iF1033_YaBalad_Khalife



Wer nicht nur eine Kultur in sich trägt, ist prädestiniert für Freestyle, gewagte Verknüpfungen und unerhörte Kombinationen. Der franzö- sisch-libanesische Musiker, Sänger und Komponist Bachar Mar-Khalifé lebt dies in seinem Album „Ya Balad“ intensiv aus. Der aus einer bekannten Musikerfamilie stammende, klassisch ausgebildete Künstler bringt unterschiedliche Kulturen zusammen, klettert die Musikhistorie rauf und runter und durchbricht die Genregrenzen. Es ist nicht unbedingt ein leicht zugängliches Album, weil die Musik sehr poetisch und bittersüß ist, weil der Schmerz und die Besinnlichkeit großen Raum erhalten, aber auch weil klassische arabische Musik zum Beispiel mit düsteren Rockklängen oder Karibikrhythmen verschmolzen wird. Die verwendeten Musikinstrumente – unter anderem Cembalo, Klavier, Percussion, Schlagzeug, Melodica und Nay (Längsflöte) – verdeutlichen ebenso seinen unerschrockenen Umgang mit Klangfusionen. Der in Paris lebende Mar-Khalifé verkörpert die Tragödie seines Heimatlandes Libanon und hat irgendwie seinen Frieden damit gemacht – beides kommt in seinem Album zum Ausdruck. Das Stück „Balcoon“ wird von einem Reggae-Rhythmus getragen, über den sich ein zweistimmiger, ruhiger Männergesang legt. Als Accessoire kommt eine Melodica hinzu. Das Lied „Yalla Tnam Nada“ kann wegen der besänftigenden, warmen Stimme der iranischen Schauspielerin Golshifteh Farahani gut und gerne als Wiegenlied bezeichnet werden, genauso wie das auf Französisch gesungene „Dors mon Gâs“, in dem Mar-Khalifé französische Lyrik vertont. „Laya Yabnaya“ vermischt aufgeregtes Cembalo mit Rockklängen. So kann Wagemut klingen. 7/10 Cora Gutiérrez