Und plötzlich ist ein brandneues Autechre Album auf Warp draußen. Und man ist fast  schon schockiert und ziemlich überrascht. Denn damit hat man irgendwie nicht gerechnet, es nicht mal zu träumen gewagt, obwohl das Duo im neuen Jahrtausend womöglich mehr veröffentlicht hat, als Labelkollege Richard D. James, auf dessen nächstes Album wir schon ewig warten. Der letzte richtige Autechre Lonplayer („Oversteps“) kam 2010. Ein Jahr später folgte eine Zusammenstellung der zwischen 1991 und 2002 releasten EPs. Und jetzt blickt man also fasziniert auf die 17neuen Tracks. Sieht sich zwei Stunden und 32 Sekunden Spielzeit gegenüber. Fühlt sich wie an Weihnachten, nur ohne Familie und Baum. „Exai“ besitzt erfreulicherweise alles, wofür man an Autechre so verehrt. Die Sperrigkeit und komplexen Strukturen, die dramatischen Momente, die dazwischen gewehte Leichtigkeit, die betörenden Melodien. Das Mysteriöse, Entrückte, das Rumpelige und Knorrige, Atemberaubende und Nebulöse. Kryptische Tracktitel, Musik, die ohne weitere Informationen für sich spricht. Und dabei wie immer keine leichte Kost ist, stattdessen aber ein Gourmet-Festmahl, das alle Sinne anspricht. Man sollte sich dafür (wie immer bei den Kompositionen von Autechre) viel Zeit nehmen um diesen ganz eigenen Kosmos zu entdecken. 10/10 BS

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