AVAION – Wenn aus dem Ich ein Wir entsteht

Foto: Thilo Lehnert

Mit seinem zweiten Album „TO MAKE PEOPLE HAPPY“ rückt AVAION bewusst von der reinen Selbstreflexion ab und öffnet sich stärker dem kollektiven Moment. Die Platte ist weniger als klassisches Konzeptalbum angelegt denn als Verdichtung realer Erfahrungen – geprägt von Nähe, Austausch und der Energie seiner Liveshows. „Der größte Einfluss dafür waren ganz klar die eigenen Tourneen“, sagt AVAION. „Seit dem ersten Album habe ich zwei eigene Tourneen gespielt, und diese haben die Arbeit am Album stark geprägt. Die Nähe und Emotionen der Menschen sind die Inspiration dazu.“ Das Werk ist auf Sony Music erschienen.

Der Titel „TO MAKE PEOPLE HAPPY“ sei dabei nicht geplant gewesen, sondern habe sich beinahe beiläufig ergeben. Ein zufällig aufgezeichnetes Gespräch auf einer Berliner Straße wurde zum Auslöser. „Ich liebe es, Atmos-Sounds aufzunehmen und diese Texturen dann in meinen Songs zu verschmelzen“, erklärt er. „Bei so einer Gelegenheit hatte ich dieses Gespräch aufgenommen, und ich denke, es war ein Zeichen, da es genau vor der ersten Tour passierte – wie ein Leitfaden, der mir gezeigt hat, um was es mir geht.“

Dass diese Haltung nicht nur im Live-Kontext funktioniert, sondern auch ein großes Publikum erreicht, zeigt die Resonanz der vergangenen Monate. AVAION zählt mittlerweile mehrere Millionen monatliche Hörer*innen und hat sich mit Tracks wie „WACUKA“ international etabliert. Die Afro-House-Kollaboration mit Sofiya Nzau entwickelte sich zum globalen Ausreißer, sammelte in kurzer Zeit hunderte Millionen Streams und sorgte weit über die Clubszene hinaus für Aufmerksamkeit. Auch „SLOWLY“, entstanden mit RANI, unterstreicht diese Offenheit für Zusammenarbeiten – ohne den eigenen Sound zu verwässern.

Klanglich folgt „TO MAKE PEOPLE HAPPY“ dabei keinem streng konstruierten Plan. Dass AVAION mit Akkorden und Frequenzen arbeitet, die Glücksgefühle fördern sollen, empfindet er nicht als kalkulierte Strategie. „Ich denke, es ist ein schöner Zufall, dass die Chords und Frequenzen, in denen ich meine Songs ohnehin angehe, auch die sind, die diese Gefühle fördern.“ Entscheidend sei für ihn die emotionale Balance: „Ich mag es einfach, eine gewisse Wärme in die Sounds zu packen und mit der Melancholie zu spielen.“ Im Vergleich zum Debütalbum wird dieser Perspektivwechsel besonders deutlich. „Selfreflection“ war stark nach innen gerichtet. „Die Alben könnten fast nicht unterschiedlicher sein“, sagt AVAION. „Auf dem ersten Album war alles eher in einer ‚traurigen‘ Sentimentalität gehalten. Mit ,TMPH’ möchte ich diese Melancholie eher für glückliche Gefühle öffnen – und das, obwohl sich trotzdem eine breite Variation an Genres und Styles vermischen.“

Viele der neuen Tracks sind direkt aus Eindrücken von seinen Tourneen entstanden. Einen einzelnen Schlüsselmoment könne er kaum benennen. „Jede Show hat ihre ganz eigene Magie und trotzdem eine starke Ähnlichkeit“, so AVAION. „Dass sich Menschen durch Musik verbunden glücklich fühlen – genau diese Punkte, die ich bei jeder Show gespürt habe, habe ich in das Album gepackt.“ Entsprechend versteht er sein Publikum als aktiven Teil des Prozesses: „Beim Spielen der Liveshows bekommt man ein Gefühl dafür, welcher Song welche Emotionen live vermittelt. Dadurch konnte man dieses Wissen miteinbauen. Ich mag es, eine gesunde Balance in den Shows zu haben.“ Diese Offenheit spiegelt sich auch in der Vielseitigkeit der Songs wider. Tracks wie „WACUKA“ oder „SLOWLY“ funktionieren im Club ebenso wie im sehr persönlichen Kopfhörer-Moment. „Mir ist es wichtig, dass jeder seine eigene Geschichte mit meiner Musik erlebt und dass diese Songs bei jedem etwas Eigenes auslösen.“ Auch stilistisch fühlt er sich heute freier: „Ich denke, ich weiß jetzt, dass ich trotz Genre-Switches immer meinen Footprint in den Sounds habe. So checken die Leute trotzdem, dass es von mir ist – und das macht mich sehr glücklich. Auf diese Weise kann ich mich noch mehr ausprobieren und meinen Sound weiterentwickeln.“

Mit der aktuellen „TO MAKE PEOPLE HAPPY“-Tour 2026 will AVAION diese Nähe weiter ausbauen. Große Versprechen vermeidet er bewusst. „Ich denke, es soll noch echter, noch näher, noch intensiver werden. Aber das möchte ich auch nicht erzwingen. Ich werde einfach das tun, was ich liebe, und hoffe, dass die Leute das spüren und sich inspiriert fühlen.“ Seine Definition von Erfolg bleibt dabei bewusst schlicht: „So viele Menschen wie möglich mit meiner Musik erreichen und sie glücklich machen.“

Im April stehen auch einige Shows in Deutschland an. Tickets sind unter www.avaionmusic.com erhältlich.
08.04.26 – Täubchenthal, Leipzig
09.04.26 – Backstage, München
10.04.26 – E-Werk, Erlangen
15.04.26 – Zoom, Frankfurt
16.04.26 – Carlswerk Victoria, Köln
25.04.26 – Im Wizemann, Stuttgart
28.04.26 – Rosenhof, Osnabrück
30.04.26 – Docks, Hamburg

Aus dem FAZEmag 168/02.2026
Text: Triple P
Foto: Thilo Lehnert
www.instagram.com/AVAION