Im vergangenen Jahr veröffentlichte André Tanneberger aka ATB sein bereits achtes Studioalbum. Fast mühelos platzierte er sich mit „Distant Earth“ in den Top Ten der Media Control-Albumcharts. Sein Tourkalender belegt immer wieder, wie hoch der Mann international im Kurs steht. New York, Las Vegas, Mexiko oder Taiwan sind nur einige seiner Ziele in den kommenden Wochen. Am 8. Juni veröffentlicht er den zweiten Teil seiner Doppel-Compilation „Sunset Beach DJ Session“, bei der er auf CD1 traditionell aktuelle Clubtracks mit neuen, exklusiven Sachen bestückt, ehe er sich auf der zweiten CD den eher gemäßigten BPM-Zahlen widmet.

„Ich war in den letzten Wochen wie immer viel unterwegs und bin froh, dass ich jetzt nach langer Zeit ein paar Tage zuhause verbringen kann, um Kräfte für die anstehenden Shows zu sammeln. Ganz untätig war ich aber nicht, denn ich habe die Compilation fertig gestellt“, berichtet André, als wir ihn zum Gespräch treffen. Dabei gelten diese Wochen – anders als für viele DJs seiner Zunft – nicht als Vorbereitung zur Sommersaison. „Da ich sowieso nicht der klassische Ibiza-DJ bin, der mehrmals in den Sommermonaten auf der Insel ist, gibt es für mich eine Saison in dem Sinne nicht. Wenn man international – auch außerhalb Europas – unterwegs ist, dann ist quasi immer Saison. Da fliegt man von einem Winter in den nächsten Hochsommer und umgekehrt. Teilweise fällt es mir wirklich schwer, die Zeitzonen zu überblicken. Die einzigen festen Dates, an denen ich traditionell weniger spiele, sind die Vorweihnachtszeit und wenn ich an einem neuen Album bastle. Das wird wahrscheinlich wieder Ende dieses Jahres sein – dann werde ich mich ein bis zwei Monate ins Studio zurückziehen und nebenbei die Seele baumeln lassen.“

Für seine kommende Compilation verbrachte André auch in den letzten Tagen einige Stunden im Studio. „Ich wollte den Leuten natürlich wieder etwas Exklusives und Neues bieten, deshalb bin ich mit der tollen Sängerin Ramona Nerra, die man sicherlich von ‚The Voice‘ kennt, einen Tag ins Studio gegangen. Sie ist eine äußerst professionelle Künstlerin, und ich kann mir durchaus vorstellen, noch öfter mit ihr zu arbeiten. Ich finde, mit den neuen, auch sehr verschiedenen Tracks habe ich meinen Sound wieder etwas weiterentwickelt, und es mag durchaus einige Leute geben, die sich wundern werden. Wem die erste ‚Sunset Beach‘ gefallen hat, der wird die neue aber auch mögen. Da bin ich mir ziemlich sicher.“

Spätestens bei der Releaseparty im Frankfurter CocoonClub am 15. Juni wird man sich hierzulande live davon überzeugen können. Und auch wenn auf den ersten Blick – stilistisch gesehen – ATB und Sven Väth Welten trennen, erkennt er einige Verbindungen. „Generell finde ich es schön zu sehen, dass sich Leute, die schon vor Jahrzehnten die Szene mitbegründet und entscheidend geprägt haben, immer noch auf dem höchsten Level befinden. Und dies trotz aller Veränderungen, die es gab und weiterhin geben wird. Dazu gehört Sven Väth definitiv. Er ist seinen Roots treu geblieben und hat nie versucht, einen Trend nachzuahmen. Das respektiere ich sehr. Ich verfolge die Arbeit von Cocoon schon länger und gehöre definitiv zu den Leuten, die vor den Jungs den Hut zieht. Sven und sein Team liefern seit eh und je Pionierarbeit, und er steht zu Recht da, wo er heute steht. Ich freue mich sehr auf die Releaseparty – es wird mein erstes Mal im CocoonClub sein.“

Zum Zeitpunkt des Interviews sind es noch ganze vier Wochen bis zum Release der „Sunset Beach DJ Session 2“. Dennoch steht ATB bei Amazon in der Kategorie „House“ bereits auf Platz 4 der Verkaufscharts. „Das wusste ich noch gar nicht – freut mich aber sehr. Auch wenn ich vielleicht nicht oft in Deutschland spiele, denke ich, dass die Fanbase hierzulande doch recht groß und vor allem sehr treu ist. Deshalb könnte es sein, dass bei genau diesen Leuten eine Art ‚Blindkauf‘ stattfindet. Dieses entgegengebrachte Vertrauen freut mich natürlich riesig.“

Und so gehört André Tanneberger zu jenen Künstlern unserer Szene, die es auf beeindruckende Art schaffen, elektronische Musik auf dem gesamten Erdball zu etablieren. Trotz des jahrelangen Erfolgs weit über die Grenzen unserer Republik hinaus gibt es für ihn aber nur einen Ort, an dem er den Sonnenuntergang wirklich genießen kann. „Ich liebe Sonnenuntergänge sehr. Deshalb trägt die Compilation auch den Namen, den sie trägt. Und auch wenn ich wirklich schon viele beeindrucke Spots auf der Welt gesehen habe, an denen die Sonne quasi malerisch untergeht, muss ich gestehen, dass es bei mir in Witten noch immer am Schönsten ist. Home sweet home.“

Bei solch erfolgreichen Verkaufszahlen, wie er sie mit sämtlichen Releases erzielt, betrifft einen Künstler wie ATB natürlich auch die aktuelle GEMA-Diskussion. „Ich kann auf der einen Seite durchaus verstehen, dass sich die GEMA ebenfalls ein Stück vom Kuchen abschneiden will. Leider haben sie bei ihren Regelungen aber völlig die Relationen außer Betracht gelassen. Wirklich viel Szenekenntnis haben die Leute dort, die an den neuen Regelungen beteiligt sind, glaube ich auch nicht. Auf der anderen Seite kann es aber meiner Meinung auch nicht sein, dass sich YouTube mit dem Gedankengut anderer eine goldene Nase verdient. Unsere Szene bzw. die Künstler sollten viel stärker Stellung beziehen, was sie denn eigentlich wollen. Dann würden Missverständnisse vielleicht schneller und einfacher ausgeräumt. Ich möchte also für keine Seite Partei ergreifen, finde aber, dass es zu einer für beide Seiten zufriedenstellenden Lösung kommen muss. Und das bitte schnell, damit die Leute zuhause nicht auf noch mehr Fehlermeldungen bei YouTube stoßen.“

www.atb-music.com