Es ist schon eine Ansage, überhaupt ein Album zu produzieren und zu veröffentlichen, erst recht, wenn es das erste ist. Wenn dieser Meilenstein dann noch mit der Ankündigung gelegt wird, dass das Debüt-Werk auch zugleich das letzte Album sein werde, ist es eine Ansage im doppelten Sinn.

 

„So this is it! I’m super pleased to announce the release of my first and last LP, ,More Than This’.” Mit diesen Worten läutete der Wahl-Kölner André Hommen Mitte Mai seinen Longplayer auf Facebook ein. Aber warum „the last“? „Ich habe jetzt über zehn Jahre gebraucht, um überhaupt einmal ein Album zu machen. Ich hatte nie den großartigen Drang dazu. Irgendwie fehlte es aber nun dennoch, weil man sonst im Grunde alles gemacht hat. Daher hatte ich den Entschluss gefasst, dieses Album zu produzieren. Aber auch nur dieses eine und sonst keins mehr. Deshalb: first and last LP. Ich denke, so ein Album sollte etwas ganz Besonderes sein. Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis, an das ich auch in zehn oder 20 Jahren zurückdenken kann.“

Besonders ist dieser Langspieler für André auch, weil er auf seinem eigenen 2017 gegründeten Imprint These Eyes und dort als erstes Album überhaupt erscheint – auch in diesem Sinne ist „More Than This“ etwas Außergewöhnliches in André Hommens Biografie, die von besonderen Wendungen und von sympathischer Unaufdringlichkeit und Beständigkeit geprägt ist. André, im niederrheinischen Nettetal groß geworden, ist mit seinen Produktionen und nicht zuletzt mit seinen DJ-Sets immer wieder frenetisch gefeiert worden. Gemeinsam mit dem Produzenten Gorge debütierte er 2009 auf dem von Dennis Ferrer gegründeten New Yorker Imprint Objektivity, das er schließlich gemeinsam mit Ferrer als Partner betrieb. Mit Ferrer, den er dank eines glücklichen Zufalls kennenlernte und mit dem ihn heute noch eine Freundschaft verbindet, tourte André mehrere Jahre mit hoher Taktzahl rund um den Globus. Hits wie „Battery Park“ – Platz 7 in den Top 100 von Resident Advisor 2015 –, sein Remix für Ane Bruns „To Let Myself Go“ – einer der meistgespielten Tracks beim Amsterdam Dance Event 2014 –, seine Interpretation von Fritz Kalkbrenners „Void“ oder „Bassari People“ ließen nicht lange auf sich warten. Ein Album hingegen schon. Jetzt, wo es so weit ist, „[…] fühlt sich das tatsächlich sehr gut an. Ich hatte lange überlegt, ob es Sinn macht, so ein Album auf seinem eigenen ,kleinen‘ Label zu bringen – aber mittlerweile kann ich sagen, dass dem absolut so ist und es mir sehr viel Spaß macht, nun das Album von A bis Z aufzuziehen: von der Produktion über die Koordinierung des Artwork bis dahin, dass man quasi das finale Produkt ins Regal stellt. Ein Album-Release ist ja auch weitaus aufwendiger als eine normale EP.“

Ursprünglich sollte das gute Stück schon viel früher im Jahr erscheinen, am 29. Mai, aber dann kam auch André die Corona-Pandemie dazwischen und es dauerte länger – dabei erschien ihm die Zeit ohnehin schon lang: „Ich glaube, insgesamt sitze ich jetzt seit knapp zweieinhalb Jahren an diesem Album“, erklärt er und ergänzt, dass das Projekt Album durch diverse andere Projekte einfach immer in den Hintergrund gerückt sei. „Allein von der Vorlaufzeit über die Fertigstellung des Albums bis hin zum finalen Abschicken der Files in die Produktion verging eine halbe Ewigkeit. Leider hatte COVID-19 dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das war und ist aber alles sehr spannend. Allerdings ich bin auch sehr froh, als Künstler, als Mensch und als Label-Betreiber, wenn es nun endlich am 3. Juli erscheint.“ Mit der Verschiebung hat sich André mittlerweile versöhnt: „Zum Sommer passt es eigentlich sogar noch besser.“ Und auch mit dem „Verursacher“ Corona: „Es war und ist natürlich, wie für alle, eine ziemlich komische Zeit, aber ich habe im Grunde versucht, alles so positiv wie möglich zu sehen. So bescheiden wie der ganze Umstand letztendlich ist, so gut war es sicher dennoch, dass viele einmal einen Gang runterschalten mussten. Zwischendurch kommt aber natürlich mal der Moment, wo man denkt ,Ach, jetzt wäre ich auf diesem Festival, und Mist, jetzt wäre ich da und da‘. Aber auch das wird wiederkommen, man muss dann einfach geduldig sein.“ Vielleicht erleben wir ja mit viel Geduld irgendwann, dass André es sich doch einmal anders überlegt und noch ein weiteres eigenes Album herausbringt – bis dahin gibt’s auf „More Than This“ neun spannende Tracks und sicherlich bald auch Album-Releases anderer Künstler auf seinem Label These Eyes.

Aus dem FAZEmag 101/07.2020
Text: Csilla Letay
Foto: Bogdan Plakov
www.andrehommen.com