stämme Asiens, Afrikas und Amerikas für ihre Piercing-Kulturen bekannt. Die Quellen reichen hierbei bis zu 7000 Jahre zurück. Als Funktion haben Ethnologen die Abgrenzung zu anderen Stämmen bzw. die Identifikation mit dem eigenen Stamm herausgearbeitet.

Auch fanden sie heraus, dass das Piercing den Status der Träger darstellen konnte oder für spirituelle Rituale genutzt wurde. Eine weitere Bedeutung besaß das Piercing für die Volksgruppen als eine Art „Jugendweihe“. Weitere Informationen zum Thema Piercing finden Sie auf https://flesh-tunnel-shop.de/piercing-shop.

Ab einem bestimmten Lebensjahr erhielten die Jugendlichen als eine Art Initiationsritual ein Piercing verabreicht, das sie als Zeichen der Reife in die Welt der Erwachsenen einführte. Im Hinduismus hingegen dient das Durchstechen der Ohrlöcher von Kindern, die daraufhin goldene Ohrringe tragen, im Rahmen des Karnavedha-Initiationsrituals dazu, die Kinder vor Krankheiten zu schützen.

Das Ritual wurde bei den Kindern im Lebensalter von drei bis fünf Jahren vollzogen. Bei den Volksstämmen wurden als Materialien für den Körperschmuck Holz, Ton, Horn, Perlmutt, Quarz und Knochen verwendet. Typische Körperzonen für den Schmuck waren die Ohrläppchen, Nasenflügel, Nasescheidewände und Lippen.

Piercing extrem

Bei bestimmten Stämmen wurde das Piercing in einer Art angewandt und mit Zeremonien begleitet, die weit über die Schmuckfunktion hinausgingen. So ist der „Sonnentanz“ von manchen Indianerstämmen belegt, die sich Brust und Rücken durchstechen und durch die Löcher Holzflöcke stoßen. Daraufhin tanzen die Indianer vier Tage lang, während des Auftretens der Sonne ohne Nahrung, Schatten und Getränke.

Auch bei malaysischen Stämmen sind ähnliche Exzesse dokumentiert. Diese versetzen sich während des Thaipusam-Festes in eine Trance und stoßen sich Haken und Spieße durch Körperstellen, die sie daraufhin bunt schmücken und mit Opfergaben vor dem Tempel der Gottheit Subramaniam prozessieren.

Während der Trance im thailändischen Phuket werden als Piercing-Instrumente sogar Schwerter, Eisenstangen und Äste verwendet. Dabei betrachten sich die Teilnehmer als Medium der neun Schutzgeister zum Empfang ihrer Botschaften. Auch die Lippenteller der Mursi wirken spektakulär und ausgesprochen schmerzintensiv.

Heute nutzen die Mursi ihre Tradition als Attraktion für Touristen und verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Schauobjekte für westliche Touristen, was ein wenig an die Völkerschauen in den zoologischen Gärten des 19. Jahrhunderts erinnert.

Das Piercing kommt nach Europa

Angesichts dieser Darstellungen verwundert es nicht, dass dem Piercing stets eine sexuelle Komponente innewohnt, die vor allem die BDSM-Szene anspricht, bei der Piercing zur sexuellen Stimulation verwendet wird. Die ersten Gruppen, die das Piercing in den 1950er Jahren anwendeten, kamen aus der Homosexuellen- und Fetischszene.

Eine stärkere Verbreitung erfuhr das Piercing im Zuge der 68er-Revolution. Es waren die Hippies, welche die Idee des Piercings aus ihren Indienreisen nach Europa brachten.

Punks griffen diese Idee auf und schmückten sich mit Piercings als Zeichen von Protest und Rebellion. Zu den begeisterten Anhängern der in Europa weitgehend neuen Modeerscheinung gehörte auch die Szene der modern Primitives. Dabei handelt es sich um Subkulturen, die sich für das Phänomen der Körpermodifikationen von Urvölkern interessieren.

Erst in den 1990er Jahren avancierte das Piercing von einem Randgruppenphänomen zu einer Massenerscheinung. Heute ist das Piercing im Rahmen der zunehmenden gesellschaftlichen Liberalisierung gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Meistens ist der Grund für ein Piercing ein Zeichen von Distinktion und Individualität.

Piercing heute

Schonendere Verfahren sowie die Nutzung von körperfreundlicheren Materialien haben zur Popularität des Piercings beigetragen. Oftmals wird das Piercing nur noch oberflächlich durchgeführt, sodass nach der Abnahme des Körperschmucks nur leichtere Narben zurückbleiben, die verheilen können.

Durch eine fortschrittliche Technik und besserer Hygienemaßnahmen sind Entzündungen zudem selten geworden. Allerdings müssen Piercings in Krankenhäusern vor mehr oder weniger invasiven Untersuchungen und Operationen neben anderen Fremdkörpern wie zum Beispiel Stents, Herzschrittmacher und Zahnkronen angegeben werden und können im Extremfall die Behandlung erschweren.