
Brax Moody und Vamparela sind Local Suicide. Das DJ- und Producer-Paar steht für einen kompromisslosen Sound aus New Wave, Acid, Techno, EBM und Dark Disco, spielt Shows rund um den Globus und leitet mit Iptamenos Discos seit 2021 sein eigenes Imprint, auf dem auch die gefeierte Debüt-LP „Eros Anikate“ releast wurde. In einer neuen Ausgabe von „Arbeiten als Duo“ erzählen Dina und Max von ihrem ersten Treffen, der Couple-Dynamik im Studio und einer unvergesslichen Dschungel-Odyssee.
Ihr habt euch 2008 kennengelernt und seid seit vielen Jahren ein Paar. Was war denn zuerst da – die Liebe zur Musik oder zueinander?
Das ist schwer zu sagen. Wir trafen uns 2008 im Berliner Magnet Club bei einer Indie-Party, wo Dina bei einem DJ-Contest spielte. Danach gingen wir zusammen nach Hause, „um Musik zu hören“ – seitdem sind wir unzertrennlich. Wenige Monate später begannen wir gemeinsam aufzulegen, nachdem wir zuvor schon solo als DJs aktiv waren. Unsere erste gemeinsame EP „We Can Go Everywhere“ erschien 2014 auf Bordello A Parigi.
Beeinflusst eure Paar-Dynamik eure Zusammenarbeit?
Klar. Weil wir schon so lange ein Paar sind, sind wir sehr ehrlich und direkt zueinander und kennen uns sehr gut. Wir haben keine Scham vor einander, kennen die jeweiligen Stärken und Schwächen und respektieren uns. Wenn wir uns mal wegen privater oder künstlerischer Dinge in die Haare kriegen, muss es immer direkt geklärt werden, weil es sonst in alle anderen Bereiche einfließt.
Wie sieht ein typischer Tag im Studio bei euch aus?
Es gibt keinen klassischen Tag, weil wir leider nur selten zum Musikmachen kommen. Wir sind fast jedes Wochenende für Auftritte unterwegs, haben Vollzeitjobs in der Musikindustrie und betreiben unser eigenes Label und Verlag. Wenn wir uns Zeit freiräumen können, jammen wir meist zusammen in Berlin oder in unserer Sommerwohnung in der Nähe von Thessaloniki. Wir haben einen sehr schnellen Workflow und wenn wir hängenbleiben, fangen wir direkt einen neuen Track an. Am liebsten machen wir sowieso mit Freunden Musik.
Welche Eigenschaften eures Partners schätzt ihr besonders?
Max: Dina ist extrem selbstbewusst und scheut keine große Bühne. Außerdem kenne ich nur sehr wenige, die auch nur ansatzweise ihr Musikwissen haben. Dina: Max ist unglaublich talentiert, hat einen großartigen Geschmack und bringt immer neue Ideen ein. Er ist technisch versiert, findet für jedes Problem Lösungen und hebt unsere Produktionen auf ein höheres Level. Zudem ist er der herzlichste und großzügigste Mensch, was jede Session zu etwas Besonderem macht.
Und was geht euch auf die Nerven?
Das ist bei uns manchmal ein kleiner Kulturclash. Max arbeitet lieber streng strukturiert, während Dina das nicht so wichtig ist. Gleichzeitig verbindet Max die Studiozeit gerne mit Feiern, was dann auch gerne mal eskaliert.
Welche individuellen Einflüsse und Inspirationen bringt ihr jeweils in das Projekt ein?
Wir haben unzählige Quellen: Filme, Bücher, Konzerte, Reisen und Künstler, die wir treffen. Dinas Geschmack ist breiter gefächert, doch wir teilen viele Vorlieben: New Wave, Electroclash, Italo-Disco und visuelle Kunst bis hin zur Leidenschaft für das Schräge und Düstere.
Eine besondere Anekdote aus eurer gemeinsamen Zeit?
Auf einer Asien-Tour 2014 verlor Max beim ersten Gig auf Koh Phangan unsere USB-Sticks, jemand kippte Wasser über den Laptop im Booth, und die Schlüssel für Motorrad und Villa verschwanden ebenfalls. Am Ende saßen wir tagelang im Dschungel – umzingelt von aggressiven Straßenhunden.
Die aktuelle Single von Local Suicide, „Jamais Vu“, Release-Datum: 12. September 2025 via Moodmusic
Aus dem FAZEmag 163/09.2025
Credit: Jany Zindel
www.localsuicide.com