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Es gibt wahrscheinlich nicht viele K


ünstler, die ihre musikalische Karriere mit Breakdance beginnen und danach in den House- und Technokosmos rutschen. Pascal Augner, besser unter dem Pseudonym Beatamines bekannt, gehört zu dieser seltenen Spezies. Eine klassische DJ-Karriere aus dem Bilderbuch? Fehlanzeige. Antrieb und Motor seines konstanten Erfolges ist sein nicht zu stillendes Interesse am Unbekannten. Ob musikalisch oder persönlich – der Familienvater aus Magdeburg sucht stets neue Herausforderungen. Kaum ist sein zweites Album auf Einmusika erschienen, sind auch schon die nächsten Projekte in Planung.

Pascal, nach zahlreichen EPs und deinem ersten Album aus dem Jahr 2011 ist nun endlich dein zweites Album „Echoes” erschienen.

Und es fühlt sich an, als ob es mein erstes wäre, da es für mich mit großem Aufwand verbunden war. Ich habe jetzt 13 Monate am Stück daran gearbeitet, nachdem ich es zugunsten anderer Projekte ständig hintenanstellen musste. Aber ich wollte unbedingt wieder ein Album machen. Das liegt mir fast mehr, als EPs zu produzieren, muss ich sagen. Und ich bin absolut zufrieden mit dem Ergebnis!

Du hast auch jeweils einen Track mit Einmusik und Fabio Montana integriert, mit denen du in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet hast. Lag es nahe, beide dann auch beim Album dabei zu haben?

Ja. Einmusik war die Person, die mich in den letzten Monaten am meisten geprägt und unterstützt hat. Da war es klar, dass wir was zusammen machen. Und Fabio hatte mich angemailt, da ich auch viel mit Mastering beschäftigt bin. Seine Produktionen haben mir sehr gefallen und da habe ich ihn gefragt, ob er nicht auch einen Track mit mir für das Album produzieren will.

Ein Track ist mir bei dem Album besonders aufgefallen: „You Don’t Understand“. Mit seinen außergewöhnlichen Samples fällt er sehr aus dem Konzept, finde ich.

Das war auch die erste Reaktion bzw. das erste Lob von Einmusik. Er meinte, ich gehe da ein bisschen auf die Schiene von Timo Maas – natürlich im positiven Sinn. Ich habe in meinen alten Breakdance-Sachen auf der Festplatte gestöbert und wollte auch mal wieder was „funkiges“ machen. Ich möchte auch, dass mein Sound weiterhin bunt bleibt. Nicht nur House, nicht nur Techno. Und hier wollte ich den aktuellen Beatamines-Sound mit dem Sound verbinden, mit dem ich angefangen habe.

Stimmt, du hast lange Zeit in der Breakdance-Szene verbracht, bevor du zum Genre der elektronischen Musik kamst, in dem du dich heute bewegst.

Genau. Wir hatten in Erfurt unsere Breakdance-Gruppe „Nasty Stylistix“. Die hatten wir zehn Jahre lang und unser Proberaum war unter dem Studio von Clueso. Nach dem Training sind dann alle nach Hause – bis auf einen aus unserer Gruppe, der DJ war und sein Studio direkt in unserem Tanzraum hatte. Da habe ich mich immer dazugesetzt und dabei zugesehen, wie er seine Beats gebaut hat. Ich fand es einfach interessant. Als er einmal krank war, hieß es: „Pascal, du hast doch immer zugeschaut. Du kannst das doch auch!” Ich hatte noch nicht mal einen PC und musste mir schnell einen kaufen. Aus dem Studio von Clueso habe ich mir dann Logic besorgt. Zur Housemusik selbst bin ich aber durch einen Produktionsworkshop mit Marek Hemmann gekommen. Ich wusste damals gar nicht, wer er war – ich war ja Hip-Hopper. Aber seine Musik fand ich so super, dass ich mir danach alles von ihm gekauft habe und dann plötzlich bei Minimal-House gelandet bin.

Und so hast du dann auch gleichzeitig mit dem Auflegen von elektronischer Musik angefangen?

Ich habe ja erst nur live gespielt. Das mit dem DJing kam dann später, als Leute mich als DJ angefragt haben. Damals wollte ich das nur ungern machen. Ich wollte mich nicht für das Spielen von Tracks anderer Künstler feiern lassen. Das habe ich damals noch nicht so ganz verstanden. Mittlerweile finde ich das natürlich super, weil es auch Spaß macht, Titel von befreundeten und anderen coolen Künstlern zu spielen.

Und mittlerweile überwiegen deine DJ-Sets sogar gegenüber den Live-Sets.

Ja, das stimmt. Aber für das neue Album habe ich auch ein neues Live-Set vorbereitet. Das wurde Mitte Mai erstmalig im Ritter Butzke aufgebaut. Ich war total aufgeregt und habe zwei Tage nur im Studio verbracht, um es zu testen. Es hat aber alles hingehauen und war super!

Du hast auch noch ein Projekt mit Mirco Niemeier, Ektschn!. Wie läuft es da bei euch?

Durch das Album haben wir das Projekt erst mal hintenangestellt, aber demnächst kommt da auch wieder etwas. Wir sind super Freunde und für uns ist das auch ein kleines Spaßprojekt. Da haben wir keinen Druck von Labels oder Agenturen. Im Herbst wollen wir uns wieder zusammen ins Studio setzen.

Hast du denn noch viel Kontakt zu David Jach? Ihr habt ja auch sehr viel miteinander gemacht und produziert. „How Never” und „Ghetto Fusion” sind auch richtig durch die Decke gegangen.

Wir haben wirklich viel gemacht und David hat mich auch sehr geprägt, was das Auflegen angeht. Ich habe es durch ihn mit CDJs gelernt, weil mir einmal Traktor ausgefallen ist. Er hat ja immer mit Vinyl und CDs gespielt und ich mit Traktor, weil ich bei meinen Gigs auch noch Live-Drums mit eingespielt habe. Aufgrund der Albumproduktion, des Agenturwechsels und auch unterschiedlicher musikalischer Interessen haben wir beschlossen, dass jeder lieber sein Ding weiterführt. Er macht eben eher housigere Sachen und ich wollte wieder ein bisschen elektronischer werden, also „back to the roots“ – wie am Anfang.

Wie war das denn damals, als ihr mit den Dortmunder Philharmonikern zusammengearbeitet habt?

Das war mitunter die größte Herausforderung, der ich mich je gestellt habe. Es war ein riesiges Konstrukt und wir haben ein halbes Jahr daran gearbeitet, haben uns deren Musik angehört und wussten erst mal gar nicht, wie wir die verschiedenen Tempi unter einen Hut bekommen sollten. Die Notationen der Stücke von Gustav Holst wurden dann umgeschrieben und uns als Midi-Files gesendet, sodass wir unsere Synthies darüberlegen konnten. Zwei Stücke habe ich auch selbst beigesteuert.

Kannst du dir denn vorstellen, dich noch einmal so einem Projekt zu widmen?

Tatsächlich möchte ich das noch mal machen, ja! Aber allein und etwas kleiner, damit es dann auch in Clubs passt.

Du planst ein Symphonieprojekt für Clubs?

Genau, der Name steht auch schon: Beataphonie. Eine Violinistin habe ich dabei, einen Gitarristen, zwei Bläser, eine Tuba und mal schauen, was noch dazukommt. Im nächsten Frühjahr wollen wir starten.

Du scheinst sowieso ein Interesse an eher ungewöhnlichen Projekten zu haben. Letztens hast du einen Workshop in einer Kita gegeben.

Das war ein Pilotprojekt in der Kita meiner Tochter. Ich habe ein paar Drumcomputer eingepackt, bei denen man wenig kaputt machen kann, und bin nachmittags vorbeigefahren. Erst mal um zu schauen, wie groß das Interesse bei den Kindern ist. Und ich sage dir: das Feedback war überwältigend! Ich habe mir auch Kindergartenlieder geben lassen und diese mit den Kids live geremixt. Es ist verblüffend, was die in puncto Rhythmus bereits draufhaben oder wie sie auch auf Töne reagieren. Es war so erfolgreich, dass wir das zum Sommerfest noch mal machen werden. Ich werde auch versuchen, die Idee städteübergreifend zu etablieren. Viele DJs sind auch Eltern und Kinder sind unsere Zukunft. / Janosch Gebauer

Aus dem FAZEmag 052/06.2016