Arbeiten als Duo – Moon Patrol

Foto: Jamie Jar

Moon Patrol ist das gemeinsame Projekt von Irina Kotik und Gilles Wasserman aus Brooklyn, New York. Hier führen sie ihre jahrzehntelangen Einflüsse aus Electronic und klassischer Musik zu einem emotional aufgeladenen Gefüge aus texturalen Klängen und kosmisch angehauchten Atmosphären im Spannungsfeld von House und Techno zusammen. Als Köpfe hinter der Plattform Delayed verbinden sie zudem internationale Undergroundszenen und schaffen Raum für Leftfield-Techno, Ambient und experimentelle Elektronik jenseits gängiger Konventionen.

Sprechen wir über die Ursprünge von Moon Patrol. Wann habt ihr erstmals gemeinsam Musik gemacht, und welche Vision steckt hinter dem Projekt?
Wir sind seit Jahrzehnten Teil der elektronischen Musikszene, unsere erste gemeinsame Produktion begann jedoch erst um 2017 herum. Irina entwickelte zunächst Ideen unterwegs auf dem Handy mit der App Figure von Propellerhead. Diese Spontaneität weckte den Wunsch, Musik ernsthaft zusammen zu verfolgen. Nach ersten Produktionskursen arbeiteten wir mit Logic, merkten jedoch schnell, dass das Fertigstellen von Tracks schwierig blieb. Der Wechsel zu Ableton veränderte dann alles: Improvisation, organisches Arrangieren und spielerisches Arbeiten rückten in den Mittelpunkt – ein Ansatz, der bis heute prägend ist. Klanglich bewegen wir uns im Leftfield-Bereich tiefer, atmosphärischer Elektronik, in dem texturale Sounds auf melodische und melancholische Elemente treffen.

Welche individuellen musikalischen Hintergründe und Einflüsse bringt ihr mit – und wie formen sie eine gemeinsame Identität?
Irina: Ich komme aus der klassischen Musik, habe an der Musikakademie in Minsk studiert und viele Jahre das belarussische Hackbrett gespielt. Gleichzeitig prägten mich Synth-Pop der späten 80er, die Global-Underground-Ära sowie Clubnächte im New York der 90er. In den frühen 2000ern wurde Electronica zentral für mein Verständnis von Harmonie, Struktur und Textur.
Gilles: Ich lege seit fast drei Jahrzehnten auf. In den 90ern arbeitete ich bei einem lokalen Radiosender in Serbien und kam mit unterschiedlichster Musik in Berührung. Einflüsse wie Synth-Pop, Hip-Hop, The Prodigy, Laurent Garnier, Massive Attack oder LTJ Bukem förderten mein Denken jenseits von Genregrenzen. Uns verbindet der Wunsch, diese Grenzen aufzulösen und eine fließende, emotional offene Sprache zu entwickeln.

Gibt es bei euch feste Routinen im Studio?
Mit Vollzeitjobs und zwei Kindern ist ein fester Rhythmus kaum möglich. Ableton ist für uns ein Ort zum Abschalten. Unter der Woche arbeiten wir meist getrennt, am Wochenende kommen wir zusammen, hören Ideen, tauschen Sounds aus und jammen – oft entstehen dort die Arrangements.

Wie sieht die Aufgabenverteilung im Studio aus?
Gilles: Irina konzentriert sich häufig auf Sounddesign, Harmonien, Synths und Texturen. Ich kümmere mich eher um Grooves, Sampling und Struktur, geprägt durch meine DJ-Erfahrung. Die Rollen bleiben aber flexibel.

Welches Equipment nutzt ihr?
Ableton ist das Zentrum. Wir arbeiten vollständig digital mit VSTs und internen Sounds. Push und ein MIDI-Keyboard sorgen für haptische Kontrolle. FabFilter, Soundtoys und Arturias Pigments gehören zu unseren wichtigsten Tools. Max-for-Live-Geräte und neue Ableton-Sequenzer eröffneten zuletzt neue rhythmische Wege.

Wie geht ihr mit Meinungsverschiedenheiten um?
Die gibt es selten. Wenn jemand etwas wirklich nicht mag, gehört es nicht in den Track. Im Zweifel lassen wir Ideen ruhen und hören später neu hinein.

Euer prägendster Moment als Duo?
Die Veröffentlichung unseres Albums „Mountain House Music“ auf Oslated 2023 war besonders. Auch ein 15-minütiger Remix für Adhèmar & Nils Edte sowie gemeinsame Festivalauftritte erinnern uns daran, warum wir das alles machen.

Woran arbeitet ihr aktuell?
Wir finalisieren einen Track für eine Jubiläums-Compilation und entwickeln unser zweites Album weiter. Unsere Trips in Spanien im letzten Jahr haben die Stimmung des neuen Materials subtil beeinflusst. Vieles ist noch im Entstehen.

Aus dem FAZEmag 168/02.2026
Foto: Jamie Jar
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