Nicht nur anhand des identischen Vornamens stellen wir fest: Dieses Duo passt zusammen wie Stock und Hut. Die Rede ist von Johannes Paluka (alias Iron Curtis) und Johannes Albert, die nach “Industrie & Zärtlichkeit” (2017) nun erneut in den Studio-Ring gestiegen sind und ein weiteres Album (“Moon II”) produziert haben. Im Interview treten sie uns mit einer gesunden Portion Sarkasmus entgegen und berichten über ihren gemeinsamen Studioalltag.

Was sind die Vorteile und Nachteile, zu zweit im Studio zu arbeiten?

JA: Es gibt nur Vorteile! Allein zu arbeiten ist doch langweilig.
JP: Unbedingt! Für mich als bekennenden Einsiedler hat die gemeinsame Studiozeit auch einen therapeutischen Effekt.

Habt ihr feste Rollen im Studio?

JA: Nicht wirklich. Es kommt aber darauf an, in welchem Studio wir sitzen. In meinem bin ich meist am Rechner und Johannes am Synth, bei ihm ist es umgekehrt.
JP: Ja, wobei ich die Rolle des “Producers” doch gerne öfter einnehme, als es dir, lieber Freund, eigentlich bewusst ist: Denn so kann ich die überragenden Melodien direkt abgreifen, die aus deinen feinen Klavierspieler-Händen kommen.

Wie oft seid ihr zusammen im Studio?

JA: Unregelmäßig, dafür exzessiv.
JP: Eigentlich selten. Manchmal kommt auch einfach einer zu Besuch und hängt auf der Couch rum. Aber es stimmt schon: Wenn Studiozeit ist, dann volle Socke.

Womit beginnt ein klassischer Studiotag?

JA: Wir nehmen einen Kaffee oder Ingwertee zu uns, im Sommer wahlweise ein Radler.
JP: Wenn es eskalieren soll, schwenken wir dann auch mal um auf Spezi oder leichtes Pils. 

Gibt es ein gemeinsames Ritual, das ihr vor den Gigs oder im Studio zelebriert?

JA: Ja! wir schreien laut “Hurra” und drehen uns siebenmal im Kreis.
JP: Vorher nicht. Aber während des Auflegens erfolgen dann wiederkehrende Muster: Der euphorische Klapps auf den Po des anderen oder der gönnerhafte Knuff auf die Schulter. Auch ein überlegenes Nicken bei geglückten, risikoreichen Mixes kommt vor.

Das am 15. Juni erschienene Album “Moon II” ist nicht eure erste gemeinsame Zusammenarbeit. Für “Industrie & Zärtlichkeit” saßt ihr bereits im Jahre 2017 gemeinsam im Studio. Wie kam es zu dieser Kollab? Wie habt ihr euch kennengelernt?

JA: Zunächst haben wir uns über Myspace kennengelernt und dann in echt getroffen. Wir waren anschließend sogar lange Zeit Nachbarn im gleichen Haus.
JP: Jetzt muss ich wieder die alte Kamelle von wegen “Deine Kickdrums aus dem dritten Stock verfolgen mich bis heute” bringen.

Gibt es Dinge, an die ihr nun anders herangegangen seid bzw. Dinge, die ihr diesmal besser gemacht habt?

JA: Ich glaube wir haben die gemeinsame Studiozeit noch besser genutzt.
JP: Wir haben die Studio-Zitrone tatsächlich noch mehr ausgepresst: mehr Ideen in noch kürzerer Zeit. Ein Wahnsinn.

Die erstmalige Zusammenarbeit stellen wir uns in gewisser Linie zäh und langwierig vor – man muss sich schließlich zunächst aufeinander einstimmen. Würdet ihr sagen, dass der Prozess beim zweiten Album flüssiger war?

JA: Also mir kam das zu keinem Zeitpunkt zäh oder langweilig vor, oder Johannes? Wir machen kein großes ‚G’schiss‘ und schmeißen lieber die Maschinen an.
JP: Irgendwie hat es bei uns von vornherein gestimmt und Müßiggang ist bei unserer Arbeitsweise ja sowieso nicht drin. Zum Glück mussten wir auch nie große Diskussionen um die Richtung oder den Stil führen. Wir haben einfach “gemacht” und dann gesichtet, was rausgekommen ist: Hit – Ja oder Nein? Wenn nein: Weiter machen. Wenn ja: Weiter machen.


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Foto: Jana Marei & Tina Franke