Archivare warnen vor massivem Verlust musikalischer GeschichteIn zahllosen Archiven taucht derzeit ein Problem auf. Viele historische Magnetbänder reagieren nicht mehr nur mit dem üblichen Klebefilm-Effekt, sondern verhärten komplett.
Restaurator:innen berichten von immer häufiger auftretenden Fällen, in denen klassische Verfahren nicht mehr ausreichen. Statt kurzzeitigem „Backen“ sind nun Wochen voller Mikroschritte nötig: vorsichtiges Erwärmen, mechanisches Lösen, Reinigen, erneutes Stabilisieren. Manche Teams improvisieren mit selbst entwickelten Werkzeugen, weil es für diese neuartige Alterung noch keine etablierten Lösungen gibt.
Ein besonderer Brennpunkt ist das Archiv von Iron Mountain, wo Spezialist:innen versuchen, fragile Tapes wieder transportfähig zu machen. Jeder Fehler kann ein Band endgültig zerstören – und damit möglicherweise das einzige Original eines Albums, einer Session oder eines seltenen Live-Mitschnitts.
Da weltweit Millionen analoger Bänder lagern, ist die Lage kritisch. Viele Labels stehen vor gewaltigen Restaurierungskosten, müssen Prioritäten setzen oder auf minderwertige Sicherungskopien zurückgreifen. Archivare sprechen bereits von einer „stillen Krise“: Ein Verlust, der erst spät bemerkt wurde – und der nun ein Rennen gegen den Verfall ausgelöst hat.
Ob die Branche schnell genug reagiert, entscheidet darüber, wie viel von diesem analogen Erbe zukünftige Generationen überhaupt noch zu hören bekommen.
Quelle: The New York Times
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