Viele Musiker träumen davon, ein Star zu werden, rekordverdächtige Zahlen an Alben und Singles zu verkaufen oder zumindest von der Kunst leben zu können. Nur für wenige geht dieser Traum als Artist oder Produzent in Erfüllung. Daher stellt sich die Frage, welche alternativen Verdienstmöglichkeiten es für Musiker gibt. Wir liefern einen Überblick anhand einiger Beispiele.

 

Erstellen von Samples und Loops

Sampling wird in verschiedenen Musikrichtungen verwendet. Viele DJs im elektronischen Bereich nutzen solche kurzen Soundschnipsel oder Loops. Ebenfalls bekannt für diese Art der Musikproduktion ist Hip-Hop. Kaum verwunderlich also, dass die Geschichte des Samplings in diesem Genre lange zurückreicht.

Bei der Nutzung eines Samples ist es für die Produktion in den meisten Fällen unabdingbar, dieses zu „clearen“, was bedeutet, die Rechte für die Verwendung mit dem Urheber abzuklären. Dies gilt häufig, aber nicht grundsätzlich, wie gerichtliche Entscheidungen bezüglich eines bekannten Falls belegen, bei dem sich Moses Pelham und Kraftwerk einen Rechtsstreit lieferten. Zur Beantwortung der Frage, ob das Clearen notwendig ist, kommt es unter anderem auf die Verfremdung und die Länge des kopierten Soundstücks an.

Bei Schnipseln von großen Artists, die einer Zustimmung bedürfen, kann dies viel Geld kosten und für unbekanntere Producer und Künstler sowohl unbezahlbar als auch schwer realisierbar sein. Daher gibt es Plattformen, die Samples für verschiedene Genres zu günstigen Preisen verkaufen. Die meisten dieser Webseiten arbeiten mit Musikern und Labels zusammen, die auf diese Weise Geld verdienen können. Zu den Portalen zählen unter anderem:

  • Beatport
  • Loopmasters

Alternativ besteht die Möglichkeit eines Eigenvertriebes der Loops über Soziale Medien oder Plattformen wie Bandcamp. Die entsprechenden Samples wiederum lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen. Zum einen gibt es die Option zum Erstellen von Akkordprogressionen oder Melodien.

Des Weiteren können Musiker auf One Shots setzen, also einzelne Sounds, beispielsweise aus den Bereichen Drums oder Synthies. Künstler sollten sich allerdings bewusst sein, dass auch dieser Weg Aufbauarbeit und Ausdauer benötigt und keineswegs von Beginn an klar ist, wie lohnend der Sampleverkauf sein wird.

 

Musik für die Industrie

Auch in der Wirtschaft wird in vielen Bereichen Musik benötigt. Hier ergeben sich für Musiker vielseitige Potenziale. Wenn diese richtig genutzt werden, können sie mit etwas Glück und Ausdauer Einnahmen ermöglichen.

 

Kaufhausmusik

In Kaufhäusern und Supermärkten gibt es die verschiedensten Orte, an denen Musik eine Rolle spielt. Dazu können unter anderem zählen:

  • Verkaufsflächen
  • Hallenbereiche in Einkaufszentren
  • die Ladengeschäfte selbst

Zum einen dient die Musik hierbei dazu, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und den Kunden ein möglichst schönes Einkaufserlebnis zu bereiten. Daher sollte sie so konzipiert sein, dass sie zu diesem Ziel passt.

Zudem kann die Musik das Kaufverhalten auf verschiedenen Ebenen beeinflussen. Langsame Musik sorgt beispielsweise dafür, dass die Kunden länger bleiben. Hinzu kommt, dass einzelne Stücke unterbewusst oder vielleicht sogar bewusst einen Einfluss darauf haben können, welche Produkte die Kunden kaufen.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass die meisten Geschäfte eine musikalische Untermalung zur Verfügung stellen. Für Musiker kann es sinnvoll sein, sich mit diesen Aspekten des Einflusses von Musik und die Psyche genauer zu beschäftigen, um passgenaue Stücke komponieren zu können und dadurch Verkaufserfolge zu verbuchen.

Zum Vertrieb gibt es die Möglichkeit von Zusammenarbeiten mit entsprechenden Anbietern im Internet, alternativ kann die Musik im Rahmen einer Kundenakquise selbst vertrieben werden. Häufig ist es für die Produktion dieser Art von Musik ein großer Vorteil, auf eine Mitgliedschaft bei der GEMA oder ähnlichen Vereinigungen zu verzichten, da für die Abnehmer in diesem Fall die entsprechenden Lizenzgebühren für das Abspielen der Stücke wegfallen.

Interessantes Nischenbeispiel

Aber nicht nur in Kaufhäusern wirkt die Musik auf Konsumenten und Kunden. Gleiches gilt beispielsweise für Spielcasinos. Auch in diesem Sektor besteht also ein Markt für Musiker. Dies kann sowohl für die Hintergrundmusik als auch für die Sounds für Spielautomaten gelten. Zweitere haben in vielen Fällen großen Einfluss auf das Verhalten der Spieler.

Dabei weitet sich diese Möglichkeit aktuell sogar aus. Durch eine Gesetzesänderung wird Glücksspiel ab 2021 in Deutschland mit Limits auch online legal, in anderen Staaten ist es dies bereits. Spielautomaten beispielsweise sind auch als Online-Version vertreten. Es gibt sie in mehreren Varianten, unter anderem als Standard-Videoslots, klassische Slots oder rasterbasierte Slots.

Die Vielfalt zeigt, dass Musiker viele Möglichkeiten haben, auch für das Online-Gambling Musik und Sounds zu entwickeln. Allerdings setzt dies voraus, eine Kooperation mit einem Anbieter einzugehen bzw. in der Soundabteilung angestellt zu sein, was womöglich einigen Aufwand zur Akquise und Bewerbung erfordern kann.

 

Stockmusik

Eine ebenfalls gängige Variante ist der Verkauf von Stockmusik. Sie wird außerdem Produktionsmusik oder Library Music genannt. Diese kann von den verschiedensten Branchen für unterschiedliche Projekte gekauft und verwendet werden. Hierzu zählen unter anderem Dokus oder Werbe-Videos. Für diese Art der Musik gibt es Portale, die eine entsprechende Plattform bieten. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Shutterstock
  • Premiumbeat
  • Audiojungle

Je nach Anbieter und entsprechender Lizenz (hier gibt es unterschiedliche Modelle) kann die prozentuale Beteiligung, die ein Künstler von einem Verkauf ausgezahlt bekommt, variieren. Zudem ist es ebenfalls von hoher Relevanz, dass die Musik GEMA-frei beziehungsweise ganz allgemein lizenzfrei ist.

Das Erstellen von Stockmusik hat viele Vorteile. Sie beginnen damit, dass das Stück in den allermeisten Fällen unbegrenzt oft verkauft werden kann. Zudem hat der Künstler einen großen Spielraum bezüglich des Genres und des Stils der Komposition: Stockmusik gibt es in allen möglichen Varianten für die verschiedensten Zwecke.

Dieser Vorteil ist gleichzeitig jedoch ein Nachteil. Es kann kompliziert und mühsam sein, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Dies liegt vor allem an der Menge der online zu findenden Stockmusik. Daher ist es womöglich sinnvoll, den Abverkäufen durch eigenes Marketing etwas auf die Sprünge zu helfen.

 

Etwas konkreter: Filmmusik

Eine weitere Option ist das Komponieren von Filmmusik. In nahezu jedem Film ist sie präsent, die Musik transportiert und verstärkt die Emotion der Bilder. Dabei stehen die Komponisten meist eher im Hintergrund, jedoch hat auch diese Branche große Namen hervorgebracht, beispielsweise Hans Zimmer.

Nun ist es schwer vorstellbar, dass Einsteiger in diesem Bereich von Beginn an Musik für Blockbuster produzieren und das große Geld verdienen. Dies wäre ein leider sehr unwahrscheinlicher Glücksgriff.

Eine Alternative ergibt sich womöglich durch persönliche Kontakte: Vielleicht hat ein Musiker in seinem Umfeld Personen, die an Filmen mitarbeiten oder sogar eigene kurze Filme drehen. An dieser Stelle könnte eine Einstiegsmöglichkeit gegeben sein, um erste Referenzen zu schaffen.

Hiermit könnte der Musiker sich bei kleineren Filmproduktionen bewerben. Bei solchen Firmen ist das Budget in vielen Fällen nicht unbedingt riesig, allerdings können gute Produzenten mit kulturell wertvollen Ideen unter anderem von der Bundesregierung gefördert werden. Eine Chance, auf diese Weise eine Verdienstmöglichkeit zu finden, besteht also durchaus.

Ghostwriting

Diese Option ist vor allem für Musiker interessant, die sich nicht nur mit der Komposition, sondern auch mit dem Texten beschäftigen. Viele große Musiker haben Ghostwriter, die meist für eine einmalige Bezahlung ganze Songs oder Texte entwickeln, in vielen Fällen aber nicht namentlich genannt werden.

Aber auch unbekanntere Acts benötigen in einigen Fällen Fremdmaterial. Daher ist es wenig verwunderlich, dass es Webseiten gibt, die diesen Service anbieten. Wichtig ist die Verschwiegenheit des Ghostwriters: Sie trägt zu seinem guten Ruf in der Branche bei.

 

Fazit: Mit einer Mischung zum Erfolg?

Mit einer dieser Optionen ein ausreichendes Gehalt zum Leben zu erwirtschaften, gelingt vermutlich nur einer kleinen Auswahl von Musikern. Für die meisten anderen ist es daher wichtig, sich in verschiedenen Bereichen möglichst gut auszustellen. So könnten beispielsweise Sampleproduktion, die Musikproduktion für Kaufhäuser sowie Stockmusik parallel laufen. Stock- und Filmmusik sind sich in einigen Fällen ebenfalls nicht unähnlich. Musiker sollten darauf achten, die Sparten zu wählen, in denen sie ihre Talente und Stärken am besten und gewinnbringendsten umsetzen können.

 

 

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